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Mittwoch, 21. Juli
mit Auswanderern durch amerikanische Beamte in New-Aork er
folgt sei. Ein großer Aufwand von Entrüstung wurde dabei ver
braucht, bis sich schließlich zur Evidenz herausstellte, das; die deut
schen Kapitaine durchaus iMiian verfahren seien und daß die Dampfer
nicht gesundheitswidrig überfüllt waren. Gewissermaßen als eine Ge
nugthuung dafür ist jetzt deutschen Dampser-Ka pitänen der
Besuch des nordamerikanischen Präsidenten Hayes an
Bord eines deutschen Schisses zu Theil geworden, eine Auszeichnung,
welche einzig dasteht. Der Weser-Zeitung wird darüber aus New-
Jork, 2. d., berichtet:
Auf dem Hobokener Dock der deutschen Dampfschiffe sah eS heute fest
lich aus. Kaptän Neynaber von der „Mosel", Kapitän Schweinen
von der „Westfalia" hatte» ihre Dampfer mit dem schönsten Wimpel
schmucke versehen; die „Mosel" führte am Heck die seidene Flagge mit der
Inschrift: „Der Reichstag dem Dampfer „Mosel", 22. Mai 1V73"; ihre
Schiffstreppe war mit Teppichen belegt; die Offiziere trugen Galanimorni.
Der 'Anlaß dieser festliche» Kleidung bildete die Zusage des Präsidenten
der Vereinigten Staate», der auf der Rückreise vo» Neivhavcn nach
Washington sich befand, an Bord der „Mosel" mit feiner Begleitung wehen
zu wolle». Der Kapitän Neynaber empfing die Gesellschaft um Uhr auf
dem mit Sonticnscaeln übermannten Deck. Der Familie des Präsidenten
schloß sich die des Herrn Gnstcw Schwab a», welcher als Chef des Hanfes
Oelrichs u. Co. die Gcncral-Agcntnr des Norddcntfchen Lloyd vertritt.
Zur Begleitung des Präsidenten gehörte der Generatpostnieistcr der Union
David M. Key, dem mchrcre Beamte des hiesigen Postamts folgten,
ferner der Generalkonsul des deutsche» Reiches Dr. Schnmachcr, der Gou
verneur vou Noude Island, William C. Howard, der UnionSanwall für
den Hafen vo» Newyork, Stewart L. Wordford und Andere nut ihren
Damen. Die Gesellschaft besichtigte das fast reisefertige Schiff in alle»
Theile», iiamcntlich auch das Zwischendeck, die Küchen und die verschiede
nen für die Wohlfahrt der Passagiere vorhandenen Einrichtungen. Nach
kurzer Rast auf Deck führte Herr Neynaber Frau Hayes zu der im Salon
erster Kajüte sehr geschmackvoll hergerichteten Tafel, an welcher der Präsi
dent neben Mrs, Schw.ib seinen Sitz erhielt und auf eine Ansprache
von Herrn Gustav Schwab iu einfachen ader liebenswürdigen Worten
dankte; dieser Dank schloß mit einem Hoch auf den Kaiser von
Deutschland, in das die Musik einfiel. Ais später die Tafel dem Ende
sich zuneigte, folgten auf »ette Musikstücke »och andere Trinksprüch?,
so auf den Gcncralpostmcistcr, den Generalkonsul, Herr» Schwab nnd seine
ausgezeichnete Veiwalinng der Geschäfte; die interessanteste Erscheinung
der'kleinen Gesellschaft, deren jüngere Elemente besonders lebhaft sich un
terhielte», war »»streitig die Fra» des Präsidenten. Die Gefprächsthcmata
des oberen Tisches waren, soweit ich ihnen folgen konnte, sehr bezeichnende:
Die Entwickelung des ozeanifchcn PondicnsteS und der Personenbeförde
rung, die verschiedenen Elemente des hiesigen Demschthnms von den ver
alteten Dcutsch-Pcnnfylvanicrn bis zu der 48er politischeu Einwanderung,
die Gesetzgebung über den Passagierverkehr zur See, die wachsende» Be
ziehungen zwischen uns und dem alten Paterlande?c. Herr Kapitän
Neynaber, eiu Veteran aus unseren, Kriege gegen Mexico, empfing für
manche feiner schneidigen Bemerknngen ein zustimmendes Sticke» des Prä
sidenten und der übrigen Umgebung. Nach der Tafel wurde die Cigarre
auf Deck geraucht uud als es zu duukelu begann, Abschied genommen.
