Blader door transcripties » Staats- en Universiteitsbibliotheek Carl von Ossietzky, Hamburg



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I. Beilage z» Nr. SZ1
Kamdurger Anzeiger
Eo«»erStag, Z Q?tob«r
MMM siir iieiitIA BorgesWte
.Hansische Ilninersilät"
Der Se»at hat von dem Wunsch« geleitet. auch i»
d»t Bezeichnung der Hamburgisch«« Universität ihr« be
sonder« Ausgabe zu« Ausbruck zu bringen, ihr den
Stame» „Hansisch« Universität" beigelegt.
»
' Mit Stolz und Genugtuung wird unsere Stadt Kenntnis
nehmen von der ehrenden Anerkennung, die der wissenschaft
lichen, kulturellen und nationalen Leistung unserer Hochschule
atit dieser Namensverleihung zuteil geworden ist.
Hansische Universität — da» ist der tressende
Ausdruck für da» dreifache Aufgabengebiet unserer Universität,
die, dem niederdeutschen Raum entsprossen, der beson
deren Pflege de» niederdeutschen Volkstums verhaftet ist: die
als Gren,universiät im deutschen Nordseeraum steht:
und die schließlich als Universität der groben deutschen Han
delsstadt eine dritte, ihr von der Natur zugewiesenen Arbeits
raum > hat, den überseeischen.
Nieberelberaum, Norbseeraum, Weltmeer
raum — das sind die drei Stufen der Eonderarbeit und der
Svaderausrichtung unserer Universität, Stufen, die zu einer
Treppe zusammengefügt sind: Dienst an dem großen Ganzen
unsere» Vaterlandes. Durch die Lage der Stadt und die
Besonderheit der ihr zugewiesenen Ausgaben steht unsere Uni
versität auch aus einem besonderen'Frontabschnitt des deutschen
Gesämtleben». Grenzuniversität— das ist ein deutscher Austrog
für sie. Das ist der geistige, kulturelle und volkliche Zutritt zu
oix überseeischen Welt und auch zu den in ihr wohnenden deut
schen Landsleuten. Dieser Aufgab« haben ihre Einrichtungen
schon damals gedient, als ihre weite Berufung noch mit dem
Namen „Vorlesungswesen" unvollkommen ausgedrückt war.
vom 12. bis 2V. Moder:
Hamburger ZM-Msstelliiiig MZ
In den Ausstellungshallen des Zoogeländes veranstaltet die
Kreisgruppe Hamburg desReichsverbandes Deut
scher Rundsunkteilnehmer in der Zeit vom 12. bis
zum 2l). Oktober eine Hamburger Funkausstellung, die hin
sichtlich de» Ausmaßes und der zur Schau gelangenden Geräte
weit über den Rahmen der vorjährigen Ausstellung hinausgeht.
In räumlicher Beziehung tritt eine Veränderung dadurch
ein, daß an Stelle der Ernst-Merck-Halle die neue große Halls,
die in diesem Frühjahr gebaut wurde, einbezogen wird. Durch
diesen Wechsel gewinnt man etwa MM Sitzplätze, d. h. statt
Iplw finden 4A)l1 Interessenten bei den jeweiligen Vorsührun-
g-n Platz.
^ Neben dem Veranstalter, der Reichsp»st und dem
Heer, das seine Rachrichtenmittel vorsühren wird, beteili
gt« sich an der Ausstellung der Deutsche Funktechnische
Verband und der Deutsche Amateur- Sende- und
Empfangsdienst.
Was wird gezeigt?
Selbstverständlich zunächst alle modernen Geräte aus allen
G.bicten des Rundfunkwesens Mit besonderer Spannung war
tet Hamburg natürlich auf die Fernsehdärbietungen.
Das Fernsehen wird gezeigt, das Publikum kann einen Fern-
sehsendewagen in Betrieb beobachten und es erlebt, wie in
einiger Entfernung die Sendung aufgefangen wird.
Uebrigens soll auf der Ausstellung'rege Propaganda sür die
Gemeinschaftsantenne gemacht werben. Das ist eine
zentral? Antenne, auf der jeder sich die Darbietungen Heran
hvit, die er gerade haben will.
