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Hamburger Anzeiger
«4. Q«v»«r 193»
WM lavltnsle dkrBnkehrsllchttheit .Er«» - EelS - Not":
Dir Deutsch« Auwmobllclub war stets bestrebt, seinen Mit»
illedern möglichst viel zu bieten. Mit seiner neuen Einlrchtung
ad«r, dem »Technischen Dienst", leistet er positive Arbeit, die der
gesamt«» O«ff«ntlichkelt, di« In s«hr starkem Mab« vor allem
«uch d«m Handwerk zugute kommt. Dieser Technisch» Dienst
übernimmt kostenlos die regelmäßige und gründliche Ueber-
»achuna sämtlicher Fahrzeug« der Mitglieder aus ihre Verlehr»»
sicherheit. Er
sorgt so dafür, daß verkehrsgesährlich« Fahrzeug«, dl« ihr»
Insasse« und all« aub«re» Straßendenutzer geslhrde«,
rechtzeitig t» dl« Reparawrwerkstatt übergesührt werden.
Da» b«b«utet tatkräftige Mitarbeit an der Motorisierung Deutsch
land», b«b«utet v«rsländni»voll« Einschaltung an einer Stelle, an
der — 1«in Krastsahrer wird e» ernstlich bestreiten! — durch
Nachlässigkeit und Gleichgültigkeit auherordentlich gesündigt
»ird.
Der Zweck der neuen Tinrichtung läßt sich, mlt wenigen
Worten umreihen: Durch planmäßige und genaue Untersuchung
soll dl« Veriehr»sich«rheit gehoben w«rden. Kein DDAT-Mit-
glied soll durch «ln v»rkehr»unsich«re» Fahrzeug sich ober ander«
gefährden. Di« Klubmitglieder sollen vor ärgerlichen und teuren
Pannen ihrer Fahrzeug« bewahrt bleiben. Ei» sparen so zur
recht«« Zeit und am rechten Ort, weil frühzeitig behoben« Fehler
gröber» Au»gaden «rübrigen. Durch die Zusammenfassung ver
schiedener Ueverholung»arbeiten lassen weiter sich häusig Mon
tagetosten spann.
D«r Ausbau d«» Technischen Dienste» Ist so burchgesührt, dab
auch dl» auf dem flachen Lande wohnenden Mitglieder durch die
Reistingenieur« d«s DDAT tunlichst an ibrein Wohnort be
sucht werben. Wo da» nicht möglich Ist, wird darauf geachtet,
dab dl« Anfahrtswege zum nächsten llnte '
. rsuchungsort möglichst
kurz geHallen sind. Durch schriftlich« Mitteilung und durch
Pressenachricht werden sie zur Teilnahme aufgesordert. Ein wohl
durchdachte» Vormerksystem mlt genauer Zeiteinteilung ver
hindert, dab di» Mitglied« bei den Untersuchungen unnötig
warten müssen.
Um «ln« möglichst genaue und gründliche Ueberprüfung der
u gewährleisten, wird jeder Reiseingenieur mit
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kln vorn»l>m»r Knopp.
Verkehrs-Erziehung in den Schulen
Ire«« Warnungszeichen aus allen unser«» Wege« lm Innern
der Stadt sind sie, die drei Lichtsignale: Grün—Gelb—Rot. Bor
ihrem ^errschastsanspruch müssen all« Sonderwünsch« welchen.
Die grohten Ueberiand-Lastkrastzüge, der kleinst« Dr«lradwag«a,
Motorräder, Fahrräder und Fußgänger: alle stehen unt«r dem
Gesetz der drei leuchtenden Zeichen: Grün—Geld—Rot.
