Blader door transcripties » Staats- en Universiteitsbibliotheek Carl von Ossietzky, Hamburg



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T^rncmTTitSflnüc, ^effc 2.
Hambnrgischer Correspondent
Donnerstag, den 23. April 19U
Heber die Debatte im Wa shin n to n ct Senat Vor
der Annahme der. entscheidenden Beschlusses, der das Vorgehen
der Regierung billigt, wird uns drahtlich nachträglich nach
gemeldet:
Washington, den 22. April. Die Debatte im Senat
über die Resolution bezüglich Mexiko trug einen leidenschaftlichen
Charakter. Es wurden viele b*merkens-
werte Reden gehalten, darunter eine Rede des Senators Rood,
der verlangte, daß daS in der Resolution für die Haltung des
Präsidenten vorgeschlagene Wort „Rechtfertigung" nicht mit
dem Zwischenfall von Tampico, sondern mit der langen Reihe
von Verbrechen begründet werde, die gegen Leben und Eigentum
amerikanischer Bürger begangen worden seien, mit Einschluß
derjenigen, die in Nordmexiko, wo die Insurgenten
herrschen, verübt wurden. Ein Zusatzautraa zu der ursprünglichen
Resolution, der vorschlägt, daß die Vereinigten Staaten
nach Niederwerfung des Gegners sich wieder auS Mexiko Zurück-
Ziehen und alle Teile des Landes seinen Bewohnern überlassen
sollen, wurde abgclehnt.
Das englische Königspaar in Paris.
Uebcr den weiteren Verlauf des Pariser Aufenthalts des
englischen Königspaarcs wird uns telegraphisch gemeldet:
Paris, den 22. April. Der König von England hat heute
vormittag den russischen Botschafter Iswolskh empfangen.
Alsdann begaben sich die Majestäten nach der englischen
Botschaft, wo sie verschiedene Abordnungen empfingen,
die Adressen überreichten. Hierauf nahmen der König
und die Königin an einem frühstück in kleinem Kreise teil.
Ueber die e n g l i s ch - f r a n z ö s l s ch c n Beziehungen
geht uns ferner folgende Drahtmeldung zu:
London, den 22. April. Der Spezialkorrespoudent des
Reuterschcn Bureaus, der den König auf seiner Pariser Reise
begleitet, ist zu folgender Erklärung ermächtigt: Was die bevorstehenden
Besprechungen während des Besuches
des Staatssekretärs Grey und die mutmaßlichen Ergebnisse der
Zusammenkünfte der britischen und französischen Minister des
Aeußern anbetrifft, so kommt ein neues formelles und
schriftliches englisch-französisches Abkommen,
das von einigen Stellen vcrmutet wurde, nicht in Frage.
Die Beziehungen Englands und Frankreichs sind gut und fest
begründet und auf der Grundlage eines gegenseitigen herzlichen
' Einvernehmens stark befestigt. Zweifellos werden Angelegenheiten
von beiderseitigem Interesse, wie die Neuen Hebriden
besprochen werden. Es ist jedoch kein Grund zu der Annahme
vorhanden, daß Grey oder Doumcrgue eine Liste von Auge-
legenheiten fiir einen formellen Meinungsaustausch im Sinn
hätten. Wem: eine Grundlage des Einverständnisses besteht wie
bei England und Frankreich, so werden »fragen wie die genannten
besser zwischen technischen Experten erledigt. In den
englisch-französischen Beziehungen ist in der Tat keine formellere
Art und Weise notwendig, ebensowenig wie ein Abgehen von
dem bestehenden Einverständnis. Obwohl als Ergebnis des
Pariser Besuchs eine Erweiterung der bestehenden Beziehungen
nicht erwartet werden kann, so darf doch auf eine klarere
Definition des bestehenden Einverständnisses
gerechnet werden. (Tel.)
Inlanck unct Zluslanck.
Oeutscbev Reich.
Prinz Georg von Bayern, der einige Tage den Manövern
des ersten Geschwaders beigewohnt hat, verließ das Geschwader
nach seiner Ankunft in der Kieler Bucht mW trat die Heimreise
über Hamburg an. (Tel.)
