Blader door transcripties » Staats- en Universiteitsbibliotheek Carl von Ossietzky, Hamburg



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MökstenUnSgade, Scfke 3 .
Hamburgifcher <f on'Wnmflf nf
imuv/
’fn
Donnerstag. den 23. April 1914
:
Luftfahrt
Der Wettbewerb für Flugmotoren. Der Reichsanzeiger veröffentlicht
folgende Erläuterung der Bestimmungen für den
zweiten Deutschen Kaiscrprciswettbcwcrb für Fliigmotorcn. Das
Preisgericht l>at beschlossen, die am 12. Dezember 1913 veröffentlichten
Weltbcwerbsbestimumngen wie folgt zu erläutern: A. Be.
Wertung der Motoren: Jedes der beiden Hauptsystenie —
luft- und ivasscrgctühlte Motoren — wird für sich bewertet. Die
Grundlage für die Bewertung bilden die Ergebnisse der Ver»
suctw- Dabei werden jedoch als Vorteile u. a. besonders berücksichtigt:
1) Gleichförmiges Drehmoment. 2) Niedrige Schrauben-
drchzahl. (Bei Verwendung von Ueberschungsgctneben zwischen
Motor und Propeller wird das Gewicht des Ucbersehungsgc-
triebcs als zum Motor gehörig gerechnet.) 3) Regelbare Vorwärmung.
4) Geräuschlosigkeit (Auspuff, Maschine). 5) Günstige
Eigcnscl-aftcn des Brennstoffs und Schmieröls (Preis, Betriebssicherheit,
Jnlandergcbnis ufw.). Als Nachteile werden u. a.
besonders bewertet: 1) Lange Dauer der Vorbereitungen zur
Prüfung. 2) Verwendung besonderen Schmieröls. (Vgl. Ziffer
17, Absatz 3 der Wcttbcwerbsbcsti,Innungen). 3) Leistungsabfall
beiden Dauerversucl-en. i) Schwingungen (Ersckhitterungen,
kritisä)e Tourenzahl usw.). 5) Zündungsausseher. 6) Betriebsstörungen
der Vergaser. 7) Ungünstige Form für den Einbau in
das Flugzeiig. 8) Hoher Luftwiderstand. 9) Bezug von Mate-
rialien aus dem Auslande. B. Belüftung der Motoren:
Sämtliche Motoren werden ohne Zusatzbelüftung auf dem Prüfstande
erprobt, sofern nicht seitens des Bewerbers eine über den
von der Versuchsschraube erzeugten Luftstrom hinausgehcirde Belüftung
gefordert wird. Da die Notwendigkeit eines so starken
Luftstroms für verschiedene Betriebsarten — Laufen auf Stand
oder im Wasser mit geringer Geschwindigkeit — ungünstig ist,
wird 'die Zusatzbclüftung als Nachteil bewertet. C. Etwaiger
Ankauf von Wettbcwerbsmotoren: Die Heeres- und Vtarine-
verwaltung haben sich bereit erklärt, einige der besten Luft- und
ivassergekühlten Motoren anzukaufen, sofern sie den von ihnen
ausgestellten Sondcrbcstimmnugcn genügen: diese werden In
teressenten auf besonderen Wunsch vom Präsidenten des Preisgerichts,
Wirkliä)cm Geheimen Oberbaurat Dr.-Jng. Vcith,
Berlin, Rcichsmarincamt, zugcstellt. Für Flugzeuge der.Heeresverwaltung
kommen nur Motoren von 80 bis 125 PS. in Betracht,
für Flugzeuge der Marine. Wasserflugzeuge, nur foTd>c von 125
bis 200 PS.
Beim Oefterreichischen Rnnbflng um den Dchicht-PreiS hat
bis letzt Konschcl die beste reine Flugzeit aufzuweilen Er gebrauchte
zu dem ersten Etappenflug Wien—Prag—Wien etwa-
über 8 Stunden. Die zweite Etappe Wien—Budapest beginnt am
Sonnabend.
r>e*r und flottt.