Die zunehmend« Motorisierung Deutschland», d«r in Zu»
sammenhang damit wachsende Großstadtverkehr haben all«
ehemals im Etadtdetrieb vertraut gewesenen Begriff« von Ruh«
und Geruhsamkeit über den Hausen geworfen. Wer sein Leben
liebt und sein« Mitmenschen vor Schaden bewahr«» will, fügt
sich »in in da» ordnende Gesetz, das der Staat zur Sicherung
seiner Bürg«r »rlass«n hat. Dab » schwer lst, an dl« Stell«
von Nachlässigkeit bewußt« Zuverlässigkeit zu setzen, bewiesen
di« verschiedenen V»rkehr»«rzi«hung»woch«», di«
wir im Laus« der Zeit über uns haben «rgehea lassen. So
manch» Mark, so manche» Talerstück ist damals im Staatssäckel
verschwunden: nicht so sehr als Strafe, sondern vielmehr ol»
vpsernde Mahnung an alle, di» sich nicht so ohn« wtiter»» an
Ordnung zu gewöhnen vermögen.
Und doch ist noch längst nicht der erstrebte Zustand allge»
kommt. Da» »rstr. was getan «ird. lst dl» llnt«rw«tsung
im U»t«rricht f«lbst. Dab«t, so beißt «» in der Anordnung,
sind all« Darstellungsmittel wi« Aufsätze, Zeichnungen, Mobelle,
f»ldstv«rfabt« Mensprüch«, s«lbst angefertigt«
V«rk«hr»sibeln
lnau» prak.
einem Epezialblenstwagen ausgestattet, der alle notwendigen
Mebinstrument« und Wertzeuge enthält. Da dl« Beratung der
Mitglieder streng« Odj«ttivität und »uverlässlg« Genauigkeit
garantier«» muß, werden sür den Technischen Dienst de» DDAC
nur solch» H«rr«n «lngestellt, die durch vorherige probeweise
Tätigkeit ihr« Eignung »rwiesen haben.
Der Vorgang der Untersuchung
ist folgender: Da» Fahrzeug wird aufgebockt. Dann werden
sämtlich« Federn, Gelenke, Bolzen, Seile, die Uebertragungs-
organ» d«r Bremsen und der Lenkung, die Radlager und di«
Antriebsorgan» (Kardan und Differential) «iner Kontrolle nach
Verkehrssicherheit und Betriebssicherheit unterzogen. Dann folgt
dl« Ueberprüfung des Motors und Getriebes auf Abnutzung,
«tnwandfreien Laus unb sparsame Arbeitsweise. Ebenso werden
all« «lektrischen Apparate, Leitungen, Mebinstrument« einer
Durchsicht unterzogen. Dann erfolgt «ine Ueberprüfung des
Fahrzeugaufbaues (Ouletschstellen, faulend« Karosserieteile) ab
genutzt« Türscharnlere usw.). Dann «ndlich wird das Fahrzeug
noch «inmal auf das Einhalten der durch die Polizei bzw. ge
setzliche Vorschriften gemachte Auflagen nachgesehen (Kontroll«
ver Lichter der Nummernschilder usw)
Nach dieser Arbeit wirb das Fahrzeug durch eine kurze
Probefahrt mit daran anschliehender Bremsprüfung (Brems-
messer) nochmals aus einwandfreien Lauf untersucht. Grober
Wert wird dabei auf Schieuderfreiheit, aus genau eingestellte,
gut wirkende Bremsen und auf etwa auftretende Fahrgeräusch«
bei den verschiedenen Mowrdrehzahlen und Wagengeschwindig-
leiten gemacht. Nach der Beendigung aller dieser Arbeitsvor
gänge werden ein Untersuchungsbefund und eine Bremsprüf
karte ausgeestllt. Die auf dem Bericht festgestellten Schäden
werden mit dem Fahrzeugbesitzer durchgesprochen, unb man er
teilt allgemein« technisch» Ratschläg». Hervorzuheben ist ganz
besonder», dab die Reiseingenieur» des Klub» den Klubmit
gliedern nur mit ihr»m fachmännischen Rat beistehen, keinesfalls
aber dürfen sie Reparaturen auch nur kleinsten Ausmabes vor
nehmen.