Ueber das Programm berSoz>b«rdarbietun-
gen berichten wir in den nächsten Tagen aussührlich.
Verraten sei jedoch, daß täglich ein VT 3V1 auf Grund der
Eintrittskarten an die Besucher verlost wird.
Warnnng vor einem WeMlolndler
Die Kriminalpolizei warnt vor einem Schwindler, der durch
Diebstahl in den Besitz eine» Scheckheftes der Deutschen Bank,
ausgestellt aus den Schisssarzt Willi Schulz, Lokstedt, ge
langt ist.
Der Schwindler kaufte in einem Konfektionshaus Bekleidungs
stücke, die er mit diesem Scheck bezahlen wollte. Als die An
nahm« de» Scheck» verweigert wurde, verstand es der Mann,
die Waren in sein Hotel zu bestellen. Hier nahm er dann dem
Boten die Waren ab und überredete ihn, den erwähnten Scheck
anzunehmen.
Der Schwindler nannte sich D. Willi Schulz, stud. med.,
au» Essen, geboren am 21. Februar 1913.
Er wird wie folgt beschrieben: 24 bis 25 Jähre alt, 1,68
bis 1,7t> Meter groß, schlank, schmales, blasses Gesicht, graue
Augen, spitze Nase, dunkelblonde» Haar. Er spricht rhein»
länbische Mundart. Er ist sehr temperamentvoll und tritt sehr
gewandt aus.
Der Schwindler hat wahrscheinlich schon etliche Geschäftsleute
geschädigt. In einem Falle befand sich in seiner Begleitung ein
junger Mann, der sich Freienhagen nannte.
Sachdienlich« Mitteilungen erbittet die Kriminalpolizei im
Stadlbau», Dezernat L. 14.
HZ gedenkt des großen Feldherr«!
In den Abendstunden des gestrigen Tage» marschierten
Formationen der Hitlerjugend und de» Bunde» deutscher
Mädel vor dem Ehrenmal am Adolf-Hitler-Platz init Fahnen
und Wimpeln auf, um in einer kurzen, schlichten Feierstunde
vdot.z SuMm
de» großen Feldherr» zu gedenken. Auf der breiten Treppe, die
zum Ehrenmal hinabführt, standen die Ehrenabteilungen der
Hitlerjugend, de» BDM und de» Jungvolks, als Stabsleiter
Döscher erschien, um im Namen ber.Gebielssührung Nord-
mark einen großen Kranz niederzulegen. Trommeln wirbelten
leise, die Fahnen verharrten gesenkt. Passanten und Zuschauer
blieben 'mit entblößtem Haupt stehen Dann ertönten schneidige
Kommando»: die Abteilungen rückten wieber in ihr« Stand
orte ab. rg.
Sie Tagung in Bremen
ät. Brem«», i. Oktober.
Noch dem Auftakt der großen Tagung de» Reichsbunde« vom
letzten Sonnabend und Sonntag wurden die eigentlichen Arbeits
sitzungen am Montag aufgenommen. Neben «iner Red» d«»
Reichsbund-Leiters Pros. Dr. R«in«rth, der sich mit den
Gegnern aller Schattierungen »iner völkischen Vorgeschicht»»
sorschung auseinandersetzte, ist für unseren niederdeutschen Be
reich die Eingliederung des „Nord westdeutsche»
Altertum»verbande»" in den Reichsbund bedeutungs
voll. Der bisherige Vorsitzende dieser all« niederdeutschen Vor-
ztitforscher zusammenfassenden Gemeinschaft, Prof. Dr. Jacob-
Friesen, Hannover, stellte sein Amt zur Versügung. An
seiner Stelle wurde Pros. Dr. Schwant«», Kiel, mit der
kommissarischen Wahrnehmung der Geschäfte beauftragt. Es
steht zu erwarten, baß der Leiter de» Hamburgischen Institut»
für Vorgeschichte und germanische Frühgeschichte, Pros. Dr.
Matthe», die Führung erhalten wird.