Badischer Landtag und Irsuitengesrh. In der badischen
zweiten Kammer wurde gestern die Generaldebatte dcS Kultuö-
etats begonnen. Abg. Frank Mannheim (Soz.) erklärte, seine
Partei stimme, ebenso energisch wie oaö Zentrum für die Aufhebung
des Jesuitcngesetzcs, das unhaltbar sei. Die Regierung
möge von ihrem Rechte Gebrauch machen und die Klöster zulassen.
Kultusminister Böhm erklärte, die Regicrnng müsse die
Trennung von Staat irnd Kirche im wohlverstandene»» Interesse
beider Organe vermeiden. Die Interpretation des Iesuüengc-
setzcS betrachte oie Regierung <us nicht glncklich, aber für die
Au,Hebung ocs Ieiuiwngeietzes schlechtweg könne oie vadisck-e
Regierung nicht stimmen, «re sei aocr bereit, sich au den künsti-
gcu Verhandlungen des Vuirocörats in dieser Frage zu beteiligen.
(Tel.)
Der Fall Schleinitz. Die Erörterung über den Rücktritt des
Komlnanoeurs der -Lll-utztruppe in Deuticy-Ostasrita, Obersten v.
<schlcmih, der insolge voir chivercn Dls,erenzen zwischen Herrn
v. Schleinitz uno vcr Zivilvenoaitung der Kolonie»! yervcigesuhrt
wurde, dauert fort. Reucrüings verösie»ill,cht das Zentrums-
organ Germama einige vemerlenswerte Einzelheiten uvcr den
Fall: Freiherr v. Schleinitz sollte schon nach seinem Urlaub
im Jahre 101U nicht inujc im Koloniawienst vleivcn, aber, ,o
schreibt die Gerlnaiita, „die Vornayuic der Ltcnocrmlg eines Tar-
es-Salamer Berichts, durch wen. wird ,a im Rcichslolomalapit
am besten vetannt sein, ermöglichte es, Schleinitz noeymats iu die
Kolonien zu ,c>wen." Der Kaiser habe fm), jo berichtet das Blatt
weiter, die geiamren Atten Schlein.y vorlegcn lagen und persönlich
die Ent,cl)ciüung getrosten, wonach Herrn v. Schleinitz'
Abschiedsgesuch vorzulegen sei. „Es ist anch durchaus cinlcuch-
teuo," wird weiter erzählt, „daß ein Schutztruppcnrommaiii.F.tr
nicht auf seinem Posten bleiben kann, der seinen Lfflziercn jagende
Instruktion gibt: „Sie kommen setzt nach ik. auf Posten,
wenn Sic nicht binnen Jahresfrist einen Ausstand in Ihrem
Bezirk haben, karui ich nicht weiter mir Ihnen kapitulieren."
Diese Aeußerung ist in Dar cs-Salam gcfauen und laun nicht
abgestritten weroen. Durch die Anzettcluiig von Unruhen >m
Schelygcvict sollte eine Verstärkung oer Schuytruppc hcrbeigc-
führt, zum mindesten aber eine Verminderrulg unter allen Um-
ständen verhliidert weroen." Es iväre doch sehr wstllschcnswert.
authentisch zu erfahren, ob sich die Dache wirklich so verhält.
Eine wichtige ltnischeidung über das Zivildicnsteinkommen
pensionierter Lfs-ziere hat das Preußische Obcrvenvaltungsgerick)1
gefallt. Einem im Zivildienst angestellten Militärpensionär ivar
nicht, wie die vom Kricgsministcrinm herausgegebcncn „An-
stcllungönachrichtcn" schreiben, das volle Diensteinkommcn der
Zivilstelle, sondern nur der Unterschied zwischen dem letzten
pensionsfähigcn Mik'^"dienststcinkommcn und Militärpcnsion
gewährt worden. Dies hat das Preußische Oberverwaltungs-
gericht für unznlä^" erklärt und dabei stzeführt, daß bei
Anstellung im Zivildienst das Recht au, den Peiisionsbezug
ganz oder teilrveise ruht. Es widerstreitet dem Offizier.Pensionsgesetz.
wenn statt der Milstärvension das Zivildicnstcin-
kommen von der Ziv'lbehörde ""ksirrt wird.