meiner Verkehrssicherheit eingetreten. Abgesehen von den er
wachsenen Volksgenossen, die immer noch Fehler genug begehen,
hat gerade unsere Jugend einen bedauerlichen Anteil an den
Verkehrsunsällen zu verzeichnen. Vor uns liegt «ln« Statistik
über die Schüler-Unfälle lm ersten Halbjahr 1S35. Es
ist eine lange Liste, zusammengestellt noch den Meldungen der
Schulen und der Polizeibehörde. Wir wollen uns nur die End
summe aller Unfälle ansehen: «s sind insgesamt 572 Unfälle
Hamburger Schüler in einem halben Jahre. Davon entfallen
aus Verkehrsunsäll« der radelnden Jugend 222. Als Fubganger
wurden durch Autos in Mitleidenschast gezogen 133 «Zugendliche,
durch Radfahrer S3. Beim Spielen wurden 27 Kinder angesab-
ren, während 22 gegen Fahrzeug« liefen. Dazu kommen acht
Bahnunfälle und 62 Strahenunsälle. Leichte Verletzungen zählt«
man 445, schwere 1l>3, unverletzt blieben 18. Sechs Todessäll«
aber waren da» Ergebnis grober sahrlässiger Unaufmerksamkeit.
Es ist selbstverständlich, dab gegen die Ursachen diese» er
schreckenden Ergebnisses aus einem einzigen halben Jahre ein
geschritten werden muh. Neben den Eltern, die ihren Kindern
unnier aus» neue die Gefahren der Strabe deutlich zu machen
haben, ist es vor ailem Pslicht der Schule, hier «inzu-
greisen. In richtiger Erkenntnis dieser Notwendigkeit hat die
Hamdurgische Landesunterrichlsbehörb« durch den Landesschul-
rat Pg. Schutz einen umfangreichen W«rde- unb Erziehungs
feldzug innerhalb unserer Schulen angeordnet, der in d«r
Zeltvom 1. biszum3». November zur Durchführung
ulw. einzusetzen. Dt« Schul«» soll«» barüb«r
tische Bertehrsllbunge» abdalten, wobei d«r Schul-
bezirk zum Uebungsgebiet zu wählen ist. Nach Möglichkeit wird
man auch «ine verkehrsreich» Straß» aussuchen. Rad fah
rende Schüler ersahren eine besondere Betreuung, »ntsällt
doch aus sie nah«zu di« Hälft« all«r Schül«r-V«rk«hr»unsäll«.
Di« Radl«r w«rden deshalb von radsakrende» Lehrern aus dm
Schulhof und aus der Strab» »u Uebungen ln Gruppen zu»
fammengefabt. In diefem Zusammenhang wird auf die Be
mühungen de» Reglerenden Bürgermeister» verwiesen, der durch
Schaffung von llmg«hung»str»b«n für Radfahrer den
Verlebr in der Innenstadt entlastet und damlt «ln« gröber»
Verkeyr»sich«rh«lt ermöglicht.
Besonder» aber «ird man aus die Untugend de» Spi«l» n »
auf d»r Straße verweisen unb «»«rgilch zur B«kämosung
«inschr«iten. W«it«r wird d«r Verkehr an und aufG « « äss« rn
»um Gegenstand der Belehrung und Erziehung gemacht werden.
Den Höhepunkt aller Magnahmen bildet dl« vom 1. 5to»
veinder bis »um 2. Dezember stattfinden« V«rk«hr»fchutz-
Ausstellung, die alle Klassen geschlossen besuchen. Sie
wird in der Ernst-Merck-Hall« im Zoo veranstaltet von der
Deutsche» Verkehrswacht ln Zusammenarbeit mit der Abteilung
Schadenverhütung der NSB und dem Deutschen Verein gegen
Altoholiimu».
