T^rncmTTitSflnüc, ^effc 2. Hambnrgischer Correspondent Donnerstag, den 23. April 19U Heber die Debatte im Wa shin n to n ct Senat Vor der Annahme der. entscheidenden Beschlusses, der das Vorgehen der Regierung billigt, wird uns drahtlich nachträglich nach gemeldet: Washington, den 22. April. Die Debatte im Senat über die Resolution bezüglich Mexiko trug einen leidenschaftlichen Charakter. Es wurden viele b*merkens- werte Reden gehalten, darunter eine Rede des Senators Rood, der verlangte, daß daS in der Resolution für die Haltung des Präsidenten vorgeschlagene Wort „Rechtfertigung" nicht mit dem Zwischenfall von Tampico, sondern mit der langen Reihe von Verbrechen begründet werde, die gegen Leben und Eigentum amerikanischer Bürger begangen worden seien, mit Einschluß derjenigen, die in Nordmexiko, wo die Insurgenten herrschen, verübt wurden. Ein Zusatzautraa zu der ursprünglichen Resolution, der vorschlägt, daß die Vereinigten Staaten nach Niederwerfung des Gegners sich wieder auS Mexiko Zurück- Ziehen und alle Teile des Landes seinen Bewohnern überlassen sollen, wurde abgclehnt. Das englische Königspaar in Paris. Uebcr den weiteren Verlauf des Pariser Aufenthalts des englischen Königspaarcs wird uns telegraphisch gemeldet: Paris, den 22. April. Der König von England hat heute vormittag den russischen Botschafter Iswolskh empfangen. Alsdann begaben sich die Majestäten nach der englischen Botschaft, wo sie verschiedene Abordnungen empfingen, die Adressen überreichten. Hierauf nahmen der König und die Königin an einem frühstück in kleinem Kreise teil. Ueber die e n g l i s ch - f r a n z ö s l s ch c n Beziehungen geht uns ferner folgende Drahtmeldung zu: London, den 22. April. Der Spezialkorrespoudent des Reuterschcn Bureaus, der den König auf seiner Pariser Reise begleitet, ist zu folgender Erklärung ermächtigt: Was die bevorstehenden Besprechungen während des Besuches des Staatssekretärs Grey und die mutmaßlichen Ergebnisse der Zusammenkünfte der britischen und französischen Minister des Aeußern anbetrifft, so kommt ein neues formelles und schriftliches englisch-französisches Abkommen, das von einigen Stellen vcrmutet wurde, nicht in Frage. Die Beziehungen Englands und Frankreichs sind gut und fest begründet und auf der Grundlage eines gegenseitigen herzlichen ' Einvernehmens stark befestigt. Zweifellos werden Angelegenheiten von beiderseitigem Interesse, wie die Neuen Hebriden besprochen werden. Es ist jedoch kein Grund zu der Annahme vorhanden, daß Grey oder Doumcrgue eine Liste von Auge- legenheiten fiir einen formellen Meinungsaustausch im Sinn hätten. Wem: eine Grundlage des Einverständnisses besteht wie bei England und Frankreich, so werden »fragen wie die genannten besser zwischen technischen Experten erledigt. In den englisch-französischen Beziehungen ist in der Tat keine formellere Art und Weise notwendig, ebensowenig wie ein Abgehen von dem bestehenden Einverständnis. Obwohl als Ergebnis des Pariser Besuchs eine Erweiterung der bestehenden Beziehungen nicht erwartet werden kann, so darf doch auf eine klarere Definition des bestehenden Einverständnisses gerechnet werden. (Tel.) Inlanck