Neichstreffen der Hochschullehrer für Vorgeschichte
Am Dienstag fand im Beisein eine» Vertreter» des Reichs-
erziehungsministerium» ein Tressen der Hochschullehrer sür Vor
geschichte statt. Pros. Dr. Reinerth gab die Pläne zur Neu
gestaltung des vorgeschichtlichen Studium» bekannt. Danach soll
in Zukunft, um der entscheidenden Bedeutung der deutschen
Vorgeschichte Rechnung zu tragen, ein weltanschaulich gefestigter
Nachwuchs zum Studium herangezogen werden. Neben die theo
retisch-wissenschaftliche Ausbildung soll, so sagt« der Redner
weiter, die gleichwertige praktische Ausbildung der Studenten
auf dem Gebiete der Ausgrabungs- und Museumskunde treten.
Rassenkunde, Geschichte und Volkskunde werden in Zukunft ol»
Nebenfächer bevorzugt. Zur Ausstellung eine, endgültigen Etu-
dienplanes wird demnächst eine neue Zusammenkunft anberaumt.
Neugestaltung der deutschen Museen
Der Vormittag de» Mittwochs galt in seinen Vorträgen der
Frage der Einbeziehung der Museen in die Schulungsarbeit sowohl
für die breite Oessentlichkeit wie sür die verschiedensten Organisa
tionen der Partei und damit ihrer inneren wie äußeren 5.-uge»
staltung. Vom Standpunkt des Museumsfachmannes und Volks
bildner» sprach der Leiter der Landesanstalt sür Volkheitskunde in
Halle, Prof. Dr. W. Schul z. Dieses Museum, das seine heutige
Prägung in jahrzehntelanger Arbeit durch seinen vor kurzem
verstorbenen Begründer, Pros. Dr. Hans Hahne, erhalten
hat, steht — ein Vorbild sür die Mehrzahl unserer deutschen
Museen — mitten im Volk. Es betrachtet, so etwa führte der
Redner aus, die deutsche Vorgeschichte als einen Teil der deut
schen Volkheitskunde, das heißt der Forschung und Lehre vom
Wesen unseres Voltes. So ist e» ein besondere» Verdienst diese»
Museum» (man müßte es besser eine Pslegstätte deutschen
Volksgutes nennen), daß es die volkskundlichen Lebensäußerun-
aen unseres Volkes, wie Sitte und Brauch, von der Vorzeit bi»
in unsere Tage hinein versolgt und zur Darstellung bringt. In
der Bewahrung und Ersorschung der reinen Fundsachen hat .»»
gegenüber den Heimatmuseen seines Bezirkes den Grundsatz ver
folgt: Jedem das Seine! Was in Halle nicht ausgestellt werden
kann, obwohl es bereits wissenschaftlich bearbeitet ist, das wirb
an die Kreismuseen, als den zulässigen kleinsten musealen Ein
heiten, zur Ausstellung abgegeben. Schulungsslätten ber Partei,
be» Arbeitsdienstes werden zu llnterrichtszwecken mit Nachbil
dungen versehen. Schulmus««» als Eamm«lstätt«n lehnt»
Prof. Dr. Schulz jedoch selbstverständlich ab. Einen neuartigen
Gedanken stellte er herau», indem er vorschlug, einmal .motori
sierte" Ausstellungen aus, Land zu schicken. Mit besonderer
Freude rühmte der Rebner bi« gut« Zrsammenarbi!» seine»
Museum» mit dem Arbeitsdienst, der ja aus Grund
seiner Erdarbeiten einen nicht geringen Anteil an ber Bergung
vorzeitlicher Funde aufzuweisen Gelegenheit hat. Auch di«
Reich»a»tobahn«n sowi« die Lanbe»bauer»-
sch asten gehören, so sagt« «r w«iter, in die Betreuung der
Museen. Mit Bedauern mußte der Redner feststellen, daß e»
heute noch immer kein Schutzgesetz für Borzeitfund«
und Vorzeitdenkmäler gibt. Seine Bitte an den Reich»-
bündsührer, gerade dieser Frage stärkste Beachtung zu schenken,
fand den lebhaftesten Beifall der Anwesenden.
Einen besonderen Abschnitt seiner Ausführungen widmet«
Prof. Schulz ber Zusammenarbeit mit den Schulen, die aus
dem Wege über den NSLB vorwärtsgetrieben werben muß.
Arbeitsgemeinschaften für die Lehrer aller Schulgattungen, ge
legentliche, systematische Museumssührungen ber Echulklasse»
sind eine, so etwa sagte er, dringend« Notwendigkeit unserer Zeit.