Der Präsident fuhr mit feiner Suite nach dem Newhorker Eeu-
trolpark; der deutsche Generalkonsul ward mich lauge Zeit auf dem
Dock im Gespräch mit dem Distriktattorueh Wordford gesehen, welcher
die ungerechten Schritte gegen die deutschen Dampferkapitäne, die
kürzlich sensationell und auch sonst tendenziös ausgebeutet worden
sind, iu erster Linie zu verantworten hat. Ihnen bietet die heutige
Festlichkeit das deutlichste Paroli; sie bildet das erste Mal, das; ein
Präsident der Bereinigte» Staaten der dentschen Flagge durch die
Annahme einer solchen Einladung seine Anerkennung bezeugt hat.
" Am 17. d. Mts. begab sich der Friedensrichter vou Tonr-
nay auf den Autrag des Bischofs Dnmont in Begleitung des
Sachwalters des Letzteren in die bischöfliche Residenz, welche der
durch ein Breoe des Papstes eingesetzte Administrator Dnronsseaux
inne hat, um Siegel au die Papiere uud Eisenspiuden zu
legen, von denen der Administrator Besitz ergriffen hat. Der Letz
tere protestirte, beschwerte sich über Verletzung des Hausrechts, leug
nete, Papiere und Wertsachen des Msgr. Dumont hinter sich zu
haben, nnd lies; seinen Sackwalter Leschevin herbeiholen. Beioe
Theile begaben sich zu dem Gerichtspräsidenten, nm seine Entschei
dung nachzusuchen, jedoch nicht ohne Wächter zurückzulassen. Iu der
gerichtlichen Verhandlung begründete der Anwalt Dumoni's seinen
Antrag damit, daß am 28. November 1879 die Leute des
Administrators in die bischöfliche Residenz in Abwesenheit
Dnmont's eingedrungen, eine Besatzung hineingelegt, die
Thüren mit Dietrichen geöffnet, die Schlösser verändert nnd
Mlle. Dumont, die Schwester des Bischofs, eingesperrt hätten. Der
Anwalt Dnrousseaux's antwortet darauf mit einer langen Disser
tation über das Breve des Papstes, die Befugnisse eines Administra
tors, und mit Anspielungen darauf, das; Mgr. Dumont geisteskrank
sei, bestreitet auch, daß über irgend Etwas Rechnung zn legen sei.