Marinepersonalien. Offiziere der Marineinfanterie:
Lt. Barth im 3. Stammsceb. scheidet bch. Rücktr. in dayr.
Militärdienste aus der Marme aus. Ter bayr. Lt. Kuhn der
Fortifik. Germersheim wird nach erfolgtem Ausscheiden aus dem
bayr. Heere unter Verl, eines Patents vom 8. Scpt. 1905 im
3. Stammsceb. angcstellt. Offiziere des Beurlaubtenstandes:
Oblt. z. S. d. Res. Pro sch vom Bcz.-Kdo. Bremerhaven
ist vom 25. April ab zur Ableistmig einer achtwöchigen
Hebung aus »Stuttgart" kommandiert. Titelverleihung:
Den Mar.-Jntend.-Sekr. Dehlwes, Cronewitz und Dockhorn
von der Btar.-Jntendantur Kiel ist der Titel „Ober-
Marine-Jnlendantur-Sekretär" verliehen worden. Orden
und Ehrenzeichen: Es wurden verliehen: dem Kaptlt.
Heine mann, 1. Offiz. „Bremen", der Rote Adlerorden 4. Kr.,
dem Oblt. z. S. G a l st e r. dem Lt. z. S. Sauerland. beide
«. St. „Bremen", der Kronenorden 4. KI., dem Fcuerw. W e n d t
obm kl. Kr. „Bremen" das Allgemeine Ehrenzeichen, den Ob.»
^tasch.-Maaten Riewe mrd Stüve, dem Feuerw.-Mt.
Kynatz, dem Bootsm.-Mt. Müller, dem San.-Mt. Kiehn-
s ch e r f. den Dlasch. B o t h m a n n und Buschmann, sämtlich
von „Bremen" das Allgemeine Ehrenzeichen in Bronze. Ferner
wurden verliehen: dem österr.-ung. Linienschiffskapt. v.Nauta,
ümdt. des geschützten Kreuzers „Kaiser Franz Josef 1.", der Rote
Adlerorden 2. Kl., dem italienischen Korv.-Kapt. Bellavita.
kdrt. zum Nachrichtenbureau des Admiratstabes, der Rote Adlerorden
3. Kl., dem österr. See-Ob.-Jnsp. Niseteo. Vorstand des
Hafen- und Sccsanitätskapitanats in Triest, der Kronenorden
2. Kl. Dem Äapt. z. S. Begas wurde die Erlaubnis zur An
hat. neben Homer, AeschyloS, Dante, Cervantes und Goethe.
Vergleichen wir dann sein Lebenswcrk mit dem dieser Männer,
so gelingt cs uns, einen Blick in die Seele des Dichters zu
werfen, Vesser und tiefer, als wir es auf Grund der peinlichsten
lleberlieferung vermocht hätten. Goethes Faust bietet ein erschöpfenderes
Zeugnis für den Werdegang des Meisters als
sämtliche Gespräche des fleißigen Eckermann. Alles, was wir
von Sophokles' militärischer Tätigkeit wissen, würden wir gern
entbehren, wenn sich dadurch eines seiner verlorenen Stücke erkaufen
ließe. Von diesem Standpunkt aus können wir es verschmerzen.
daß uns nur so niangelhafte Angaben von Shakespeares
Leben überkommen sind. Die Zeitgenossen, die seine
Bedeutung nicht erkannten, aber aucki nicht erkennen konnten,
sind uns viel schuldig geblieben, aber seine Dramen sprechen
eine beredtere Sprache als alle Berichte und geben eine hin-
seichende Kunde auch von dem Menschen Shakesparc. Statt
über das Fehlende zu klagen, wollen wir den wackeren Männern
Heini,»ge und Condell dankbar sein, die uns durch die Herausgabe
der ersten Folioausgabe das Lebenswcrk «hres Genossen
«hakcspeare in ferner Gesamtheit erhalten haben. Sie haben
den Gedüchtnisring, den der Dichter ihnen letztwillig vermacht
hat, reichlich verdient.