Ein« Ergänzung bracht« «in Landschullehrer. Mit erfrischen
der Deutlichkeit bekannte er sich zu dem Prinzip, daß der Land
schullehrer Vorgeschichte im Gelände zu treiben Hab»,
daß »r mit seinen Schülern von ber heimatlichen, von ber väter
lichen Flur ausgehen müsse, um jede unnötige „schulmeisterliche"
theoretische Belastung zu vermeiden.
Astronomie bei den Germanen
In dem folgenden Abschnitt der vormittäglichen Vorträg«
wurde ein« Rede bedeutsam, die sich mit der Frage der astro
nomischen Kenntnisse d«r Germanen beschäftigte. Der bekannt«
Laiensorscher und Schriftsteller Otto Siegfried R « ut« r, dessen
Werk „Germanische Hlmmelskunb«" seinerzeit berechtigte» Auf
sehen erregte, macht« eine Reihe von Mitteilungen aus seinem
Forschungsgebiet. An Hand einer Reihe von Beispielen wies er
nach, daß sich die Wikinger bei ihren Entdeckungssahrten,
dt« sie nach Island, Grönland und Nordamerika führten,
alter astronomischer Kenntnisse aus dem germanischen Kultur
bereich bedienten. Der Redner stellte die Ersahrungen dieser
Männer den im Mittelmeer- Kulturkrel» gebräuchlichen gegen
über und kam zu dem Schluß, baß die Eigenart ber Erscheinun
gen in unseren Breitengraden eine andere, durchaus den Ger-
manen eigene astronomische Ersahrung hervorbringen mußte.
In diesem Zusammenhang berührte er auch die Bedeutung der
E x ternsteine, die er in einem Ausgleich der Iahresberech-
nung nach Sonne- unb Mondlauf sieht. Im Namen ber deutschen
Willenschaft dankte Prof. Dr. Reinerth dem Vortragenden unter
anhaltendem Beifall der Versammlung sür seine bahnbrechende
Arbeit.
Am Nachmittag fand eine Besichtigung be» in ber Böllcher-
stratze befindlichen „Väterkunde-Museums" statt. Der
Direktor Han» Müller-Brauel wie» besonder» auf seine
in niederdeutschen Kiesgruben seit Iahren gemachten Funde
alt-steinzeitlicher Werkzeuge hin, die er aus Grund von Ver-
gleichssunden in den ält-ren Abschnitt der Alt-Steinzeit setzt.
Sollte sich diese Behauptung bestätigen, so wären in der Tal
die Arbeiten dieses Laiensorscher» von ungeheurer Bedeutung
nicht nur sür die niederdeutsche, sondern überhaupt sür di« ge
samte deutsche Vorzeitforschung.
MütliiMgiW gestern M hellte
Wie schnell sind wir doch im Vergessen. Wir sehe« «»
die» Bild aus dem Gängeviertel an. Blick in den alten Kor»-
trägergang, und es kommt uns vor, als ob wir in «i» ««-
gangene» Jahrhundert hineinschauen.
Dabei standen diese schmalen vorgeneigten Häuser «och vor
zw«i Iahren. Roch vor zw«j Jahren süllte ein Durcheinander
von engen, düsteren Gassenschluchten jenes Gelände zwischen
Wexstraße, Kaiser Wilhelmstraße und Kohldösen, da» heute
frei und klar und gesund unter blauem Hamburger Himmel liegt.
Wir besinnen uns aus jene Gegend. E» war «in« trostlos«
Angelegenheit. Daran ändert e» nicht», daß wir uns manchmal
gefreut haden, bei Hellem Sonnenschein, im milden Licht de»
Monde», über die putzlebendigen Hausfronte» mit de» viele»
Fenstern, über das Gewirr ber krausen Giebelzeilen.