Der Anwalt Dnmonts prodnzirt darauf einen vom 2. Dezember 1879
datirten, von der Hand des Herrn Leschevin geschriebenen Entwurf
der Grundsätze, nach denen bet der „konfidentiellen" Rechnungslegung
zu verfahren sei, die er für driugcud erachte, weil bei der Besitz-
l! Ueber die Opfer, mit welchen die Pilger zu den Aminerganer
Passions-Lorstelluiigcn ihre künstlerische Erba»»»g bezahlen müssen, wird
aus Mur»a» berichtet: Die diesmalige Passioiis-Vorstclluiig war wohl
stärker als alle vorhergehenden besucht. Donnerstag n»d Freitag zogen
bereits große Mengen Fremder, besonders aus den besser siluirten Gefell-
schaftsfchichtc», durch Mnrnan »ach Obcrammerga». Gestern, Sonnabend,
aber nahm das Fahren und Jagen nach dort von früh Morgens bis spät
Abends kein Ende: denn außer den fahrplanmäßige» Züge» kamen vier
Extrazüge, und diese waren buchstäblich vollgepfropft. So ist es denn
Nicht zn verwundern, daß Oberanimergau mehr als überfüllt war
und selbst die bescheidenste» Ansprüche nicht mehr befriedigt werde»
konnte». Ma» sah die feinste» Damen, die in Equipagen an
gekommen waren, um ei» — Strohlager hansiren. Für Schlafplätze in
den Wagen wnrdeu 1 und 2 Mark verlangt und bezahlt. Ein wolken-
brucharliger Siegen, der nm 5 Uhr niederfiel, vermehrte die Unbehaglich-
keit nnd die allgemeine Verwirrung. In solcher Bedränguiß suchte» nun
viele Fremd- ihr Heil in den umliegenden Ortschaften, Manche, ohne es
zu finden; den» bereits Nachmittags waren Unterainmergan, Ettal, Oberan
u. s. w. dicht besetzt und inußten i» Stnbcn »nd Küchen nnd Schenncn
Lagerstätten improuisirt werde». Manche, die mit rastloser Eile gegen
gute Rathschläge tanb durch Mnrnan rannten, kamen Nachts wieder dort
an oder fuhren n«ch Partenkirchen zurück und fanden an beiden Orten be
quemes Nachtlager, «so viel Lohnkntscher sich in Mnrnan niedergelassen
habe» und aus der Umgegend kommen, so waren sie diesmal doch zn
wenig; so zum Beispiel war für den gestern NachmiltagS hier angckominc-
nen Herzog vo» Württemberg absolut kein selbst noch so einfaches Ge
fährt mehr aufzutreiben.
-- Professor Hellmesberger ju»., erinuntert durch den Erfolg,
welchen er mit seiner in Nonachers Operetten-Theater bisher an dreißig
Mal ausgeführten Operette „Kapitän Ahlström" errungen, hat eine neue
dreiaktige Operette „Der Graf von Gleichen", das Libretto von I. Inst,
Verfasser der im Theater an der Wien gegebenen „Landpomeranze",
vollendet und die Partitur der Direktion des Ronacher-Theatcrs übergebe».
Die erste Anfflihning findet definitiv am A. d. MtS. statt. Die neuen
Dekorationen werden im Atelier des Malers Herrn Gilbert Lchner
ausgeführt.
-» Unter Ismail Pascha bestand in Kairo bekanntlich ein glänzendes
Opernhaus, dessen Erhaltung enorme Geldopfer erforderte. Ismail Pascha
Hatte sich bekanntlich sogar den Lnrns erlaubt, Verdi's „Aida" zuerst an
diesem Theater anfzusühre». Nachdem das Kairenser Opernhaus einige
Zeit hindurch geschlossen war, erweckt der derzeitige Khedive es wieder zu
neuem Leben. Er hat Herr» Larose zum Direktor ernannt und ihm ein:
jährliche Subvention vou 300,000 Frs. zugesichert. Die Gagen werden
nun natürlich weit geringer sein, als zu Z iten des Verschwenders Ismail,
und oustatt kostspieliger Opern wie „Aida" wird man sich mit Operette,
Vaudeville, Schauspiel uud Ballet begnügen.
Berliner Tageblatt. Nr. ttkiS.
ergreifung durch den Administrator kein Inventarium aufgenommen
worden sei. Leschevin kann seine Handschrift nicht verleugnen und
der Präsident erläßt einen motivirten Befehl, das; mit der Siegelung
vorzngcben sei, mit der sofort begonnen wird. Ein gestern veröffent
lichtes Telegramm doknmentirt, daß auch die wiederholte Beschwerde
des päpstlichen Administrators zurückgewiesen und die Siegelung
vollzogen worden ist.