Versammlung d«r KantgcfeUfcbaft.
Die
diesjährige
taw 20. April in Halte
Tagung der Kant-Gesellschaft vom 16. dis
M„ r ^.lle a. S. trrrg den Charakter einer Feier des
Anjährigen Bestehens. Dem entsprach zunächst die Einleitung
Ar, sonntäglichen Versammlung durch das Sprel einer, rvahr-
jMinlich einzigen Klaviersonate von I. Fr. Herbart, die, be-
wrrdkrs im Adagio des Mittelsatzes, ztvar Hahdn nachempfunden.
>m.'lllegro molto de- Finale aber doch zu fesselnder Eigenheit sich
erhob. Der Abend vereinigte die Teilnehmer dann zu einer auch
^obstädsische Bedürfnisse wirklich befriedigenden Festvorstellung
ö q u b e t f l ö t e im Stadttheater, die durch einen Prolog ein-
ö e f 'tet wurde, den Geh. Rat Baihinger gedichtet hatte. Die Vor-
flY aber, und zwar sowohl der von Prof. B. Bauch- Jena
8»!"kr den Begriff des Naturgesetzes" wie der des«
Felir Krueger-Halle „über den Begriff de»
über die wir sogleich berichten werden, standen auf
"" festlich stimmenden gedanklichen Höhe.
^Affelnbe Augenblicke brachte die montägliche Geschäftsver-
zunäckfft durch das von attischern Salze beinah zu stark
toorf« JV # V ,coret, » rt,fn it WM
foldK-r ' konnte artige Betrachtungen über das Wesen auch
leusc,,».Od'^igen Submissionen" ernstesten: von den einge,
länm?'Arbeiten umfaßte die kürzeste vier Seiten, die
seist,^Seiten! Das Thema selbst überstieg die
^^ardermlgen. die man an Bearbeiter solcher Preis-
derteü» >. Hkklen sollte; so geschah es. daß ein erster Preis nicht
Wiei, . '^kden konnte: eine lobende Erwähnung erhielt Deleti,
E r „st netten Preis von je 1000 erhielte,, Pfarrer Dr
8ran.», Straßbuvg, Elsaß, und Oberlehrer Dr.
«ns.Kiel. Gros, vorläudsr berichtete «er fei, t»Lr.
legung des ihw vom König von Bayern verliehenen Offiziers-
kreuzcs des Militärverdienstordei^ erteilt. Der Oblt. z. S.
Wichel Hansen b. St. der Mittclmeerdiv. bat die Erl. z.
Anl. des ihm Verl. Ritterkreuzes des Griechischcil ErlöserordenS
erhalten.
Ersatz für „Taku" nach Ostastcn. Für das am 30. Dezember
an dch Marinewerft in Tsingtau Zrr Autzerdiensfftcllung getätigte
Depesctien-Torpcdoboot beim Kreuzcrgeschwader „Taku" soll nach
den Kieler Neuesten Nachrichten als Ersatz ein großes Torpedoboot
von der Heimat aus nach dem Fernen Osten die Ausreise
antreten, da ,,8 90 " beim Kreuzergeschwader auf die Dauer allein
dem Dienst eines Dcpeschenbootcs für die Zwecke des Flottenauslandsverbandes
nicht gewachsen ist. Datier ist nach den Besinn-
mlingcn des neuen Jndicnsti-alttliigsplans bis Ende März 1915
von
die
m .Hl , I die
günstigste Jahreszeit in Ansatz kommen. „5 90" urid „8 91" fiihrten
seinerzeit die Ausreise von der Heimat nach dem Fernen Osten
im Juli und August 1900 in Begleitung des Lazarettschiffes aus.