unct Zluslanck. Oeutscbev Reich. Prinz Georg von Bayern, der einige Tage den Manövern des ersten Geschwaders beigewohnt hat, verließ das Geschwader nach seiner Ankunft in der Kieler Bucht mW trat die Heimreise über Hamburg an. (Tel.) Badischer Landtag und Irsuitengesrh. In der badischen zweiten Kammer wurde gestern die Generaldebatte dcS Kultuö- etats begonnen. Abg. Frank Mannheim (Soz.) erklärte, seine Partei stimme, ebenso energisch wie oaö Zentrum für die Aufhebung des Jesuitcngesetzcs, das unhaltbar sei. Die Regierung möge von ihrem Rechte Gebrauch machen und die Klöster zulassen. Kultusminister Böhm erklärte, die Regicrnng müsse die Trennung von Staat irnd Kirche im wohlverstandene»» Interesse beider Organe vermeiden. Die Interpretation des Iesuüengc- setzcS betrachte oie Regierung <us nicht glncklich, aber für die Au,Hebung ocs Ieiuiwngeietzes schlechtweg könne oie vadisck-e Regierung nicht stimmen, «re sei aocr bereit, sich au den künsti- gcu Verhandlungen des Vuirocörats in dieser Frage zu beteiligen. (Tel.) Der Fall Schleinitz. Die Erörterung über den Rücktritt des Komlnanoeurs der -Lll-utztruppe in Deuticy-Ostasrita, Obersten v. <schlcmih, der insolge voir chivercn Dls,erenzen zwischen Herrn v. Schleinitz uno vcr Zivilvenoaitung der Kolonie»! yervcigesuhrt wurde, dauert fort. Reucrüings verösie»ill,cht das Zentrums- organ Germama einige vemerlenswerte Einzelheiten uvcr den Fall: Freiherr v. Schleinitz sollte schon nach seinem Urlaub im Jahre 101U nicht inujc im Koloniawienst vleivcn, aber, ,o schreibt die Gerlnaiita, „die Vornayuic der Ltcnocrmlg eines Tar- es-Salamer Berichts, durch wen. wird ,a im Rcichslolomalapit am besten vetannt sein, ermöglichte es, Schleinitz noeymats iu die Kolonien zu ,c>wen." Der Kaiser habe fm), jo berichtet das Blatt weiter, die geiamren Atten Schlein.y vorlegcn lagen und persönlich die Ent,cl)ciüung getrosten, wonach Herrn v. Schleinitz' Abschiedsgesuch vorzulegen sei. „Es ist anch durchaus cinlcuch- teuo," wird weiter erzählt, „daß ein Schutztruppcnrommaiii.F.tr nicht auf seinem Posten bleiben kann, der seinen Lfflziercn jagende Instruktion gibt: „Sie kommen setzt nach ik. auf Posten, wenn Sic nicht binnen Jahresfrist einen Ausstand in Ihrem Bezirk haben, karui ich nicht weiter mir Ihnen kapitulieren." Diese Aeußerung ist in Dar cs-Salam gcfauen und laun nicht abgestritten weroen. Durch die Anzettcluiig von Unruhen >m Schelygcvict sollte eine Verstärkung oer Schuytruppc hcrbeigc- führt, zum mindesten aber eine Verminderrulg unter allen Um- ständen verhliidert weroen." Es iväre doch sehr wstllschcnswert. authentisch zu erfahren, ob sich die Dache wirklich so verhält. Eine wichtige ltnischeidung über das Zivildicnsteinkommen pensionierter Lfs-ziere hat das Preußische Obcrvenvaltungsgerick)1 gefallt. Einem im Zivildienst angestellten Militärpensionär ivar nicht, wie die vom Kricgsministcrinm herausgegebcncn „An- stcllungönachrichtcn" schreiben, das volle Diensteinkommcn der Zivilstelle, sondern nur der Unterschied zwischen dem letzten pensionsfähigcn Mik'^"dienststcinkommcn und Militärpcnsion gewährt worden. Dies hat das Preußische Oberverwaltungs- gericht