Deutschland»
Berlin, 20. Juli. Die von uns gestern gemeldete Eiiieunnug des
Geh. OberregieruugSrathS de la Eroix zum Wirklichen Geheim-
ralh ist, wie wir hören, dadurch veranlaßt, daß Geheimralh de la
Eroix seit der Theilung der Unterrichtsabtheilung in zwei, höheres
nnd Lolksschulwesen, thatsächlich als Abthciluugsdirektor — für
Volksfchulwesen — fnngirt. Derselbe kann indessen nicht zum Ab-
theilungsdireklor ernannt werden, weil ciatsmäßig das Knllusmini-
sterium nnr drei Direktoren haben soll. Herr v. Pnttkainer scheint
demnach die Absicht ansgegebcn zu haben, bei dem Landtag die Er-
richtnng einer dritten Dirck'torstelle zu beantragen nud so muß sich denn
Geheimrath de la Eroix mit dem Tilel des „Wirklichen Geheiinraths"
begnügen. — Das; Geheimralh Hübler zum ordentlichen Professor
in der juristischen Fakultät der hiesigen Universität eruamtt worden
ist, kann um so weniger überraschen, als Herr Dr, Hübler bis zn
seiner Berusnng in das Kultusministerium, welche bekanntlich Herrn
von Mühler zu verdanken ist, an der hiesigen Universität eine außer
ordentliche Professur bekleidete. Die Beförderung dcS Herrn
Hübler führt zu der Annahme, daß weitere Unterhandlungen mit
der Knrie in nächster Zeit nicht beabsichtigt sind oder, wenn solche
doch stattfinden sollten, durch eine den Auffassungen des Herrn
v. Pnttkainer noch näherstehenoe Persönlichkeit geführt werden sollen.
* Im weiteren Berfolg der Berichte der landwirthschaft-
lichen Central verbände wird seitens des landwirlhschaftlichen
Provinzialvereins für das Herzogthnm Arcnberg-Mcppe n nnd
die Grafschaften Bcniheim nnd Lingcn konstatirt, das; die Aussich
ten, welche nach den Nachtfrösten im Mai für den Landwirlh sehr
trübe waren, sich seitdem wesentlich gebessert haben uud daß die
fruchtbare Witterung im Juni eine Vegetation hervorgerufen hat,
welche zn den besten Hoffnungen berechtigt. Da wo die Felder vom
Frost verschont geblieben sind,' zeigen die Früchte stellcuweis eiueu
ganz vorzüglichen Stand und mich diejenigen Früchte, welche vom
Frost in geringerem Maße berührt sind, haben sich derart erholt,
baß in vielen Fällen die Ernte hinter einer DnrchschnittSernte kaum
zurückbleiben wird. In Betreff des Roggens heißt es: Der Stand
des Roggens ist in den vom Frost verschont gebliebenen
Theilen ein ganz vorzüglicher nnd andererseits haben sich anch
die geschädigten Felder bei der nachfolgenden fruchtbaren Witterung
in überrasch nder Weise derart erholt, daß der Ausfall dnrch Frost
schäden dnrch den Ertrag der frostfrcien Roggenschläge ausgeglichen
wird. Aus dem Landdrosteibezirk Anrieh wird berichtet, daß der
Roggen eine recht gute Ernte verspricht. Aus der Rheinprovinz
wird die Roggenernte theils als eine gute Durchschnitts-, theils als
eine Mittelernte angegeben.
* In bestimmte» Städten sind bekanntlich nach Einführung
der neuen Justiz-Organisation bei den Landgerichten be
sondere „Kammern für Handelssachen" errichtet worden. Es
wird nnn mehrfach Klage darüber geführt, daß iu der Adressiruug
und Postbestellnng der für diese Kammern bestimmten Sachen alle
Augenblicke Verwechselungen vorkommen und dieselben an die „Han
delskammern" (kansmäunische Korporationen) abgeliefert werden. In
Köln z. B. wird diese Verwechselung noch ganz besonders dadurch
begünstigt, daß in dem im Kölner Adreßbuch enthaltenen Nachweise
über die Justizbehörden, die jedenfalls auf amtlichen Angaben be
ruhende Bezeichnnng der beiden dort bestehenden Kammern für Han
delssachen als „erste Handelskammer" und „zweite Handelskammer"
sich findet.