8
fort»' und im Shakespeare-Museum ergriffen, denn man fürchtet bei
Shakes
feier zu erwarten ist, Untaten der Suffragetten gegen diese kostbaren.
dem gewaltigen Andrang, der bei
das damals für die Zwecke der deutschen Seestrcitkräfte auf der
ostasiatischcn Station während der Ehinawirrcn im Dienst gehalten
wurde.
Der Ablösungskranspsrt für das ostasiatischc Kreuze» gcschwa-
der, bestehend aus 12 Offizieren und 600 Mann der Ostsecstation,
ist gestern morgen von Kiel mit dem Sondcrzug nach Wilhelmshaven
abgefahren. Dort schifft sich die Truppe gemeinsam
mit den Wilhelmshavener Mannschaften auf dem Dcnnp.
fer „Patricia" zur Ausreise nach Tsingtau ein. Das Kommando
der Ablösunasmannschaften ist ein zweisähriges.
Schiffsnachrichten der Kaiserlichen Marine. Eingetroffen:
„Gneisenau" am 21. April in Wusnng, „Geier" am 21.
April in Kilwa Kissiwani. In See gegangen: Das 1. Geschwader
am 18. Avril von Wilhelmshaven nach Kiel,
„Grille" am 20. April von Kiel. Privatpakete: An die Besatzung
der „B r e s l a u" können zu den bekannten Berscndungs-
bcoingungen Privatpakcte kostenfrei verschickt werden, wenn sie
mit der Post Porto- und bcstcllgcldfrci bis spätestens 26. April
1911 bei der Speditionsfirina Matthias Rohde & Jocrpcns, Bremen,
ein treffen. Für Berpackungs- und Ladegebühr sind 0,30 „H
bei der annchmenden Postanstalt zu entrichten. (Tel.)
Huö aller <Hclt.
Deutsche Werkbund-Ausstellung. Man schreibt uns: Entgegen
mehrfach ausgetretenen gegenteiligen Gerüchten muß energisch betont
werden, daß die Deutsche Werkbund-Ausstellung am 16. Mai, mittags
12 Uhr, eröffnet werden wird und daß auch niemals ein anderer
Eröffnungstermin in ErwäMnq gezogen worden ist.
Ei» Gang durch Tampico. Seit einigen Wochen ist Tampico,
dieser Haufen alter Häuser, unr ein« alte Kirche auf eincm^ Sand»
Hügel erbaut, iaeltberühmt; der kleine Hafen am Panuco-Flu^ ist
der erste Zielpunkt der amerikanischen Flotte; hier sind die ersten
Schüsse in dem Konflikt zwischen Amerika undMexiko gefallen. Hätte
man in Tampico nicht Petroleum entdeckt, so wäre der Ort der
schläfrige Flecken geblieben, der er vor 100 Jahren schon war. Nun
aber hat sich die Industrie der Stadt bemächtigt. Tampico hciß,t
die „Oelmetropole von Mexiko"; man hat den Hasen ausgebaut;
Werften sind entstanden, große Dampfer liegen an den 5iais; in
dem Eisenbochndepvt herrscht aufgeregter Lärm, und wo früher nur
das dumpfe S-umn»en glühender Hitze alles in Schlaf legte, pfeifen
die Lokomotiven und poltern dl« Ladungen, die in die Dampfer gebracht
werden. Dieses rege Leben nach der Soeseite zu ist aber nur
eine äußer« Fassade; die Neuerungen und BeräTlderungerr beschränken
sich aus dcit Hafen, und wenn wir mit einem englischen Korrespondenten
einen Gang durch das eigentliche, einige dftlomeler aufwärts
am Flusse gelegene Tampico antreten, wandern wir durch
keine moderne Stadt, sondern durch das echteste Mittelamerika, das
auch nicht eine Ahnung von künftigem Aufschwung hat, sondern
schmutzig ist und verfallen, aber schön, malerisch, reizvoll in allem
Schmutz. Da liegt der alte Marktplatz, und auf ihm spielen sich
ttotz der Werften und der Eisenbahnen die bunten Szenen des Eingeborenenmarktes
ab. Da kommen die Leute den Uuß heraus-
gefahren in ihren ielbswersertigten Kanoes und feilschen mit dem
Stadtvolk. Gegen Honig und Sasiaparillwurzeln und süße Früchte
tauschen sic Kleider ein, Tabak und Pulque, den Nationaltrank aus
dem Saft der Aloe, der so rasch zu Kopf steigt und trunken macht. P . , |
Zwischen den Geländern der alten Brücke rollen sich die braun- ' Katholisch-Henuersdorf verhaftet.