Kongreß für einheitliches Angestellten» echt. Die gegenwär-
tige Zer>plutcruag ocs Aroelisreu-is yac w»cvevi,-o»x oen Deutschen
Iuristentag veschäftigt, und im vorigen Jahre hat auch der
Verband der Gewerve- und Kanj>nannsgerichlc dazu Stellung
genonnnen. Neuerdings Häven zwölf Llngeitclllen-Ovnaniialioncn
einen Kongreg aus den 26. April nach Berlin einoerufen, der das
Interesse ver von ihnen vertrelenen Bcrufsschichteu an dieser
Vereinheitlichung betonen »vird. Das Hauptrefcrat hat der
Frankfurter Rechtsanwalt und Sozialpolitiler Dr. Sinzhcimer
übernommen; außerdem werden Vertreter der beteiligten Organe,
ationen zu Worte kommen. Die Tagesordnung des Kvngre,,es
lautet: 1. Die Nolwerrdigteit des einheitlichen Angestelltenrechrs.
2. Das Interesse der einzelnen Angestelllengruppen an einem
einheitlichen Dienstvcrtragsrecht. 3. Die Gegner des einheitlichen
Angcstelltcnrechts. 4. Schlußwort. Der Kongreß wird das einheitliche
Arbeitsrccht nicht nur fordern, um dein ailch von den
Arbeitgebern beklagten Uebclstand abzuhelfen, daß die Vorschriften
über die Rechtsvezichungen zwisclicn Unternehmern
einerseits und den Angestellten sowie Arbeitern andererseits in
vielen Gesetzen zerstreut sin). Leine Hauptaufgabe »st vielmehr,
für eine Durchdringung des Arbcüsrcchts mit sozialem Geiste
Mas willen wir von Sbahei'pcar«?*)
Von Professor Tr. Max I. Wolfs.
Eine Lebensbeschreibung Shakespares uuicrfdjtiöct sich in
wesentlichen Punkten von einer so» he»» Goethes oder Schillers.
Bei diesen Dichtern steht uns eine Fülle tatsächlichen Materials
zu Gebote, auf das wir bei dem großen englischen Dramatiker
verzichten müssen. Wir kennen genau ihren Bildungs- und
Lebensgang, ihre innere und äußere Entwicklung. Freunde
haben uns ausführlich über ihre Erscheinung. über ihre Art
sich zu geben, zu fühlen und zu denken, berichtet. Wir besitzen
einen unlfangreicherl Briefwechsel von beiden, in dem sie ihre
geheimsten Gedanken aussprechcn. Dazu kommt bei Goethe
eine große Zahl autobiographischer Schriften, in denen er es
selber unternommen hat, sein Werden und Wachsen zu erklären.
Auf Grund dieser ergiebigen Quellen ist es verhältnismäßig
leicht, in ihre Werke cinzudringcn und sich zu dem vollen
Verständnis ihrer Gesamtpersönlichkeit zu erheben. Anders bei
Shakespeare. Wie dürftig sind die spärlichen Angaben über sein
äußeres Leben, die der Fleiß von zwei Jahrhunderten aus
alten Atten und verstaubten Kirchenregistern zusammengetragen
hat. Sie würden ebensogut auf irgend einen ersZgreicyen
Schauspieler seiner Truppe, onf Burbage, Heminge oder Con-
dell passen, wie auf den größten dramatisckien Dichter aller
Jahrhunderte. Und was »vir von den Zeitgenossen über seinen
Charakter erfahren, geht kann» über einige fluch»,ge Bcmerknn-
gen hinaus, die fein offenes, freies Wesen, seine vornehme Gesinnung,
Liebenswürdigkeit und reiche, »«ncrschöpfliche Arbeitskraft
rühmen.