* Wir haben bereits einmal an dieser Stelle der neuesten
Ze ugnißzwang-Assaire gedacht. Wie )etzt aus Glatz ge
schrieben wird, hat man den wegen Zeugniß Verweigerung in
Haft genommenen Schriftsetzer Dörn er, welcher in einem Preß-
prozeß gegen die „Frankenstein - Münst. Ztg." aussagen sollte, von
wclcker Hand die inkriminirten Artikel geschrieben seien, trotz der
Erklärung Dr. Helle'S, er habe denselben geschrieben, wieder ins
Gefängnis; abgeführt, uud noch ferner auf unbestimmte
Zeit in Haft behalte». Ein solches Verfahren dürfte bis jetzt in
Preußen noch nicht vorgekommen sein.
* Wie man nns mittheilt, haben sich bei dem Abgeordneten Dr.
Bamberger, der jetzt auf feiner Villa in Jnterlaten weilt, vor
seiner Abreise dorthin Syniptome eines ernsten Brustleidens gezeigt.
Herr Dr. Bamberger bedarf längere Zeit dringend der Ruhe, doch
geben sich seine Freunde der Hoffnung hin, daß er zum Winter ge
nesen nach Berlin wieder zurückkehren werde.
* S. M. Korvette „Nymphe", 9 Geschütze, Kommandant Korv.-
Kapt. Schröder, ist am 1«!. Juli c. in Kopenhagen eingetroffen,
* Marine, Nach Anfstellnng der Admiralität über die Bewe
gung der Schiffe in der 1. Hälfte des Juli wurde» die 5>ta»oncnboote
^ltis uiid Vinona am 1. Juli in WilhelmShavcu i» Dienst gcstelli;
Aiiadne befand sich auf der Reise nach Valparaiso; Bismarck ebendaselbst;
Kanoucub. Cyclop iu Shanghai, Freya auf dein Wege nach Hongkong;
Grille traf am l». Juli beim Geschwader wieder ein; Hansa in Valparaiso,
Hyäne in Tahiti; Loreley in Bnjnkdere, Luise auf der Heimreise; Medusa
in Halifax; Möve machte Probefahrte» von Kiel ans nnd znrnck; Brigg
Musquito liegt in Neufahrwasser, Nautilus auf der Reife nach Samoa,
Niobe bis zum 25. in Swinemünde; Nymphe in Kogeuhagcn; Rover bis
24. in Swinemünde, Prinz Adalbert auf der Heiinreife, Vineta am 7. d. M.
in Slokohama, Wolf in Ehefoo. — TaS Uebnngsgefchwader bleibt bis
20. Jnli in Ncnsahrwaffer, geht dann nach Kiel, woselbst es bis zum
Inli verbleibt u »d am 31. nach Wilhelnishavcn geht.
Werniijchte Nachrichten ans dem Reiche.
5* Leipzig. Die vielfachen Gasexplosionen in neuerer Zeit
haben einen hiesigen Mechaniker, Herrn Richard Weher, auf die Erfin
dung eines SicherhcilSapparatcS geführt, auf welchen feiner Zweck
mäßigkeit wege» hingewiesen ivcrdc» mag. Er besteht in einer nut po
rösem Deckel versehenen Eisenkapsel nnd i» einem koinninnicirendcn Oueck-
silbcrglasrohr, welches znr Hälfte innerhalb, zur Hälfte außerhalb der
Kapsel liegt. In Entfernung von I Millimeter über dem Qnecksilber-
nivcan außerhalb ist eine Plalindrahlfpitze, welche mit einer Balteric dnrch
Leitung zusammenhängt, während der andere Poldraht, nachdem er eine
irgendwo anzubringende Alarmglocke durchlaufen hat, mit den, Jnnenrolir
verbunden ist. Strömt Gas ans, so drückt es durch Eindringen i» die
poröse Platte aus die in der Kapsel befindliche Luft, diese drückt da»
Quecksilber dem Platin entgege», der Strom schließt sich und die Alarm
glocke funkliouirt. Der kleine ruude Apparat wird oben unter der Decke
des Zimmers oder ^abrikraunis angehängt.