So ist menschlichem Ermessen nach von selten der
Landesunterrlchtsbehörb« alle» aetan. um dl« Gefahren d«s
Grobstadtverkehr» auf »ln Minv»stinab zu beschränken. Nur
eine» scheint un» einer besseren Lösung würdig: nach der neuen
Reichsstraben-Berkehrsordnung ist e» de» Schulklalse» nicht
Vermißt
wirb seit dem 2l>. Oktober die zuletzt im Kuhberg wohnend«
15jährige Marga R«hg. Die Vermißt« ist von einem Tanz
vergnügen nicht zurückgekehrt, und e» wirb angenommen, dab si»
in schlechte Gesellschaft geraten ist. Si« lst 1,74 Meter grob,
vollschlank, hat blonden Bubikopf, gute Zähne, runde» blasses
Gesicht und Sommersprossen. Bekleidet war sie zuletzt mit brauner
Mütze, schwarzem Seibenkleid mit grohen weiben Punkten,
schwarzen Bindehalbschuhen. Sie trug eine silberne Halskett« mit
einem Kreuz.
Mitteilungen über den Verbleib der Vermibte» sind zu
richten an die Kriminalzolizei im Stadthau», Dezernat L 11.
Unbekannte Tote
Am 23. Okwber erkrankt« im Steinbamm «ln« Frau, dl«
von einem hilfsbereiten Ehepaar mit in die Wohnung genommen
wurde. Ihr Zustand verschlimmerte sich aber sehr schnell, so dab
sie nach kurzer Zeit verstarb. Aerztllch wurde sestgestellt, dab die
Frau wahrscheinlich einem Herzschlage erlegen ist. El« wurd«
in ein Krankenhaus besörbert.
Die Frau ist bis jetzt noch unbekannt. El« lst «twa SS Jahr«
alt, «twa 1,60 bis 1,SS Meter grob, korpulent unb hat hell
blonden Bubikopf. Bekleidet war sie mit graubraunem Filzhut,
braunem Mantel, buntgemusterter Bluse, grauem Trägerrock,
braunen Strümpsen und hellbraunen Halbschuhen.
Wer glaubt, die Frau zu kennen, wirb gebeten, sich umgehend
beim Dezernat S. 11 im Stadthaus zu melden.
Strabenunfälle
Am 23. Oktober gegen 17.1» Uhr wurde in der Lübecker
strabe an der Ecke de» Rossausweg ein 62jähriger Mann von
einem Personenkraftwagen angefahren und zu Fall gebracht.
Verlet
AMIedsfeierlUr Pros. Lr. Schmidt
Der bekannte Strafrechtler der Hamburger Universität, Prof.
Dr. Eberhard Schmidt, dessen .Lehrbuch über das Straf»
recht" zu den führenden Werken auf diesem Gebiet gehört, hat
einen Rufe an die Universität Leipzig angenommen. Be-
reit, am 1. November nimmt er bort sein« Vorlesungen auf.
Prof. Dr. Schmidt, der feit dem 1. Oktober 1S2S in Ham
burg las, war der erste Rektor der Hamburgischen Universität
nach dem Führerprinzip. Während seiner Amtszeit — 1. Ok-
tober 1S3Z bis 30. September 1334 — und unter seiner Mit»
Wirkung wurd« die Universitätsverfafsung laut Gesetz vom
IS. Januar 1934 grundlegend nach nationalsozialistischen
Grundsätzen geändert.
Der Verunglückte erlitt Kops- und Innere
wurde in ein Krankenhaus gebracht.
letzungen und
In der letzten Nacht gegen 3,15 Uhr fuhr ln der Ifsland-
slrabe vor dem Hause Nr. 73 der 35jährige Hermann R. mit
seinem Personenkrastwagen gegen einen Baum. R. «rlitt Kops-
und Innere Verletzungen und wurde einem Krankenbause über
wiesen. Der Wagen würbe völlig zertrLmmert. Der Verunglückte
soll unter dem Einslub von Alkohol gestanden haben.