Manche Dhakefpeareforfcher und darunter solche, die dem
Dichter eine große Verehrung weihen, »vollen darin keinen Zu-
fall, sondern eine notwendige Folge erkennen: sein Leben und
sein Charakter boten eben nichts Besonderes. Nach ihrer A«.
sicht ging dem Verfasser des .Hamlet jede persönliche Eigenart
ab; und ein Biograph wie Hazlitt erklärt kurzweg: „Er besaß
keine ausgesprochene Individualität, er war ein Mensch »vie
andere auch, nur mit de»n Unterschiede, daß er gleich allen
anderen sein konnte. An sich war er nichts, außer daß er alles,
was andere sind oder zu sein verrnögen, in sich umfaßte." e
Wir müssen gegen diese Beurteil»»ng des Dichters Einspruch
erheben. Es will ka»nn glaubhaft erscheinen, daß ein Mensch,
der selbst gar nichts bedeutet, die Gedanken und Wünsche, die
Leidenschaften und E»npfind»l„gen aller anderen versteht und in
vollendetster Weis« zur Darstellung bringen kann. Eine solck)e
Virtuosenbegabung, die Shakespeare auf den Rang eine» geistigen
Verwandlungskünstlers hinabdrückt, reicht nicht an», um
Meisteriverke wie Hamlet. Lear oder den Sturm zu schaffen.
• I D«r 36. «ortl tt* der Mn. Okturtltao Ktlltam efarrfoeare». «
tutflen wir von Shakespeare? Dies« Ntrunblraae de» fteutinen »«dr,
tage» bea»«w»rtet d,« Artraänu««. dt« Mar I Wolf» seiner mrift,
Ilrtjtn Stiakespearediographle als tftnleUuiifl vor.«>mes»eilt bat t
aenubreiche Au«h. in wissenschaftlicher »vie in kttnlllertscher tz,,>hch» t
erkannte,»nahen da« deste deutsch, ,»„ch über den Ttchter und sein <Vr
erschien kürzlich in der ll. 0 Aecksche» Ae,la„«buchda»dlung cm
Beck »u München schv»> tu dritter, durchaesehener Aussaat s7. t
lt». Tausend,. «ktt umfaßt zivet Atinde n„d koste« tn Vrtmv.,nb ««»und
W J, tu Hutbsiunzbanü 17 Jl. D. Red.
„Man muß etwas sein, um etwas zu machen", sagt Goethe.
Ben Ionson, Shakespeares Freund und Widersacher, stimmt
mit ih»n überein und erklärt in der Widrnung zu seinem Lustspiel
Vvlpone. der gute Dichter müsse vor allem ein gilter
Mensch sein. Und dieser gute, große und edle Mensch ist es,
den wir in Shakespeare erkennen »vollen.
Wir fühlen seine Gegenwart deutlich: sein Hauch umweht
uns bei jedem Wort der Dramen, ans den Versen eirur schwermütigen
Sonette steigt das Bild in dunklen Umrissen aus; aber
wenn »vir zu den kurzen biographichen Notizen zurückkehren,
dann zerrinnt der Schatten »vieder, und cs bleibt »ichts als die
dürftigen Angaben aus dem Leben eines Londoner Schauspielers.
Shakespeares Zeit lebte voll in der Gegenwart. Man
schätzte und genoß das Erzeugnis des Dichters, aber selbst,
wenn man die Bedeutung des Werkes erkannte, kümmerte man
sich nicht um das Leben und die Person des Schöpfers. Der
Begriff der Literaturgeschichte war noch nicht erfurlden. Dian
»vußte nicht oder ma»i »vollte sogar nichts davon wissen, daß
hinter dem Kunstwerk als höchster Wert und Hauptnenner des
G'sckmffenen die Persönlichkeit des Kütlstlcrs steht. Die
Männer des anbrcchendell siebzehnten Iahrhrrnderts glaubten
genug für ihren „guten Willen" getan zu haben, wenn sie seine
Dra»nc»l zusammenstellten: von ihm selbst überlieferten sie unS
nur wenig. Durch eine Reihe unglücklicher Zufälle, verschiedene
Brände in London, die Knnstfeindschaft der bald darauf zur
Herrschaft gelangenden Puritaner, den Ausbruch des langjährigen
Bürgerkrieges, der alle literarischen Interessen in den
Hintergrund drängte, und die veränderte Kunstricknung der Re-
stuuratlon, ist auch daS wenige nur stark geschniälert auf uns
gekommen. Wir besitzen kein Manuskript, keinen Brief, keine
Zeile des Dichters; et»va ein halbes Dutzend Unterschriften aus
verschiedenen Dokumenten ist alle-, was unS von der Hand geblieben
ist, die so Herrlicht's geschrieben hat. Wir müssen es
tief beklagen. Der Verlust ist ungehe»»er. aber dennoch rächt so.