Licguiy, 13. Juli. (Von der Nicderschlesifchen Gcwerbe-
nud Industrie-Ausstellung.) In Folge heftigen Gewitters schlug
bedauerlicher Weise ein Bbtz in de» hübschen Forstpavillo» u»d bra»nte der
selbe theilweise nieder. Nahezu sämnulich.'r Inhalt dieses Pavillons, die
kostbarsten Geweihe und alle anderen Gegenstände sind gerettet und ist der
entstandene Schaden ein unbedeutender. Innerhalb weniger Tage wird
der Forstpavillon wieder hergestellt sein nnd ist der Gesanimtverkehr der
Ausstellung dnrch nichts tangirt. Der Besuch ist ein täglich steigender.
** Jii^rliogk. (Ein Volksfest.) I» dem kleinen Flecken Zinna
bei Jüterbogk fand am Mittwoch und Donnerstag nach alter Sute ein
schönes Volksfest statt. Zinna wnrde bekanntlich von Friedrich d. Gr. er
baut, welcher dort, um die Webe-Industrie seines Landes zu heben, arme
sächsische Weber ansiedelte. Auch h.ule »och wird Zinna fast ausschließlich
von armen Weberfamilien bewohnt, welche mühsam ihr Brod verdienen.
Aber ihr Leben ist ein ruhiges, zufriedenes, und ihr Patron Friedrich d. Gr.,
der ihnen diese Heimath eröffnet hat, wird mit inniger Dankbarkeit von
Seite 3.
ihnen verehrt. Davon zeugt u. A, ein hübsches Standbild, das sie dem
großen König a»f ihren» Marktplatz errichtet habe». Alljährlich arrangirt
d e ganze Gemeinde ihren Kindern ein reizendes uud volksthümlichcS Fest.
Am Abend vor den eigentliche» Festspielc» der Kinder findet eine allge
meine Ijlnniination des Fleckens statt. Diese Illumination vildet für
den Fremden de» Hauptreiz des Festes. Ata» betritt die Hauptstraße des
Ortes durch eine große Pforte aus Eichenlaub, reich behängen mit Ballons
und Transparenten, deren Inschrift theils die Gäste begrüßt, theils in
uaioen Versen betont, daß den Kindern das schöne Fest geweiht ist. Fast
alle gegenüberliegenden Häuser sind durch Eichenlaubguirlandeu verbnnden.
nnd eine endlose Reihe vo» Ballons und Oelläinpchen erleuchtet die
Straßen. Zahlreiche Transpareute bezeugen anch den Patriotismus der
Bewohner. Wahrhaft rührend ist die sorgfältige Illumination der ein
zelnen Häuser. Da dürfte cS wohl schwer halten, auch nur ein Fenster zu
entdecken, welches nicht im Festglanz strahlte. Blninen und sonstiger
Zicrrath, von Lichtern hell bestrahlt, fchmücken jedes Fenster, denn heute
zu dem Familienfest der Gemeinde versänmt selbst der Aermste
nicht, sein Möglichstes zn thun. So sah man nicht ohne Rührung in
einem kleinen Fenster einen allen, vergilbten Silberkrauz über ärmlichen
Talgkerzen hängen mit der Inschrift: „Zur silbernen Hochzeit",
«o herrscht Freude in dcm ganzen Flecken, nnd»jubelnd, unter Führung
eines Musillorps, strömt die Menschettmeuge dnrch die Straßen. Hier und
da blinen bengalische Flammcn auf, selbst Nikeieu fehlten nicht. Und mit
berechtigtein Stolz blicken diese fröhlichen Leute auf das ihnen eigene, so
gemüthliche Fest hin. An dcm Denkmal Friedrichs des Großen schließ
aber auf einem Teansvarent ein schönes Gedicht mit den Worten:
„Ob Zinna sonst anch klein nud schwach,
Heut steht es keiner Weltstadt nach!"
Uud wahrlich, ciue so still-gemüthliche herzliche Feier ist ein beneideus-
werther Schmuck.