Daran ändert es nicht», wenn uns da» bunte volkstümlich«
Bild diese» Straßenleden» manmal. in ruhigen, schöne» »nd
lS. Mobec:
Baubeginn dir Kunsteisbahn
Die Vorarbeiten sür den Bau der viertausend Quadratmeter
großen Kunsteisbahn-Zoo, die nach ihrer Fertigstellung die größte
Kunsteisbahn Deutschlands sein wird, sind jetzt soweit gediehen,
daß man den Tag des Baubeginn» genau bestimmen kann. Am
15. Oktober werden die Arbeiter, bi« eigen» für den Bau ber
Bahn angeworben wurden, ihre Tätigkeit aus dem Gelände ber
Niederdeutschen Gartenschau „Planten un Blomen" ausnehmen.
Teich wird entleert
Wie wir aus Alfrage von Oberingenieur WIlh «lm » , bei»
Beauftragten der Linde-Gesellschaft, ersahren, wird man bereit»
in der Nacht de» kommenden Sonntag» damit beginnen, den
großen Teich zwischen Bauernhausschenke und Orchideenkasse«
abzulassen. Anderthalb Tag» wirb dies« Arbeit in Anspruch
nehmen. Die Waffcrmengen fließen durch da» große Kanalnetz
der Elbe zu. Dann muß da» fest fundamentierte Teichbecken
vom Schlamm und Pflanzendewuchs, der sich im Lauf de» Som
mer» ansetzte, gereinigt werden. Schäden ber Teichsohlt sind
durch Asphaltierung zu beseitigen. Anschließend will man gleich
mit der Verlegung de» 48 Meter langen Rohrnetze» be
ginnen.
Was ist Haarnadel-Form?
Schon seit Tagen ist man im Ruhrgebiet, in den Röhren
walzwerken, mit dem Versand be» Material» beschäftigt. Die
40 Millimeter starken Röhren werben in Haarnadel-Form ver
legt. Damit dieses Netz nun gleichmäßig und in sesten Abstände»
liegt, will man die Röhren aus Winkeleisen befestigen. Diese»
große Netz muß dann an di« Sammel- unb Vertellerrohr«
angeschlossen werben, bi« im Kanal neben dem großen Teich
untergebracht sind.
Zm Maschinenbau«
will man gleichzeitig mit den Einrichtung»arbeiien beginnen. Da»
alte Wirtschaftsgebäude neben dem Vogelhaus ist sür dies«
Zwecke ausersehen worden. Di« großen Ammoniak-Konpressore»,
di« in Eßlingen gebaut werden, sollen über die Iungiusstraß»
an di» Maschinenhalle, die da« Gesamtbild de» Park» nicht
stört, herangebracht werden. In dieser Zentral«, sozusagen da»
„Herz" ber Kunsteisbahn, stehen bann auch die großen Kält»-
speicher sür die Sole, die für das üblich» Kunstei»v«rfahr«»
nötig ist.
Ganz ohne Beschädigung verschiedener Weg« wird «» all»r-
ding» kaum abgehen: denn di« Zu- und Rückleiwng»rohre vom
Maschinenbau» zum T«ich müssen unter den Wegen verlegt wer
den. Zehn dl» fünfzehn Mann Habel bei diesen Erdarbeit»»,
die man sür vierzehn Tag« veranschlagt, Beschäftigung. Außer
dem wird man 30—SO Arbeiter sür bi» t»chnisch»n Arbeiten zu
sätzlich anwerben, so baß in der Bauzeit durchschnittlich St> bi»
60 Mann täglich beschäftigt werben.
Ueber das sportliche Programm
sind natürlich bestimmte Einzelheiten noch nicht bekannt. Eovl»l
steht jedenfalls fest, daß sich die zuständigen Männer Hamburg»
jetzt schon mlt dieser Frage besassen unb die entspr«ch«nde» Ver
bindungen angeknüpft haben. Der EIshockey-Sportwart de»
deutschen Eislaufverdande» hat seln« vollst» Unterstützung bereit»
zugesichert. Er wird dafür Sorg» trag»», daß sich nach d»r
Fertigstellung am IS. Dezember erstklassige Mannschaft»» aus
der Kunsteisbahn-Zoo dem Hamburger Eportpublikum vor
stellen. rL.