Zeugen dieser beiden Unfälle werben gebeten, sich bel der
nächsten Polizeiwache oder bei der Verkehrspolizei im Sprinken-
hof, Burchardstrabe 8. zu meldend
TaM-ZllsammeMust lik Briefmarkensammler
Wie schon auf der Hansaposta angekündigt, wird die Deutsche
Sammler-Gemeinschaft allen, auch nicht in einem Verein zusam
mengeschlossenen Briesmarkensreunden, Gelegenheit zum Tausch
ihrer Marken geben. An jedem Sonntagvormittag finden sich
am „Rolandseck", Ecke Große Reichenstrage und Rolanbsbrück«
im Lokal von Krüger die Sammler zum Tauschen «in. E» er
wachsen au« dem Besuch de» Lokal» kein« Kost«n. Katalog« und
Briesmarkenzeitschristen liegen aus.
tte. Der St. Pauli-Hafen-Verein zu Hamburg ». V. hatte
im Hotel Mau seine Monatsversammlung, auf der sieben
Mitglieder ihr 40- und neun ihr 25jährige» Berelnsjubiläuin
feiern konnten. Im Verlaus der Aussprache wurden Schiffahris-
fiagen, sowie das Projekt des Mittellandkanals besprochen. Ein
Tonfilm „Das Ruhrkohl»nb»rgwerk" gelangte sobann
zur Ausführung. Er zeigte anschaulich die Entstehung unb
Likgerung der Kohle au» grauer Vorzeit, sowie ein Bergwerk in
vollem Betrieb, mit allen seinen modernen Einrichtungen und mit
der mühseligen Arbelt be» Bergmann«».
* Der Verein der Hasenfreunde, Hamburg-Altona, btgann
seine Winterveranstaltungen mit «inem T««nackmittag im
Alkazar, der weit über 4M Teilnehmer vereint«. V«rein»-
kührer Th. Schreiber betonte in seiner Begrühungiansprache,
dab die volkstümlichen Sommerveranstaltungen Tausenden von
Volksgenossen Gelegenheit gegeben haben, ihre Heimat, den
Elbstrom und da» Hasengebiet kennen und lieben zu lernen, und
bah die kommenden Kameradschaftsfeste Im Winter dazu bei
tragen werden, den Gemeinschaftsgeist zu pslegen. Dann
sorgten die Künstler de» Alkazar für genuhreiche Stunden.
Zu Ehren des Scheidenden versammelten llch gestern abend
lm Uhlenhorster Fährhaus die Kollegen der juristischen Fakul
tät und verschiedene ander« Mitglieder des Lehrkörper» der
Universität zu einer kleinen Abschieb»fei«r. Di« An-
welenheit der Senatoren Ähren», v. Allwörden unb
Richt«r, sowi« b«» Leiter» der Lanbe»unterrichtsbehörde,
Präsident Witt, unb Abmiral Lindau von der Marin«»
dienststelle mögen Pros. Dr. Schmidt Beweis gewesen sein,
welcher Beliebtheit «r sich In Hamburg erfreute und wi« un-
gern man ihn von hier scheiden sieht.
Vom MnterMsuierd EImMNel-Md
„Brot unb Spiel«" braucht der Mensch! Do» Winlerhllss-
werk sorgt für beides! Heute soll von den Spielen di« Rede
sein, die das Winterhilfswerk des Kreises Tims-
büttel-Nord In den Langenselder Hansa-Sälen
aus dle Bühne stellte. Vor kurzer Zelt erst waren wir im
gleichen Raum, dort lieh das WHW durch dl« Hamburger
Schaubühne den ,>7. Bua" spielen, und alle» tobt« vor Lachen.