für unznlä^" erklärt und dabei stzeführt, daß bei Anstellung im Zivildienst das Recht au, den Peiisionsbezug ganz oder teilrveise ruht. Es widerstreitet dem Offizier.Pensionsgesetz. wenn statt der Milstärvension das Zivildicnstcin- kommen von der Ziv'lbehörde ""ksirrt wird. Kongreß für einheitliches Angestellten» echt. Die gegenwär- tige Zer>plutcruag ocs Aroelisreu-is yac w»cvevi,-o»x oen Deutschen Iuristentag veschäftigt, und im vorigen Jahre hat auch der Verband der Gewerve- und Kanj>nannsgerichlc dazu Stellung genonnnen. Neuerdings Häven zwölf Llngeitclllen-Ovnaniialioncn einen Kongreg aus den 26. April nach Berlin einoerufen, der das Interesse ver von ihnen vertrelenen Bcrufsschichteu an dieser Vereinheitlichung betonen »vird. Das Hauptrefcrat hat der Frankfurter Rechtsanwalt und Sozialpolitiler Dr. Sinzhcimer übernommen; außerdem werden Vertreter der beteiligten Organe, ationen zu Worte kommen. Die Tagesordnung des Kvngre,,es lautet: 1. Die Nolwerrdigteit des einheitlichen Angestelltenrechrs. 2. Das Interesse der einzelnen Angestelllengruppen an einem einheitlichen Dienstvcrtragsrecht. 3. Die Gegner des einheitlichen Angcstelltcnrechts. 4. Schlußwort. Der Kongreß wird das einheitliche Arbeitsrccht nicht nur fordern, um dein ailch von den Arbeitgebern beklagten Uebclstand abzuhelfen, daß die Vorschriften über die Rechtsvezichungen zwisclicn Unternehmern einerseits und den Angestellten sowie Arbeitern andererseits in vielen Gesetzen zerstreut sin). Leine Hauptaufgabe »st vielmehr, für eine Durchdringung des Arbcüsrcchts mit sozialem Geiste Mas willen wir von Sbahei'pcar«?*) Von Professor Tr. Max I. Wolfs. Eine Lebensbeschreibung Shakespares uuicrfdjtiöct sich in wesentlichen Punkten von einer so» he»» Goethes oder Schillers. Bei diesen Dichtern steht uns eine Fülle tatsächlichen Materials zu Gebote, auf das wir bei dem großen englischen Dramatiker verzichten müssen. Wir kennen genau ihren Bildungs- und Lebensgang, ihre innere und äußere Entwicklung. Freunde haben uns ausführlich über ihre Erscheinung. über ihre Art sich zu geben, zu fühlen und zu denken, berichtet. Wir besitzen einen unlfangreicherl Briefwechsel von beiden, in dem sie ihre geheimsten Gedanken aussprechcn. Dazu kommt bei Goethe eine große Zahl autobiographischer Schriften, in denen er es selber unternommen hat, sein Werden und Wachsen zu erklären. Auf Grund dieser ergiebigen Quellen ist es verhältnismäßig leicht, in ihre Werke cinzudringcn und sich zu dem vollen Verständnis ihrer Gesamtpersönlichkeit zu erheben. Anders bei Shakespeare. Wie dürftig sind die spärlichen Angaben über sein äußeres Leben, die der Fleiß von zwei Jahrhunderten aus alten Atten und verstaubten Kirchenregistern zusammengetragen hat. Sie würden ebensogut auf irgend einen ersZgreicyen Schauspieler seiner Truppe, onf Burbage, Heminge oder Con- dell passen, wie auf den größten dramatisckien Dichter aller Jahrhunderte. Und was »vir von den Zeitgenossen über seinen Charakter erfahren, geht kann» über einige fluch»,ge Bcmerknn- gen hinaus, die fein offenes, freies Wesen, seine vornehme Gesinnung, Liebenswürdigkeit und reiche, »«ncrschöpfliche Arbeitskraft