Ehebruch
Ehebruch ist ein Antragsbelikt, da» heißt, der Staatsanwalt
erhebt nur bann Anklage wegen Ehebruches, wenn der Verletzte
eine» Strasantrag gestellt hat. Voraussetzung sür die Zulässig-
keit eine» solchen Strasantrages ist, daß die Ehe des Verletzten
wegen Ehebruche» rechtskräftig geschieden ist. Das Recht auf
Strafverfolgung besteht gegenüber dem schuldigen Ehegatten
kowle gegenüber dessen Mitschuldigen: e» verjährt ^»nerhatb
dreier Monate nach Rechtskrast de» Scheidunasurteil». !va» be
deutet also, daß der Lauf der strafrechtlichen Ver
jährungsfrist beim Ehebruch nicht, wie bei andern
Vergehen, mit dem T a t t a g e, sondern erst nach Bekannt
werden des Ehebruche» undnachAbschlubselnerzivil-
rechtlichen Sühne zu laufen beginnt.
Eine Frau, deren Mann in Untersuchungshaft geraten war,
wollte die Einsamkeit ihrer Abende durch Zweisamkeit ersetzen
und ging deshalb mehr au», al» für ihre Solidität förderlich
war. Sie fand denn auch mehrfachen männlichen Zuspruch,
wobei sie wahrscheinlich nicht damit rechnete, daß ihr Ehe
mann über die Hohe Mauer hinweg von diesen Vorgängen er
fahren würde. Er erfuhr ober davon und betrieb gegen sein»
Frau bi» Ehescheidung und nach deren Rechtskrast stellt« er
Strasantrag gegen seine Ehefrau und gegen zwei von deren
Liebhabern wegen Ehebruche». In Anbetracht der ganzen Zu
sammenhänge war das Urteil sehr milde, indem das Gericht
gegen die Frau an Stelle «iner verwirkten Gesängnisstrase von
zwanzig Tagen auf vierzig Mark Geldstrafe und gegen
die beiden anaeklaaten Männer an Stelle von je zwei Tagen
Gefängni» aus je fünf Mark Geldstrafe erkannte.
Dr. Sch.
«anfmannsgehillenprSsung
bei der Zndnltrie. und Handelskammer Hamburg
In d«n nächsten Togen wirb die Industrie- unb Han»
b«l»tamin»r Hamburg in Zusammenarbeit mit der
Deutschen Arbeitsfront bi« Prüfung d«r kauf
männisch«» Lehrling« der zum Bereich der Inbustrie-
und Handelskammer gehörenden Firmen vornehmen. Zu dieser
Prüfung sind all« kaufmännischen Lehrlinge zugelassen, die jetzt
ihre Lehrzeit beenden oder beendet haben. Die Anmeldung zur
Prüfv.ig hat umgehend schriftlich bei der Industrie- unb Han
delskammer, Hamburg 11, Zlmmer 103 der Börse, unter Bei
fügung be» Lehrvertraae», eines selbstgeschriebenen Lebenslauf»,
eine» Zeugnisse» de» Lehrherrn sowie d«r Berufsschule zu er
folg«».
Der „71jährige» Leserin, dl» s»it d»m 1. Nov»mb»r 1832
de» .Anzeiger' liest", bestätigen wir den Empsang von zwanzig
Reichsmark, dt« wir zu dem uns angegebenen «ohltätigen Zweck
weilerleiten.
Ne. Freiwillig» Ditnstverpflichtunge» im Heer. Der Reichs-
kriegsminister hat »inen Erlaß herausgegeben, ber sich mlt dem
Abschluß von freiwilligen Di»nstv»rpslichtungen mit solchen Sol
daten beschäftigt, bi« bereits anderen Wehrmacht- oder Truppen
teilen angehören. Eine solche freiwillig« Dlenftverpflichwng ist
nur mit Zustimmung d«» Etamintruppenteil»
(Stamm-Marineteil,) zulässig e» sei denn, bab seit der Entlassung
bereit» «in Jahr v«rstrich«n Ist. D«r Abschluß von freiwilligen
Dienstverpslichtungen beim Heer «ber bei der Luftwaffe mit
Soldaten, die ber Kriegsmarine angehört haben, bedarf jedoch l»
jedem Falle, also auch nach Ablauf eine» Jahre» seit der
Entlassung, der Genehmigung de» Stamm-Marlneteil».