Gestern gab es Artistik auf der ganzen Linie, Humor, Musik
— »in buntes Allerlei rund um da» Variett. „Hardt'»
Lustige Bühne stellte sich am Nachmittag den Kindern vor,
die von „Pepi und Pepino", den beiden Boxern nicht genug
bekommen konnten, di» Immer wieder klatschten, auch wenn die
Geschwister Hardt mit ihrer lustigen Programmnummer:
„Wi« kann man Geld verdienen ohne viel zu arbeiten", längst
fertig waren. Dab »August mit b«m Rabiokasten" Dummheiten
machte, war natürlich. Aicher ihm zeigte „Fräulein Elfriede"
ihr Papierwunber, Wilgam sich al» Spatzmacher. Mit bem
„Bunten Allerlei und den ,Max unb Moritz-Streichen", war
bann bie Kindervorstellung komplett.
Ein Riesen-Variett-Programm wurde am Abend abgewickelt.
E» war übrigen» wieder dieselbe Fülle wie beim letzten Theater
spiel. Wenn Emil Wehrhahn Witze rib und ansagte, ging alle»
mit. E» freuten sich „Papa, Mama und di« Kind«rchen" über
di« Trap«z-Lufts«nsalion d«r .Heiden Margillo»", wi« üd«r
„Eld«n und Thema" al» Part«rr«akrobat«n, währ«nd „Fuon l",
al» akrobatisch«? Tänzer steppte. Auch „Eva mit Partner"
bracht« Akrobatisch«» im Tanz, Pia Walbe» lustig«, bunt«
Vortrag»wert«, Equilibrislik von „Grete unb Partner" rundeten
da» reich» artistisch« Programm ab, da» b«n Hunb«rt«n Freud«
macht«. öl«.
k. Di« Hoch- unb Tiesbauabteilung der Technischen Staat»,
lehranstalten zu Hamburg begeht am 1. November um Ili Uhr
in der Aula be. Schul- und Mufeumsgebäude» am Stelntorplatz
die Feier de» 70jährigen Bestehen». Im Anschluß an den Festakt
soll vor bem Denkmal Im 2. Obergeschoß der gtsallenen Helden
dieser Anstalt gedacht werben.
dp. Eine Brieftaub» au» Belgien flog dem Einwohner
Schröder, Pinneberg, Elmshorner Strohe NS», zu Sie ist be
zeichnet mit „Henry Bruneel Hout bem Hper Belg.
33—3V12215." Das Tier war so matt, bah es sich ohne wei
teres anfassen lieh. Jetzt hat die Taube sich erholt und wlrd
gut gepslegt.
Vereine und Veranstaltungen
Dsnnerltag, >4. vttober
«elchibund der Alrprrdehlnderten, Z0 Uhr, Hotel Mau, Holsien»
wall is/ig.
eesn!
Ihren 7S. Geburtstag begeht heute Margarethe Nlssen,
Schultzweg 27. — 85 Jahr» alt wirb morgen Frau Emili«
Lor«ntz«n, Schebestrab» 6. — Frau Mari» Girk», Oben
Borgfeld» Z, wird heut« 75 Jahr« alt.
Nicht alle Ehen werden lm Himmel geschlossen. Es geht
gelegentlich recht irdisch her, je nach Temperament. E»
raucht und kracht. Worte kreuzen sich, w!« geschlissen» Florett».
. es
ebr gestattet, bevorrechtigt dl» Strabe» zu überqueren. Es
wird deshalb von feiten der Landesunterrlchtsbehörb» b»n
Schulen der Versuch nahegelegt, „ln verkehrsreichen Straßen
ersorderllchensall» Echulklassen in Sechserreihen geschlossen oder
ln Dreierreihen nach Gruppen ausgeteilt über dl« Fahrbahn
zu dringen". Bel Oberklassen- oder Berufsschülern mag dl«
von der neuen Verkehrsorbnung versagt« Bestimmung keine
sonderlichen Schwierigkelten bereiten. Lehrer jüngerer Schul-
jahrgänge bürsten «» jedoch kaum mehr wagen, mlt ihren ihnen an
vertrauten Kindern In die Stadt zu gehen, e» sei denn aus mehr
oder weniger groben Umwegen durch ruhiger« Nebenstraben.