rühmen. Manche Dhakefpeareforfcher und darunter solche, die dem Dichter eine große Verehrung weihen, »vollen darin keinen Zu- fall, sondern eine notwendige Folge erkennen: sein Leben und sein Charakter boten eben nichts Besonderes. Nach ihrer A«. sicht ging dem Verfasser des .Hamlet jede persönliche Eigenart ab; und ein Biograph wie Hazlitt erklärt kurzweg: „Er besaß keine ausgesprochene Individualität, er war ein Mensch »vie andere auch, nur mit de»n Unterschiede, daß er gleich allen anderen sein konnte. An sich war er nichts, außer daß er alles, was andere sind oder zu sein verrnögen, in sich umfaßte." e Wir müssen gegen diese Beurteil»»ng des Dichters Einspruch erheben. Es will ka»nn glaubhaft erscheinen, daß ein Mensch, der selbst gar nichts bedeutet, die Gedanken und Wünsche, die Leidenschaften und E»npfind»l„gen aller anderen versteht und in vollendetster Weis« zur Darstellung bringen kann. Eine solck)e Virtuosenbegabung, die Shakespeare auf den Rang eine» geistigen Verwandlungskünstlers hinabdrückt, reicht nicht an», um Meisteriverke wie Hamlet. Lear oder den Sturm zu schaffen. • I D«r 36. «ortl tt* der Mn. Okturtltao Ktlltam efarrfoeare». « tutflen wir von Shakespeare? Dies« Ntrunblraae de» fteutinen »«dr, tage» bea»«w»rtet d,« Artraänu««. dt« Mar I Wolf» seiner mrift, Ilrtjtn Stiakespearediographle als tftnleUuiifl vor.«>mes»eilt bat t aenubreiche Au«h. in wissenschaftlicher »vie in kttnlllertscher tz,,>hch» t erkannte,»nahen da« deste deutsch, ,»„ch über den Ttchter und sein <Vr erschien kürzlich in der ll. 0 Aecksche» Ae,la„«buchda»dlung cm Beck »u München schv»> tu dritter, durchaesehener Aussaat s7. t lt». Tausend,. «ktt umfaßt zivet Atinde n„d koste« tn Vrtmv.,nb ««»und W J, tu Hutbsiunzbanü 17 Jl. D. Red. „Man muß etwas sein, um etwas zu machen", sagt Goethe. Ben Ionson, Shakespeares Freund und Widersacher, stimmt mit ih»n überein und erklärt in der Widrnung zu seinem Lustspiel Vvlpone. der gute Dichter müsse vor allem ein gilter Mensch sein. Und dieser gute, große und edle Mensch ist es, den wir in Shakespeare erkennen »vollen. Wir fühlen seine Gegenwart deutlich: sein Hauch umweht uns bei jedem Wort der Dramen, ans den Versen eirur schwermütigen Sonette steigt das Bild in dunklen Umrissen aus; aber wenn »vir zu den kurzen biographichen Notizen zurückkehren, dann zerrinnt der Schatten »vieder, und cs bleibt »ichts als die dürftigen Angaben aus dem Leben eines Londoner Schauspielers. Shakespeares Zeit lebte voll in der Gegenwart. Man schätzte und genoß das Erzeugnis des Dichters, aber selbst, wenn man die Bedeutung des Werkes erkannte, kümmerte man sich nicht um das Leben und die Person des Schöpfers. Der Begriff der Literaturgeschichte war noch nicht erfurlden. Dian »vußte nicht oder ma»i »vollte sogar nichts davon wissen, daß hinter dem Kunstwerk als höchster Wert und Hauptnenner des G'sckmffenen die Persönlichkeit des Kütlstlcrs steht. Die Männer des anbrcchendell siebzehnten Iahrhrrnderts glaubten genug für ihren „guten Willen" getan zu haben, wenn sie seine Dra»nc»l zusammenstellten: von ihm selbst überlieferten sie unS nur wenig. Durch eine Reihe unglücklicher