* Der Krell Borgselde der NSDAP veranstaltet am Frei
tag. dem 4. Oktober, um 2» Uhr. im „Hause der Arbeit",
Belenblnberhof, elne Ausführung ber Theatergrupp« de»
Relch»au»Ichusle» für Volk»gesundhelt»dienst. E» wird gespielt
„Der Erb ström", «ia Volksstück von Konrad Dürre.
sonnigen Stunden reizvoll erschien, wenn wir sogar «inen Um
weg machten, um aus em paar Schritten dem mittelalterlichen
Hamburg zu begegnen. ,
Aber: wer nur einmal i n die Häuser hinein -gesehen hat,
ber weiß, baß das bunte Bild trog. Es waren Elendsquartiere,
mit denen hier ausgeräumt wurde. Die Stuben, waren seucht
unb düster. Die Fußböden angefault unb morsch. Da hals«,
oller Fleiß ber Hausfrau nichts, und alle Mühewaltung de«
Vaters, ber da versuchte, die dunkle Bude mit Farbe aufzu-
hellen und zusammenzuhalten..
Und dann wurden die ersten Häuser geräumt, vor zwei
Iahren. Dann knatterten die Dachpfannen aus die Erde: da»
Gobäsk bes Giebels, die Wände und die Böden wurden nieder
gerissen, ein Haus nach dem anderen verschwand, würde dem
Erdboden gleichgemacht. Eine riesengroße Lücke wurde hinem-
gerissen in die Weit der Elendsquartiere.
Und später kamen die Wagen, die Kies und Ziegelsteine
und Balken für die neuen Häuser brachten. Schon waren die
neuen Straßen abgesteckt, schon waren an Stelle des zukünfti
gen Pflasters Bohlenwege über den leh>»igen Boden gelegt,
aus denen die Baumaterialien anrollen lonnten. Schon war«»
die Keller ausgeschachtet. Schon warer. die Mischtrommeln sür
den Zement ausgestellt.
Dann wuchs das Werk ber neuen Häuser rasch. Ein'Stock
werk nach dem anderen, schon krönte Helles Gebälk die Bauten.
Dann kamen die Richtfeste. Es waren fröhliche Zusammen
künfte, weil ma» fröhlich geschasst hatte an diese« hellen,
srttmdlichen, gesunden Neubauten im Gebiet der Elendi-
quartiere. >
Und nun sind die ersten Partien eingezogen. Die Straße
ist allerdings noch nicht ganz fertig. Die Spielplätze, auf die
die Jugend sich freut, sind erst im Entstehen degrissen. Da»
hat niemand gestört. Niemand von denen, die Einzug hielte«
in den schlichten, schönen Häusern mit den schmucken Fassade».
./I
pp—
Pholo: V. ZYchllnSk».
Sie kommen sich vor wie kleine Könige in den neuen Hey»»
Wohnungen mit den weißen Fußböden. Sie zeigen voller Stolz
die freundlichen Stuben. Sie sind unbändig froh über bi«
schönen Badezimmer. Sie freuen sich beinahe aus den Winter,
weil sie mit »iner Heizstelle sämtliche Räume oehaglich er
wärmen können. Ei» erzählen, daß sie auch noch eine Uhr
bekommen, die automatisch richtig geht. Sie hantieren an ihre»
Radio-Empsänger, der von einer Gemeinschaftsantenne ange»
schlössen wird.
Sie freuen sich sür die Klnber, die nun unten schön» grün«
Spielplätze bekommen. Sie rechnen uns vor, wieviel Zeit und
wieviel Fahrgelb sie dadurch sparen, daß sie nicht mehr immer
den weilen Weg zum Hasen machen müssen. Sie zeigen unt bit
Sonnenslecke auf den hellen Fußböden und sind froh und stak»
über ihre neue Heimat.
Noch schassen die Handwerker. Ei» malen die Wände und
malen Türen und Fenster. Sie geben den neuen Wohnung«»
den letzten Schmiß. Langsam aber kehrt schon Ruh» »in So«
alledem ..
«-»»>?> Mb «M?
Ltwo 2O(Z() Lekukküncllor voutseklancls vormkltoln «>on HIlo!nvorlcauk Barles

Bronvermelding

Staats- en Universiteitsbibliotheek Carl von Ossietzky, Hamburg, Hamburger Anzeiger (PPN hamburger-anzeiger), donderdag 3 oktober 1935, pagina 5




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