E» wäre jedenfalls zu bedauern, wenn den Schülern durch die
Neuordnung so mancher Lehrgegenstand der inneren Stadt ver
schlossen würde. Immerhin ist bie Landesunterrichtsbchörbe be
müht, eine Abänderung dieser Bestimmung zu erreichen. 6t.
Salzig» Tränen netzen das Tischtuch, von dem es dann immer
heibt, es müsse nunmehr zerschnitten werden. Nichtkenner der
Ehe könnten tatsächlich aus oll dem Lärm, den zuaeknallte Türen
unb zerschmetterte Vasen machen, zu bem Trugschlub kommen,
das würd« keine acht Tage mehr dauern. Mitnichten, lleb«
Laien! Fragt nach zwanzig Iahren wieber an. Und ihr findet
am selben Tisch noch dieselben reizenden kleinen Meinungsver
schiedenheiten. Einer, der sich daraus verstand, sagte mir mal,
ein« Eh« ohn« Zwist f«i wi« «in« Supp« ohn«
SaiDen Mann müht« man zum Ehrendoktor machen. Er
hat ein grohes Wort gelassen ausgesprochen. In der Tat sind
solch kleine Reibereien und Geplänkel, wie sie sich täglich
zwischen Eheleuten ereignen, eine würzige Sache und man sollt«
sie nicht allzu tragisch nehmen. Ecken und Kanten werden dabei
abgeschlissen, die Ehe vor der Eintönigkeit bewahrt unb der
Tharakter gehämmert, bah bie Funken sprühen.
Natürlich hat alles seine Grenzen. Man kann eine Supp»
auch versalzen Gewürz ist nur in mäßigen Dosen er
träglich. Das gilt in hohem Mähe vom ehelichen Zwist, mein«
Teuren. Wehe, wenn sich der Zustand versleist, wenn »in
kleiner Stellungskrieg einsetzt. Da vergräbt sich dann der Gatt«
Ingrimmig hinter der Zeitung und die Sein» klirrt mlt den
Stricknadeln, als gälte es, die Messer zu wetzen. Nicht das
kleinst« Wörtchen hüpst über ba» Tischtuch. Di« A«rmst«n sind
wi« mit Stummheit geschlagen, indessen der Gram an ihrer Se«i«
nagt, di» Haar» grau werden und ba» Herz müde. Jeder will
dem anderen zeigen, dab »r den längeren Atem hat. Ein» hart
näckig« ll»nachgi«bigt«it pflanzt sich zwlsch«n di« Ebeleut«
und «» b«w«ist sich hi«r wi«b«r bi« alt» Wahrh«it: li»b»r
»inWortzuvlel,al»»tn»zuw»nigI Dl» m»lst«a
schiffbrüchigen Ehen scheiterten erfahrungsgemäß an ben zu wenig
gesprochenen Worten. Wie oft hat «in stocksteif«» Stummf«ia
«in« ganz« Kette von Mibv«rstänbniss«n nach sich ge
zogen, so bah schließlich der Zankteusel Triumph« stiert« und
das Tischtuch tatsächlich zerschnitten wurd».
Sokrates, der Weise, war in der Hinsicht klüger. Er blieb
seiner Zkantippe kein Wort schuldig, ja, »r ermunterte sein« Hau»-
ehre noch dazu, von ihrem lockeren Mundwerk reichlich Gebrauch
zu machen. Die vornehmen Athener schüttelten zwar bie Köpse,
wenn sie an dem Hause de» Philosophen vorüberkamen und da»
Gekels hörten. Ader Sokrate» sagte sich mit Recht: bloß kein«
Explosivstoffe aufstauen lassen, lieber Ventil« schaff«»,
Luft mach«», sei e» sogar, dab ihm bei der groben Wasch»
eine nasse Toga um die Ohren geklatscht wurde. Hatt» sich
Xantippchen müde geschrieen, zog holder Fried» ein in bie Ge
mächer de» Philosophen und di» grob»n Gedanken kamen.
Es ist schon so: Nein» Zwiste erhallen bie Freundschaft.