häutigen, schwarzäugigen Kinder in glücklicher Nacktheit umher, und
wenn Die abendliche Kühle naht, dann hört man die seltsame Musik
fremdartiger Instrumente. Ta singen die Frauen aus den fernen
noch kaum von der Kultur beleckten Gebieten des Innern ihre seltsamen
tzftsänqe, und di« Männer liegen faul auf dem Boden und
erörtern die Aussichten für den nächsten Hahnenkampf. Es,sind Merk,
lvürdig stolze und fesselnde Erscheinungen, di^ie kupferfarbigen,
schwarzhaarigen Frauen voller Schlichtcrnhe.it und Schönyeti die
auf dein Markt von Tampico ihre Früchte feilbicten, und gleich da-
bei an der alten Brücke entfaltet sich ein Leben, das nichts gemein
hat mit der regen Lüclt am Hafen, daS ioeltensern ist vpn aller
Kultur, aber blühend und glänzend in reichen Farben. Neber dem
Markt und über dem Häusergewirr erhebt sich wie schützend die alte
Kathedrale, von grünem Epheu umkleidet, und nicht lvcit davon steht
auch das andere aufsällig« (Gebäude, das einst weiße, jetzt von einer
Schmutzschicht starrende Gefängnis. Auch dies Gefängnis von
Tampico ist ein romantischer Ort, ein Stück Welt für sich, und wohl
der demokratischste Kerker, den es gibt. Für irgendeine Kleinigkeit,
ivcgen Trunksucht oder einer nichtigen Beleidigung, kann man hier
Wohnung erhalten und — dann vergessen werden. Wer keine
~ reuttbc und kein Geld hat, bleibt da monatelang. Denn auch das
uge des Gesetzes ist schläfrig im alten Tampico und Gerechtigkeit
ein Ding des Zufalls. Die Kultur ist hier noch ein« Angelegenheit
von morgen, und die Amerikaner komincn hier rn eine ihnen fremde
Welt, die ihnen manches Kopfzerbrechen bereiten wird. Sollte der
amenkanische Admiral daran denken, den Pannco-Fluß hinauszu.
fahren, so wird er dessen Tücken und widrige Sttömunoen zur Ge-
nüge kennen lernen; bleibt er dagegen mit seiner Flotte draußen,
so befindet er sich auf einer kahlen Rhede, mehr als 10 Kilometer
von der Stadt entfernt, ohne günstige Ankergelegenheit und in steter
Gefahr vor einem der unangenehmen Nordstürme, die so plötzlich
in den mexikanischen Gewässern mit einer ganz unglaublichen Gewalt
losbicchen.
Die susfragettensicherc Kunst. Vorsicht ist di« Mutter der Weis»
heit; deshalb sorgen die Direktoren der englischen Museen und Kunstsammlungen
beizeiten dafür, daß sich ein Attentat wie das gegen die
Venus des Velasquez nicht wiederholen kann. Der Weg, den man
gefunden hat, ist zwar etwas kostspielig, aber sicher. Im Viktoria-
nnd Albert-Museum sowie in der Nationalen Porträtgalerie sind
bereits sämtliche Kästen und Bilder mit Triplex-Sicherheitsglas ver-
sehen, und die britische National-Galerie sowie das britische Museum
werden dem Beispiel wahrscheinlich binnen kurzem folgen. Dieselben
Vorsichtsmaßregeln hat man im Shakespeare-Haus in Strat-
kespeares 350. Geburtstags-
Reliquien. Sogar die Büste Shakespeares in der Kirche von Strat-
sord schaut nun aus einem Schutzkasten von Triplex-Glas hernieder.