Zufälle, verschiedene Brände in London, die Knnstfeindschaft der bald darauf zur Herrschaft gelangenden Puritaner, den Ausbruch des langjährigen Bürgerkrieges, der alle literarischen Interessen in den Hintergrund drängte, und die veränderte Kunstricknung der Re- stuuratlon, ist auch daS wenige nur stark geschniälert auf uns gekommen. Wir besitzen kein Manuskript, keinen Brief, keine Zeile des Dichters; et»va ein halbes Dutzend Unterschriften aus verschiedenen Dokumenten ist alle-, was unS von der Hand geblieben ist, die so Herrlicht's geschrieben hat. Wir müssen es tief beklagen. Der Verlust ist ungehe»»er. aber dennoch rächt so. daß er eine Erkenntnis der Persönlichkeit des Dichters unmöglich mache. Seine Dramen und Gedichte bieten einen überreichlichen Ersatz. Dort geht uns das Bild de» Mannes auf, dessen „tausendfältiger" Seele nichts Menschliches fremd war. der alle Höhen und Tiefen dieser Welt durckmiessen. der glühend geliebt, »vie n»,r ein heißes Dichterherz lieben kan»,, der nach einer mitfühlenden Freundesseele geschmachtet und nur Enttäuschung «eftm-de» hat. Wir sehen ihn, »vie er aus kleinen Anfängen, aus niedrigster Stcllu»»g empor»vächst zu den Höhen des Erfolge», wie er sich, angeekelt von dein Erfolg und den Menschen. tut trotzigen Pessimismus in sich selbiw zurückzieht, bis er endlich zu innerer Befreiung durchdringt und. versöhnt »nit der Welt, in milder Resignation seinen Zanberstav »nederlegt. Je öfter wir zu den Dramen zurückkehren, diese,», ansgeschlagenen. ungeheuren Büchern des Schicksals", »vie Goethe sie nennt, desto klarer und deutlicher zeichnet da» Bild sich vor unserem Auge ab, bis »vir endlich Shakespeare, den Dichter, den Deuker, für* den Menschen in riesenhafter Größe vor uns erblicken, so »vie Herder ihn gesehen hat. „ho«h auf einem Festengipfel sitzend. Zu seinen Fiißen Stur»»«. Ungelvitter und Brausen de» Meere», aber fein Haupt in den Strahlen der Sonne!" einzutrcten. Zu den» Kongreß »verden Delegierte der Verein, aus allen Teilen des Reiches erscheinen; auch die Reichstags- fraklioncn und die beteiligten Regicrungskreije sind cirigeladcn worden. franfcmd7. Bestrafte Uel,erflieg,mg der deutschen Grenze. Hauptmani» Faure, der am 16. April zusammen »nit einem Begleiter »vcstlich von Reeonville in einem Doppeldecker auf deutschem Boden gelandet und auf die Mitteilung von Einwohnern hin. daß er sich auf deutschem Boden bejinoe, auf französisches Gebiet z»»rüll- gcjlogcn war, ohne den Behörden Mitteilung zu machen, ,s, disziplinarisch bestraft worden. Er erhielt 15 Tage Arrest, »veil er sich bei der Landung mit seine»» Apparat im Anslandc nicht nach den intern ^'^-mlcn Vorschriften gerichtet habe. (Tel.) Der Wahlmodits. Bei de»! a»n 26. April ftnttftubcnöc;i Wahlen zur Deputiertenkanmier »vird zun» er>ten Mat das fuge: nannte Isoloir, eine Art Wahlzelle, auf Gruilo eines neuen Geietze» m Anwendung kommen, um die Geheimhaltung Der Abstimmung zu sichern. Dieses Gesetz vonl 22. Juli 1213 bestinnn nämlich, dag der Wähler erst dann zilr Urne gelassen werde, darf, wenn er die Wahlzelle passiert hat. Die Zeuc hat vorn un: hiilten statt der Türen verschiebbare Vorhänge, die sb