Hier bewährt sich ber Standhafte. Streit ist «in« anb«r«
Form der Zuneigung. Nur wo öd« Gleichgültigkeit ein
zieht, herrscht Friede. Das Leben Ist Kampf unb es Ist nicht
einzusehen, warum aerade die Ehe hierin eine Ausnahme machen
sollte. Ganz tolle Burschen brechen sogar hin und wieder «inen
kleinen Zwist vom Zaune, um derVersöhnungwillen,
die sich dann wie ein siebensarbiger Regenbogen über den Tisch
' annt. Sie brauchen da», um sich im Zwiste erneut der Lieb»
rer besseren Hälfte zu versichern. Sagt was ihr wollt: salzig»
Tränen, «nählg vergossen, netze» ba» Frühbeet unsere» Herzen»,
sind die Herden Perlen der ehelichen Anhänglichkeit. Nehmt ba»
Unvermeidliche al» ba», wa» uns besser macht. Jeden Tag ein«
Messerspitze vom Salz d«r Eh«. Da stirbt ba» tödlichst« Gift
des Zusammenlebens: bie Langeweile. —u—.
Ip. Krel» Solkau versorgt Hamburg mit Kartoffel». An der
Versorgung Hamburgs mit Kartosseln im Rahmen des Winter»
hiisswerkes ist der Kreis Soltau mabaedlich beteiligt. Ln sast
allen Orten des Kreises wurden in den letzten Tagen Kar
tosseln, bi» jetzt waren «» 17 Waggon», v«riad«n, um an
di« Hilfsbedürftigen Hamburgs geschickt zu werben.
gm Relchsfender Hamburg spricht Freitag, 25. Oktober, von
22^0 bis 22I5 Uhr Ministerialrat Dr. Gutt über da» Gesetz
zum Schutze ber Erbgesundheit be» deutschen Volke».
ZllWausurteil im Monaer «ommnnlltenprozed
Schüss» nach b»r Machtübtrnahm«
In Altona hat ber Dritte Strafsenat des Berliner
Kammergerichts in mehreren Prozessen die Vorgänge
geklärt, di» am S. Marz 1S33 zu dem kommunistischen
Feuerüberfall aus d»n groß«« Fackelzug ber
SA und SS geführt haben. Nach bem Umfang der kommu
nistischen Vorbereitungen hätte dieser Ueberfall die Ausmab»
des „Biutsonntags" annehmen können. Drei Tote un.d
s»chz»hn Verletzte waren die Opfer.
Da» Gericht hat gestern ben dritten Prozeb in dieser An
gelegenheit abgeschlossen. E» verurteilte den Haupttäter
Karl Bruhn wegen Vorbereitung zum Hochverrat, wegen
versuchten Morde», schweren Aufruhrs, schweren Landsrieden»-
bruch» und Vergehen» gegen mehrer« Verordnungen de» Reichi-
präsidenten und gegen da» Schubwassengeletz zu acht Jahre»
Zuchthaus und zehn Iahren Ehrverlust. Ferdinand B«»
r«ndsen wurd« wegen derselben Straftaten zu si»b»a
Vahr»» Zuchthaus unb zehn Jahren Ehrverlust verur
teilt. Ueber 24 weitere Angeklagt« vtrhängt« ba» Gtricht Zucht
hausstrafen von einem Jahre bis zu süns Jahren. Malter
Seitler kam mlt einem Jahre Gesängnis davon. Gegen di«
meisten Angeklagten wurde aus zeitlich begrenzten Verlust der
Ehrenrechte und gegen Karl Bruhn auch aus Zulässig!«!! der
Polizeiaussicht erkannt. p.
TubSlI'
^5 S0u.ö0k>sA

Bronvermelding

Staats- en Universiteitsbibliotheek Carl von Ossietzky, Hamburg, Hamburger Anzeiger (PPN hamburger-anzeiger), donderdag 24 oktober 1935, pagina 6




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