daß er eine Erkenntnis der Persönlichkeit des Dichters unmöglich
mache. Seine Dramen und Gedichte bieten einen überreichlichen
Ersatz. Dort geht uns das Bild de» Mannes auf,
dessen „tausendfältiger" Seele nichts Menschliches fremd war.
der alle Höhen und Tiefen dieser Welt durckmiessen. der glühend
geliebt, »vie n»,r ein heißes Dichterherz lieben kan»,, der nach
einer mitfühlenden Freundesseele geschmachtet und nur Enttäuschung
«eftm-de» hat. Wir sehen ihn, »vie er aus kleinen Anfängen,
aus niedrigster Stcllu»»g empor»vächst zu den Höhen des
Erfolge», wie er sich, angeekelt von dein Erfolg und den Menschen.
tut trotzigen Pessimismus in sich selbiw zurückzieht, bis
er endlich zu innerer Befreiung durchdringt und. versöhnt »nit
der Welt, in milder Resignation seinen Zanberstav »nederlegt.
Je öfter wir zu den Dramen zurückkehren, diese,», ansgeschlagenen.
ungeheuren Büchern des Schicksals", »vie Goethe sie
nennt, desto klarer und deutlicher zeichnet da» Bild sich vor
unserem Auge ab, bis »vir endlich Shakespeare, den Dichter,
den Deuker, für* den Menschen in riesenhafter Größe vor uns
erblicken, so »vie Herder ihn gesehen hat. „ho«h auf einem
Festengipfel sitzend. Zu seinen Fiißen Stur»»«. Ungelvitter und
Brausen de» Meere», aber fein Haupt in den Strahlen der
Sonne!"
einzutrcten. Zu den» Kongreß »verden Delegierte der Verein,
aus allen Teilen des Reiches erscheinen; auch die Reichstags-
fraklioncn und die beteiligten Regicrungskreije sind cirigeladcn
worden.
franfcmd7.
Bestrafte Uel,erflieg,mg der deutschen Grenze. Hauptmani»
Faure, der am 16. April zusammen »nit einem Begleiter »vcstlich
von Reeonville in einem Doppeldecker auf deutschem Boden gelandet
und auf die Mitteilung von Einwohnern hin. daß er sich
auf deutschem Boden bejinoe, auf französisches Gebiet z»»rüll-
gcjlogcn war, ohne den Behörden Mitteilung zu machen, ,s,
disziplinarisch bestraft worden. Er erhielt 15 Tage Arrest,
»veil er sich bei der Landung mit seine»» Apparat im Anslandc
nicht nach den intern ^'^-mlcn Vorschriften gerichtet habe. (Tel.)
Der Wahlmodits. Bei de»! a»n 26. April ftnttftubcnöc;i
Wahlen zur Deputiertenkanmier »vird zun» er>ten Mat das fuge:
nannte Isoloir, eine Art Wahlzelle, auf Gruilo eines neuen
Geietze» m Anwendung kommen, um die Geheimhaltung Der
Abstimmung zu sichern. Dieses Gesetz vonl 22. Juli 1213 bestinnn
nämlich, dag der Wähler erst dann zilr Urne gelassen werde,
darf, wenn er die Wahlzelle passiert hat. Die Zeuc hat vorn un:
hiilten statt der Türen verschiebbare Vorhänge, die sb kurz finö,
daß man sehen kann, ob die Zelle besetzt ist oocr nicht. Nachüein
der Wähler seine Wahtkartc vbrgczcigt hat, tritt er in eine der
Wahlzellen ent. Er findet dort Papier und T»ntr, um seinen
Stimmzettel zu schreiben, wenn er nicht schon einen gedruckten
nutgcbracht hat. Den Stinnnzettcl steckt er daitn in einen Brief-
umschlag, der ebenfalls in der Wahlzelle aufticgt, und verläßt
sic auf der andere,t Seite, nachdem er das Kuvert zugcklcbt hat.