kurz finö, daß man sehen kann, ob die Zelle besetzt ist oocr nicht. Nachüein der Wähler seine Wahtkartc vbrgczcigt hat, tritt er in eine der Wahlzellen ent. Er findet dort Papier und T»ntr, um seinen Stimmzettel zu schreiben, wenn er nicht schon einen gedruckten nutgcbracht hat. Den Stinnnzettcl steckt er daitn in einen Brief- umschlag, der ebenfalls in der Wahlzelle aufticgt, und verläßt sic auf der andere,t Seite, nachdem er das Kuvert zugcklcbt hat. Der Wähler zeigt nun sein verschlossenes Kuvert dem Burcau- vorstaud, »voraus er es in die Urne »birst. Die Herstellungskosten für diese Wahlzellcii »verden von der Gemeinde uuö dem Staate gemeinsam getragen; der Staat gibt den Gemeinden einen Zuschuß von 12 .H pro Zelle. Das neue Verfahren, das man aus den ersten Blick sur etlvas umständlich Hallen lönntc, hat sich bereits bei einigen plachivahlen bewahrt, wo cs sehr zur Aufreclsi- crlialtung der Ordrrung beitrug; cs »vird aber bei den Wahlen vorn 26. April zitin erste». Mal allgcuicine Verwendung finden. Italien. Rampollas Briefwechsel und der Vatikan. Nach dem Tode Nampvllas mürbe im Nachlaß des Kardinals eine »rmsangreiche Korrespondenz »nit der Mailänder Gräfin Parravicino gefunden. worin die Gräfin sich sehr scharf über die Umgebung des Papstes äußerte. Die Gräfin hatte die Erben gebeten, ihr ihre Briefe zuruckzugeben, was aber nicht geschah. Nachdem sic in ciirer Florentiner Revue mehrere an sic gerichtete Briese Rampollas veröffentlicht hatte, die im Vatikan starkes Unbehagen erregten, wurde die Korrespondenz vom Advokaten der Baronin Perrana dem Vizcgericht des Bezirks übergeben, wo sic zurzeit noch liegt, und der Vatikan schien sehr geneigt, über die Sache großmütig hinwegzugchen. sodaß er auch cinigeBricsc der Gräfin, die bei amtlichen Dokumenten Rampollas gefunden wurden, angeblich ungelesen der Baronin Perrana zustcllte. Unter diesen Umständen erregt cs nunmehr ungeheures Aufsehen in der katholischen Gesellschaft Roms und Mailands, daß die Gräfin Parravicino durch Vennittlung des Erzbischofs von Mailand aufgefordert wurde, den Vorsitz des katholischen Frauenvercins niedcrzulegen. Neuer japanischer Admiralstabsches. Vizeadmiral 2 ch i m a> mura, der Chef des Stabes des Admirals Togo während de- russischcn Krieges, tvurüe zum Chef des Admiralstades anstet von Admiral Jjuin ernannt, der in den Kriegs- und Marine rat berufen wurde. (Tel.) HmeriUa. Opfer eines Ausstand Krawnlls. In Denver (Colorado) ftnt nach den bisherigen Festellungcn 26 Männer, Frauen und Kinder am Montag in dem Kampfe z»vischcn den ausständigen Bergleuten und der Staatsmiliz bei Ludlow getötet wurde»». Bla» glaubt, daß die Zahl der Opfer moglichcnveise 50 beträgt. (Tel.) ■ "i. ■ - , i Das ist unser Shakespeare, der gervaltige Sohn eines gewaltigen Zeitalters, des größten, das die Menschheit, soweit »vir sie nach rück»värtS verfolgen können, je durchlaufen hat. Unbekannte Wetten tauchten hinter dem bishc» verschlossenen Alcere auf, jeder Tag überraschte mit der Kunde ungeahnte» Erjlndungen und Entdeckunge»l, ne»le Wahrheiten und Religionen wurden gepredigt, die Künste standen »vieder auf, und die Lebenden entdeckten mit