—« Gilben. Eiu seltenes Jagdglück besitzt der Herr Major von
Poseck a»S Berlin. Derselbe erlegte am 12. d. Mts. ans dcm Revier
Eossar bei Crossen zwei starke Hirsche, Zwölf- »nd Vicrzchncnder,
von denen der eine ein Gewicht von 310, der andere ein solches von 310
Psiiiid besaß, in Doublette. Die beide» prächtigen, noch »n Bast befind
liche» Geweihe sind Herrn Haiidschuhmachcrmeistcr A. Menzel Hierselbst
zum Priipariren übergeben worden, — Dieser Glücksschnß ist nicht der
einzige derartige des Herrn v. Poseck; derselbe hatte vielmehr vor einigen
Jahre» scho» einmal das Glück, ans demselben Jagdrevier, ebenfalls in
Dondlette, zwei starke Hirsche zn erlegen, ebenso ist vor zwei Jahren, eine
Seltenheit, ein sünflänfiger Rehbock, daselbst vou ihm erlegt worde».
Heidelberg. Es hat uicht viel gefehlt, daß der badifche Odenwald
anch feine Lonife Laleall bekam. W e es heißt, hatte die Schwester
eines Kaplans ans der Gegend vo» Walldüru es i» Vifioue», im Nicht-
bednrfen von Nahrung nnd im Hervorbringen der Sligmata an Händen
nnd Füßen scho» ziemlich weit gebracht, als die Behörde sich der Sache
annahm uud die Stigmatisirte ins hiesige akademische Krankenhaus schaffen
ließ, wo sehr bald die Natur zu ihrem Rechte kam »nd die Stigmata,
welchen bisher ein Nagel knnstgerccht z»n> Bluten verholfen hatte, wie
billig z» erwarte» gewesen war, rasch wieder heilten. — Am 17. feiert
das Korps Snevia sein 70j ährig es Stiftungsfest nnd wird ans
dieser Veranlassung am Sonntaac den 1s. das Schloß beleuchten lafsen.
(Schwäb. Merk.)
Letzte Nachrichten.
Oesterreich-Ungarn.
's. Wien, 20. Juli. (Privat-Telegrainm des Berliner Tagebl.)
Zu dem jüngst berichteten Grenzstreite zwischen russischen Kosaken uud
österreichischen Gendarmen wegen in Oesterreich festgehaltener russi
scher Flüchtlinge wird noch berichtet: Die in Podwoloezyska fest
gehaltenen Russen siud nicht gemeine Verbrecher, sondern Nihilisten,
welche auf dem Transport nach Sibirien enlsprnngen sein sollen.
Der russische Kosakenkapitän suchte sie erst dnrch Bestechung, dann
dnrch Gewalt zurückzubekommen. Beides blieb fruchtlos.
Frankreich.
Paris, 20. Jnli Abends. (Spezial - Telegramm des Berliner
Tageblatts.) Die Demissionen im Beznk der Proluraiur haben bis
henie die Ziffer 172 erreicht. Das Pariser Barrean schritt heute zur
Wahl eines Stabträgers für das nächste Gerichlsjabr. Die Kleri
kalen wollten den jungen Oscar Falateuf, bekannt als Anwalt der
Jesuiten, iu ihren gegen die Polizeibehörde angestrengten Prozessen zur
Batonuierwürde erhoben sehen. Derselbe erhielt indeß »nr 22
Stimmen, während der Republikaner Barbonx mit 209 Stimmen
gewählt wurde. Von vier anderen Mitbewerbern erhielten drei noch
eine größere Stimmenzahl als Falatens.
(5»gland.