Diese französische Erfindung, die aber jetzt auch in England fabriziert
wird, besteht aus zwei gewöhnlichen Glasplatten, zwilchen denen sich
eine Schicht durchsichtigen Celluloids befindet, und dies« drei Lagen
sind zu einer einzigen Glasfläche verbunden, sodaß man äußerlich
die Schichtungen garnicht sicht. Bevor dies Glas seine ungeahnte
Bedeutung als Suffragettenschutz gewann, wurde es hauptsächlich
für Automobile verwendet. Man kann gegen dieses Glas einen
kräftigen Sä^ag mit einem Beil führen, ohne daß es beschädigt
wird; man kann eine kleinere Pistole dagegen abfeuern, ohne daß
ein Loch entsteht; man kann es mit dem Diamanten nicht schneiden,
sodaß eventuellen Dieben die Abncchme des Glases fast unmöglich
gemacht wird. Dabei ist cs ebenso durchsichtig wie gewöhnliches
Glas und schädigt den Eindruck der Kunstwerke nicht. Durch den
'Seyen des Triplex-Glases wird also die englische Kmist wirklich
„suiftagertensichcr" gemacht werden.
Vermischte Notizen. AusTrier wird gemeldet: In den: Dorfe
e s e r entstand Dienstag erbend gegen 6 Uhr ein Feuer, bei
dem vier Häuser rnederbrannten. In der Famllic des Lmtdipirt-
fchaftsmmisters Frhrn. v. Scharlemer-Lie-se-r. wurden.die
Hochzcitsfestlichkeiren — es fand gerade Poltercrdend statt — unterbrochen.
Der Ptinister eilte fell»t zur Brandstätte und stell« fmc
Dienerschaft der Feuerwehr zur Verfügung.
Auf der Grube „Neue Haardt" bei Siegen find zwei
Italiener und der Arbeiter Fisct)pach tödlich v e r u n g l ü ck t; oie
ersten beiden durch einen vorzeitig tosgegangeiren, letzterer durch
einen steckengebliebenen, nachträglich explodierter! Sprenaschuß.
Wie aus L a u b a n berichtet wird, wurde als des Mordes
an dein vierjährigen Töchtcrchcn des Barviers Weinhold ver-
dächttg gestern vormittag der 17jährige Arbeiter Diersch aus
»Ti*
beit befindliches Werk einer Kant-Biographie, das endlich
einmal das zu bieten verspricht, was wir über gleich große Genies
anderer Kulturgebiete seit langem besitzen; Vorländer wird dankbar
sein für jeden Hinweis auf entlegene unmittelbare oder mittelbare
Quellen einer Kenntnis von Kants Leben. Privatdozent
Dr. Rug e-Heidelberg suchte über seine internationale Bchlio-
graphie „Die Philosophie der Gegenwart" zu berichten;
Rüge kämpft für dies bedeutsame Unternehmen einen
vielleicht tragischen Kvmpf, sodaß es peinlich wirkte, wie durch
Geh. Rat Vachingers unverständlich selbstl>errliche Schluß-
gebietung dieser Bericht wirkungsarm abgebrochen werden mußte.
Zwei Anttäge wurden auf die Tagesordnung der nächsten Jahresversammlung
gesetzt. Der eine, von Dr. Z s ch i m m e r - Jena,
will durch einen Ausschuß eine einl>eitllche internattonale Kunstsprache
der Philosophie in Anlehnung an das Lateinische und
Griechische feststellen lassen!