Der Wähler zeigt nun sein verschlossenes Kuvert dem Burcau-
vorstaud, »voraus er es in die Urne »birst. Die Herstellungskosten
für diese Wahlzellcii »verden von der Gemeinde uuö dem Staate
gemeinsam getragen; der Staat gibt den Gemeinden einen Zuschuß
von 12 .H pro Zelle. Das neue Verfahren, das man aus
den ersten Blick sur etlvas umständlich Hallen lönntc, hat sich bereits
bei einigen plachivahlen bewahrt, wo cs sehr zur Aufreclsi-
crlialtung der Ordrrung beitrug; cs »vird aber bei den Wahlen
vorn 26. April zitin erste». Mal allgcuicine Verwendung finden.
Italien.
Rampollas Briefwechsel und der Vatikan. Nach dem Tode
Nampvllas mürbe im Nachlaß des Kardinals eine »rmsangreiche
Korrespondenz »nit der Mailänder Gräfin Parravicino gefunden.
worin die Gräfin sich sehr scharf über die Umgebung
des Papstes äußerte. Die Gräfin hatte die Erben gebeten, ihr
ihre Briefe zuruckzugeben, was aber nicht geschah. Nachdem sic
in ciirer Florentiner Revue mehrere an sic gerichtete Briese
Rampollas veröffentlicht hatte, die im Vatikan starkes Unbehagen
erregten, wurde die Korrespondenz vom Advokaten der
Baronin Perrana dem Vizcgericht des Bezirks übergeben, wo
sic zurzeit noch liegt, und der Vatikan schien sehr geneigt, über
die Sache großmütig hinwegzugchen. sodaß er auch cinigeBricsc
der Gräfin, die bei amtlichen Dokumenten Rampollas gefunden
wurden, angeblich ungelesen der Baronin Perrana zustcllte.
Unter diesen Umständen erregt cs nunmehr ungeheures Aufsehen
in der katholischen Gesellschaft Roms und Mailands, daß
die Gräfin Parravicino durch Vennittlung des Erzbischofs von
Mailand aufgefordert wurde, den Vorsitz des katholischen
Frauenvercins niedcrzulegen.
Neuer japanischer Admiralstabsches. Vizeadmiral 2 ch i m a>
mura, der Chef des Stabes des Admirals Togo während de-
russischcn Krieges, tvurüe zum Chef des Admiralstades anstet
von Admiral Jjuin ernannt, der in den Kriegs- und Marine
rat berufen wurde. (Tel.)
HmeriUa.
Opfer eines Ausstand Krawnlls. In Denver (Colorado) ftnt
nach den bisherigen Festellungcn 26 Männer, Frauen und Kinder
am Montag in dem Kampfe z»vischcn den ausständigen Bergleuten
und der Staatsmiliz bei Ludlow getötet wurde»». Bla»
glaubt, daß die Zahl der Opfer moglichcnveise 50 beträgt. (Tel.)
■ "i. ■ - , i
Das ist unser Shakespeare, der gervaltige Sohn eines gewaltigen
Zeitalters, des größten, das die Menschheit, soweit
»vir sie nach rück»värtS verfolgen können, je durchlaufen hat.