frohem Erstatmcn die Fähigkeit in sich, Werke zu schaffen, sie denen der berühmten Alten gleichtalnen. ja sie noch übertrafen. Ein Taumel der Bcgciste- »u>»g kam über die Ptensch1>cil, die zum ersten Male nach zwci- tausendjahriger Gefangenschaft ihrer Freiheit, Stärke mll strotzenden Gestmdheit gewußt »vurde. isiichts schien diesem Geschleckt unmöglich, alles erreichbar, selbst das Kühnste un.' Wunderbarste. Shakespeare ist der nottvendigc Ausdruck diese wogenden, hoffenden Zeitalters, seiner trotzigen Kraft, seine- ungebrocherten LebenssilUc, seines gctvaltigen Schaffensdre-Njsc» ui»d seiner kühnen Träume, die vor keiner Endlosigkeit zurück' schrecken. Er ist ein Kind seines Jahrhunderts. In dieser Hinsicht hac Emerson Recht, wenn er die Leistungen des Geniel nicht sslr bas Wert eines Einzelne« erklärt, sonder» kür W Erzeugnis ausgedehnter gemeinsamer Arbeit von Tausenden, die »inte» einem gleichen Impulse wirkt»; aber zur Uebcr- treibuna führt seine Auffassting. wenn er dem Gen'e jede innere Selbständigkeit obspricht und cs nur zu einem BegIffe, n»m znsälligc»» Mundstück vorhandener Ideen hinabdrückt. Bisnlarck bleib' der Begründer des Deutschen Reichs, Washmgron der Befreier Arnerikas, ob auch Tausende vor und neben ihnen.i>ck> für deilselbcn Gedanken begeisterten und nach demselben Zielt hinstrebten. Alles Große ist das Werk der Persönlichkeit. In Italien steht Lionarvo neben Uriost unb Zalladio. jw f panien Cervantes neben Velasguez und Lope de Bega w eutsäüand Dürer »leben Luther; in England hat die R-'' naissance keinen Maler. Bildhauer oder Architekten von t»»^ Bete»! tu na hervorgebracht, dort oelangte nur die Dichtung, « l,B auf diesem Gebiet nur daS Drama. #u einer nie dagewesciM Bliite In ihm geht die schöpferisllie Kraft des begabte»» eiifl 1 *' schen Volkes auf, in Shakespeare u»»d seinen Zeitgenosse»». Unser Dichter steht nicht allein, er ist kein Meteor, ka» leuchtend von» dunkeln Himmel herniedergcfahren ist. u»n eben« so schnell »vieder in der Nackst zu verlöschen. Eine stattl»«k Zahl von Vorgängern, Mitstrebenden und Nachfolgern grnp' piert sich u»n ihn. Sie sind Geist von seine»,» Geist ui»d ü»u »vesen»ver»vai»dt. Wem» er sie and) alle um mehr als Haupteslänge überragt, so ist er doch nur ein Glied aus einer großen Kette, allerdings daS »vichtigste, da» der ganzen Kette erst il)»tn Wert verleiht. Eine Würdigung Shakespeare» kann von der Betrachtn'lg b^r vor und neuen ihn» lebenden Dramatiker nickst abschen. Äatt z»» verlieren, gewinnt er dadurch. Wenn wir sehen. w»r er die stammelnden Versuche der Marlvwe, Lily und Küd zu herrlichster Vollendung führt, wenn »vir seinen Werken die n»m unbeträchtlichen Leistungen eine» Ionson. Webster und Fietchn gegeniiberstelle»», erkennen »vir, was unser Dichter (einer a** verdankt und wa» er dafür a»>» seinem Eigentum dem Jav» hundert gegeben hat. Erst dann geht un» die volle Ansckvauuns für feine ganze Bedeutung aus. Al» gleichberechtigt t»ll> neben die größten Geister, welche die Menschheit hervorgebraw
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Kunstmatige intelligentie
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