Berichten wir nun kurz über die beiden Vorträge.
lieber den Begriff des Naturgesetze- wußte
Prof. Bauch folgendes zu sagen: „Erscheinmlgen" gibt cs nur
unter Regeln. Diese Unterworfenheit unter Regeln bedeutet die
Bestimmbarkeit der Erscheinungen. Bestimmbarkeit der Erscheinungen
und die Erscheinungen selbst lassen sich also nur in
der Abstraktion des Gedankens trennen. Man darf aber nicht
Regelmäßigkeit schon Naturgesetz nennen. Die Mißachtu,»« dieses
Gedankens erzeugt die Verwirrung in der Biologie. Regelmäßigkeit
heißt nur erst Gemäßheit bezüglich einer Regel; aber nur die
objeftive Regel selbst ist Gesetz. Regeln dulden Ausnahmen, Gesetze
duldeil keine. Regeln also, denen die Erscheinungen unterworfen,
nicht nur gemäß sind, heißen objekttve Regeln. So sind
nach Galilei Naturgesetze besondere, durch empirischeil Inhalt erfüllte
Kausalgesetze. Hinzukommen die niathematischell Relationen;
hinzukonnnt das in jedem Skaturgesetz liegende System der
Kategorien. Demnach stellt sich daS Naturgesetz als ein allgemeiner,
durch besonderen Inhalt erfüllter Kategorienkomplex dar.
Der Mangel bei Kant hinsichtlich einer Definition deS „Gesetzes
des Gastenstandes" liegt in seiner Treniumg der transcendentalcn
Aesthettk und Logik, der zwar durch gelcgentlickie Gedankcnmotive
abgcschwächt wird, wie durch das. daß „der Verstand" die Quelle
der Grundsätze ist. Weil nun die Erkenntnis unendliche Aufgabe
ist. so könnte eö scheinen, als Nvnn auck» da- System der Kategorien
ein indefinites Unendliches fei. Kategorien sind Invarianten;
ihre Unendlichkeit kann nur ein tranSfinites Unendliches
Tantorschen Sinne» sei. Es wird nun zur Bezeichnung de»
NattirgesetzeS von Banch Helmholtzsche Ausdruck deS
Gattungsbegriffes adoptiert, dem er aber funktionalen Sinn gibt.
Kants Unterschied von Form und Materie, die gleichsalls dem Begriff
des Naturgesetzes nicht gedient habe, faßt Bauch als Begriffe
einer Stufenfolge zum Besonderen.
Man könnte in Pros. Falckenbergs schelmiger Weise über
diesen Dortrag daS bekannte Wort wieberholen: WaS aut daran
>oar, war nicht neu; was neu — nicht gut. Uebrigens kann, wer
Lust hat, den Aiifsatz gewiß alSbald in den „Kantstudien" »mch-
lesen.
Des Psychologen Prof. Kruegers Vortrag über den
Begriff des Wertes war in feiner ganzen persönlichen Art
ungleich sympathischer und wcchltuender. Wir skizzieren seinen
Gedankengang wie folgt: Nachdem allgemein alle »viffenschaftS-
stchtgm Wß-W Moutere* Wissenschaften zugefallen sind, entsteht
— - ■ ■" ■ ' -n ™"‘i 1 " 1 .. 11
immer deutlicher die Einsicht, daß cs eine Frage darüber hinaus
gibt: die Frage nach dem Sein-Sollenden. Diese Frage treibt
uns eigentlich zur Philosophie. Die Frage nach der (objekttven)
Geltung eines Wertes ist eine Frage der Weltanschauung. Die
Gegenivart empfindet dies Problem schärfer als frühere Zeiten.
Dies Wcrtproblem wird unheftbar verwirrt, wenn es nicht als
ein anderes als das des Seienden gefaßt wird. Sagen wir
„Vater" oder „Krieger", so ist ein Zusammenhang objektiv
emotionaler Art gesetzt, nicht bloß ein solcher des Seienden. Me
Metaphysik lebt ganz und gar von solchen Wcrtzusammcuhängeu.