Unbekannte Wetten tauchten hinter dem bishc» verschlossenen
Alcere auf, jeder Tag überraschte mit der Kunde ungeahnte»
Erjlndungen und Entdeckunge»l, ne»le Wahrheiten und Religionen
wurden gepredigt, die Künste standen »vieder auf, und
die Lebenden entdeckten mit frohem Erstatmcn die Fähigkeit
in sich, Werke zu schaffen, sie denen der berühmten Alten
gleichtalnen. ja sie noch übertrafen. Ein Taumel der Bcgciste-
»u>»g kam über die Ptensch1>cil, die zum ersten Male nach zwci-
tausendjahriger Gefangenschaft ihrer Freiheit, Stärke mll
strotzenden Gestmdheit gewußt »vurde. isiichts schien diesem Geschleckt
unmöglich, alles erreichbar, selbst das Kühnste un.'
Wunderbarste. Shakespeare ist der nottvendigc Ausdruck diese
wogenden, hoffenden Zeitalters, seiner trotzigen Kraft, seine-
ungebrocherten LebenssilUc, seines gctvaltigen Schaffensdre-Njsc»
ui»d seiner kühnen Träume, die vor keiner Endlosigkeit zurück'
schrecken. Er ist ein Kind seines Jahrhunderts. In dieser Hinsicht
hac Emerson Recht, wenn er die Leistungen des Geniel
nicht sslr bas Wert eines Einzelne« erklärt, sonder» kür W
Erzeugnis ausgedehnter gemeinsamer Arbeit von Tausenden,
die »inte» einem gleichen Impulse wirkt»; aber zur Uebcr-
treibuna führt seine Auffassting. wenn er dem Gen'e jede innere
Selbständigkeit obspricht und cs nur zu einem BegIffe, n»m
znsälligc»» Mundstück vorhandener Ideen hinabdrückt. Bisnlarck
bleib' der Begründer des Deutschen Reichs, Washmgron der
Befreier Arnerikas, ob auch Tausende vor und neben ihnen.i>ck>
für deilselbcn Gedanken begeisterten und nach demselben Zielt
hinstrebten. Alles Große ist das Werk der Persönlichkeit.
In Italien steht Lionarvo neben Uriost unb Zalladio. jw
f panien Cervantes neben Velasguez und Lope de Bega w
eutsäüand Dürer »leben Luther; in England hat die R-''
naissance keinen Maler. Bildhauer oder Architekten von t»»^
Bete»! tu na hervorgebracht, dort oelangte nur die Dichtung, « l,B
auf diesem Gebiet nur daS Drama. #u einer nie dagewesciM
Bliite In ihm geht die schöpferisllie Kraft des begabte»» eiifl 1 *'
schen Volkes auf, in Shakespeare u»»d seinen Zeitgenosse»».
Unser Dichter steht nicht allein, er ist kein Meteor, ka»
leuchtend von» dunkeln Himmel herniedergcfahren ist. u»n eben«
so schnell »vieder in der Nackst zu verlöschen. Eine stattl»«k
Zahl von Vorgängern, Mitstrebenden und Nachfolgern grnp'
piert sich u»n ihn. Sie sind Geist von seine»,» Geist ui»d ü»u
»vesen»ver»vai»dt. Wem» er sie and) alle um mehr als Haupteslänge
überragt, so ist er doch nur ein Glied aus einer großen
Kette, allerdings daS »vichtigste, da» der ganzen Kette erst il)»tn
Wert verleiht.
Eine Würdigung Shakespeare» kann von der Betrachtn'lg
b^r vor und neuen ihn» lebenden Dramatiker nickst abschen.
Äatt z»» verlieren, gewinnt er dadurch. Wenn wir sehen. w»r
er die stammelnden Versuche der Marlvwe, Lily und Küd zu
herrlichster Vollendung führt, wenn »vir seinen Werken die n»m
unbeträchtlichen Leistungen eine» Ionson. Webster und Fietchn
gegeniiberstelle»», erkennen »vir, was unser Dichter (einer a**
verdankt und wa» er dafür a»>» seinem Eigentum dem Jav»
hundert gegeben hat. Erst dann geht un» die volle Ansckvauuns
für feine ganze Bedeutung aus. Al» gleichberechtigt t»ll>
neben die größten Geister, welche die Menschheit hervorgebraw

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Staats- en Universiteitsbibliotheek Carl von Ossietzky, Hamburg, Börsen-Halle (PPN borsen-halle), donderdag 23 april 1914, pagina 2




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