London, 20. Jnli. (Wolffs Bür.) Oberhaus. In Beantwor
tung einer Anfrage erklärte der Staatssekretär des Auswärtigen,
Granville, das Gesnch nm Ueberlassnng deutscher Finauzbeamten
scheine vom Sultan vor etwa füuf Moualen an die deutsche
Regierung gerichtet worden zu sein. Gleichzeitig sei anch ein Ge
such wegen Ueberlassuug deutscher Offiziere an die deutsche
Regierung ergangen. Dem Gesuch sei willfahrt worden, weil schon seit
langer Zeit es Gebrauch der deutschen Regierung sei, Offiziere nach
Konstanlinopel zn senden, indem der dortige Dienst als eine gute
Ucbnng für dieselben angesehcn werde. Uebrigens gingen dieselben
nicht als dentsche Soldaten nach der Türkei, sondern legten ihr
Patent als dentsche Offiziere nieder, es werde ihnen dasselbe jedoch
hänfig bei ihrer Rückkehr in die Heimath zurückgesteltt. Bei einer
früheren Gelegenheit habe unter den deutschen Offizieren große
Bereitwilligkeit geherrscht, in türkische Dienste zn treten, gegen
wärtig scheinen dieselben aber allgemein nicht geneigt, nach Koustan-
tiuopel zu gehen. Lord Granville bemerkte »och, es sei ihm versichert
worden, daß der Berliner Vertrag uud die auf der Berliner Kon
ferenz getroffenen Arrangements die deutsche Regierung veranlaßt
hätten, die Offiziere nicht znr Uebernahme türkischer Dienste zu er-
mnthigen, auch habe die deutsche Regierung ihren Wnnsch versichert,
bezüglich der konzerlirten Aktion Europas nur iu Uebereinstimmung
mit deu anderen Mächten zn handeln. — Die irische nud die schot
tische Voilszähluugsbill wurden in zweiter Lesung angenommen.
Orient.
1'. Wien, 20. Jnli. lPrivaltelegr. des Berliner Tagebl.) Alle
Blätter erblicken in der Sendung der deutschen Beamten nach
Konslautiuopel die Vorbedeutung zn cin ui kräftigen Umschwünge in
der Orieutpolilik. Die „Presse" schließt: „Fürst Bismarck
setzt auch heute keinen „Füsilierknochen" für die Türkei
eiu; ist die Türkei rettbar, so werden seine Beamten ihr
Möglichstes thun. Ist die Türkei verloren, dann engagiric
er die deutsche Politik nirgends offiziell. Er ist aber in
beiden Fällen zur Stelle nud macht also Politik für „alle Fälle".
— Die „Wiener Allg. Ztg." meldet ans Bukarest, die Ermordung
der Frau Skobeleff sei aus politischen Gründen erfolgt, dieselbe habe
fiir eine bulgarische Union unter Leitung ihres Schwiegersohnes, des
Prinzen von Leuchtenberg, gearbeitet. — Nach dem „Neuen Wiener
Tagblatt" sollen die Verhandlungen über die Flottendemonstration
bild ein offizielles Uebereinkommen zum Resultat haben. Jede Macht
schicke zwei (zusammen also zwölf) Kriegsschiffe ab. Einladung fin
det nicht statt. Wer das Kommando erhält, ist noch nnbeslimmt.
(Vgl. Wien). — Täglich finden Kugelwechsel zwischen Monte
negrinern und Albanesen statt.
LZ Wlcu, 20. Juli. (Privat-Telegramm des Berl. Tageblatts.)
Die bisherigen Detailangaben über eine europäische Flotten»
Demonstration gegen die Türkei eilen den Thatsachen voraus, kom
petenten Orls wird blos zugegeben, daß nunmehr alle Aussicht auf
eine Verständigung vorhanden fei. Eine formelle Abmachung unter
den Mächten über die Demonstration erfolge aber kaum vor der
türkischen Antwort auf die Kolleklivnote.
Paris, 20. Juli, Abends. (Wolffs Bür.> Boulevard-Verkehr. Anleihe
von 1»72 120,40, Italiener 85,«S, Spanier ext^r. 19^, Oesterr. Voldrente
76^, Egypter 314.

Bronvermelding

Staatsbibliotheek Berlijn - Pruisisch Cultureel Erfgoed, Berliner Tageblatt (PPN berliner-tageblatt), woensdag 21 juli 1880, pagina 3




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