Die Psychologie hilft uns nur, dies Problem des Wertes rem
herauszustellen. Kant hat mehr als irgend ein anderer die
Wertwissenschaft gereinigt. Ihrer Klärung kam die Einseitigkeit
der kantischen Beziehung auf die mathematische Naturwissenschaft
zu statten; denn durch Vernachlässigmlg aller Ueber-
gänge traten die entgegengesetzten Cliaraktcre des Seienden und
des Seinsollens scharf hervor. Vor Kant gab es Güter, das
t^ißt Zwecke, die eine Geltung an und für sich selbst zu haben
beanspruchten. Solange aber der Wert wie ein absolutes Dmg
gesetzt wird, so lange ist das Problem eines objektiv Wertvollen
unlösbar. Kant wagt den Gedanken, dah kein Ding und kein
Gedanke eines Dinges an sich selber gut sei; jeder Wert ist vor
einem höheren Wert, endlich vor einem höchsten Wert zu prüfen
und zu rechtfertigen. Es gibt keine sittliche Wcltordnung, die un-
abhäiigig vom Bewußtsein irgendwo abgelesen werden könnte;
die sittliche Weltordnung ist also nichts Gegebenes, sondern ein
uns Anfg eg ebenes durch die Kraft des Geistes; denn imr
der „g u t e Wille" ist gut. Aber das Problem ist bei Kant zu
keiner vollen Klarheit gelangt. Die Schwierigkeit liegt in der
Einheit aller Werte unter einem höchsten, von sich aus alle andern
erst bestinimenden Werte. Dieser höchste Wert kann nur in der
Funktion derWertung gesehen werden. Sie allein ist das
Wertvolle. Die Philosophie verwechselt „Wert" und „Zweck".
Ein „Selbstzweck" ist ein Unbegriff. Werte könne:, ohne Zwecke
sein: wo ist z. B. im Dämonischen ein Zweckbewnßtsein. trotzdem
es eine große Kraft de» Wertung ist.
Der Vortrag bewegte sich ganz im psychologischen Horizont,
der nicht sehr weit ist; so hat denn auch eine Krittk nichts
reizvolles.
Weil der Gewinn aus solchen Versa,nmlungen im Anknüpfen
und Aufftischen von Bekanntsck»aften liegt, so sollten die Veranstalter
vor allem darauf bedacht sein, als Vortragende stets nur
erste Kräfte zu gewinnen, sodaß man auch wirklich wertvolle persönliche
Einwirkling nach.Hause bringt. Dabei ist nicht einmal
eine Beschränkung auf spezifisch philosophische Redner nötig; hat
Kant wirklich eine universale Kulturbedeutnng erlangt, so muß
die Kant-Gesellsck-ast auch aus anderen „Lagern" Vortragende
ln'ranbittell können, ohne ihre eignen Grenzen verrücken oder verwischen
zu brauchen. Nun, ließ auch daS Niveau der Vorftäge
zu wülisckren übrig, so lmtte man doch Gelegenheit, einige, wenn
aiich nicht zu Worte kommende erlauchte Geister begrüßen zu
können; so Justizrat Pros. Stammler und Prof. Hiisserl. Die
l»etden Festessen, die über 110 Teilnehmer atisiviesi'tt. verliefen erfreulich;
dafür, wie für den freundliche« Ton deS allaemeineu
Verkehr» uiache ich den Geschästsführer Dr. Arthnr Liebert
verantwortlich, den, alle Teilnehmer mehr als irgend einenr
ander», der Geschäftsführer Dank schulden.

Bronvermelding

Staats- en Universiteitsbibliotheek Carl von Ossietzky, Hamburg, Börsen-Halle (PPN borsen-halle), donderdag 23 april 1914, pagina 3




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