Hamvrrrgsstyer ^orrefponvenr Donnerstag, den I. Oktober 1908. Cürhifcb« HuaKcbtcn. Generaloberst Frhr. fc. b. Goltz, der langjährige Instrukteur der türkischen Armee, veröffentlicht in dem Organ der Deutsch-Asiatischen Gesellschaft, der Zeitschrift Asien, einen längeren Artikel über die Ursachen und Aussichten der Staats- Umwälzung in der Türkei. Er bezeichnet die StoatSumwälzung als dos Ergebnis deS allgemeinen Unwillens Wer die politische Schwäch« der Regierung nach außen, welche in den letzten fahren vornehnilich die unausgesetzte Einmischung der großen europäischen Mächte in der mazedonischen Frage zur Folge hatte. Die Erbitterung ffber diese und die der Türkei bereiteten Demütigungen hatte längst den Siedegrad erreicht. Lffe immer, brachte dann ein zufälliges Ereignis das Gefäß zum Ueberlaufen. Es war die Monarchenzusammenkunst in Reval, der im türkischen Orient eine weit über das richtige Maß hinausgchende Bedeutung beigemessen immer noch für diesen' m einer Stunde Lu, ftcs Interesse gezeigt egner ange-ieh-n, von durch in ziemlich regelmäßigen Perioden erfolgende Angriff« ausgehe. Nun schienen in Reval sich England und Rußland über das Schicksal der Türkei, also, deutlicher gesprochen, über deren Aufteilung, geeinigt zu haben. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Parole, zumal in den europäischen Provinzen, daß der letzte Augenblick zum Handeln gekommen wäre, wenn man das Reich überhaupt noch retten wolle. Andere Ursachen kamen, wie allaemein bekannt ist, hinzu, und es fand sich im kritischen Augenblick auch der Maun, von dem in allen ähnlichen Lagen der Anstoß ausgeht, nämlich ein Verwegener, der zuerst die Lunte ins Pulverfaß schleuderte. Bezüglich des GruudmotivS hat die türkische Revolution also einen sehr ähnlichen Charakter wie die japanische von 1868, und aller t nach wird auch das erste auffallende Ergebnis die arische Erstarkung des Reiches und die Emanzipation emder Bevormundung fern. Aber die ganze Bewegung ist zugleich von einer mächtigen sozialpolitischen Strömung durchzogen, die ich seit lange vorbereitet und von Jahr zu Jahr an Gewalt und Umfang zugenommen hat. Im Hinblick auf die fernere Entwicklung des osmanffchen Reichs und der orientalischen Welt überhaupt ist dieS sogar ihr wichtigster Bestandteil. Was die Vorgänge vom 24. Juli gebracht haben, war das Resultat einrr allgemeinen Erhebung der gebildeten Klaffen, kein Volksaufftar.d in dem uns be- kannten, geschichtlichen Sinn, wenn auch die besten Teile des ge- samten Volkes hineingezogen worden sind. Ter europäischen Presse war schon vor Jahrzehnten der Begriff einer jungtürkischen Partei geläufig. Eine so lebe hat es bis ans die letzte Zeit indessen gar nicht oder doch nur in beschränktem Maße gegeben. Selbst jetzt kann man noch nicht von einer Parteibildung nach innerpolltischem eur» äischem Muster sprechen. ES handelt sich gewissermaßen um eine par Parteibildung unter Ausschluß der Oeffeutlichkeit^. Nichtiger dürste mau von einer Verschwörung spreche, ab>w einer Berscht " guten Sinn, die nicht einmal antimonarchisch war. Dafür stellte sich aber schon seit langen Jahren bei der türkischen Jugend ein so weit verbreitete- Streben nach Besserung und Reinigung der bestehenden Zustände ein. daß man mit einem gewissen Recht behaupten kann, jeder junge Türke der neueren Zeit sei auch Jung- türke gewesen. Dies erklärt dis wunderbare Ucbereinstimmuyg, die sich ganz überraschend in dem ausgedehnten Reich am Tage der Ent- scheidung hervuSstellte und die vor allen Dingen die jüngere Schicht des Offizierkorps einheitlich verband. Europäische Bildung und, ich möchte sagen, europäische Ethik bezüglich des Staatslebcns hatte sich iu den letzten Jahrzehnten in der Türm aus erstaunliche Weise ver- breitet. 'Sie entspr.ng der Ausdehnung und Vervollkommnung des Schulwesens, um dos sich Sultan Abdul Hamid II. unleugbar große Verdienste erworben hat. Wurde dabei auch etwas viel aus die Erziehung von „Gesinnungstüchtigkeit", wie wir sie im ironischen Sinn nehmen, Wert gelegt, so wuchs doch zugleich das Bildungsniveau der Bevölkerung auf rein mechanischem Weg wie ein Strom an, der über di« Ufer tritt. In der breiten Flut gebildeter junger Leute, die sich über das Land verbreitete, mußte nach und nach schon durch den Ver- kehr mit den Lehrkörpern ein völlig verändertes modernes Bewußtsein von den Pflichten deS gebildeten Mannes gegenüber dem Staat de ra «wachsen, und cs ist nur natürlich, daß dieses sich zuerst gegen die Korruption, d. h. die Ausnutzung von Staatsstellungen zur per- r - JC - Bereicherung wendete. Die deutliche Empfindung von der rwerslichkeit der Ausnutzung einer amtlichen Stellung zum eigenen Vorteil und die strenge Scheidung von dienstlichen und persönlichen ■“ rc * c ‘ und sorgfältiger .. s erkennen läßt. Günstlingswirtschaft und die daran sich knüpfende Bereicherung auf Kosten des Landes ein so hohes Maß erreicht bat und zu einem gewaltigen AuSbruch führte, so ist dies zum Teil auch noch darin begründet, daß im Volk während der letzten Jahre die Not infolge von Mißernten und übermäßigen militärischen Anstrengungen ein besonders hohes Maß erreicht hotte. Er Hot daher in wenig Wochen eine ganze Reihe von hemmenden Schranken für die freie und ehrlich« Entwicklung niedergeworfen. Mer aus türkischem Boden vor der Umwälzung ein nuhbringem- deS. die Landeskultur, den Handel, den Ackerbau oder die Jndu trie förderndes Unternehmen beginnen wollte, sah sich in der Regel falb unberechtigten Forderungen von Beamten oder einflußreichen Personen gegenüber, die seine Tätigkeit im allgemeinen Interesse hätten fördern sollen. Um solche Widerstände zu besiegen war ein mächtiger Beschützer nötig, manchmal auch deren mehrere oder wechselnde, und das erforderte neue Opfer. Der Konkurrenzkampf zwischen diesen gefährlichen Gönnern hat aber gar manches nützliche Unternehmen überhaupt allmählich versanden lassen, weil der eine vernichtete, ivaS mit Hilfe des anderen eben anaevabn Ansicht Krywupt, Mi., UUX sm 11 UJ ferner Nation ein tritt und da. im JL/riKHi uciuiijv, n«r »vui allein, sondern auch für daS Ans.^.. w nach zu handeln j>at. Wir haben jedenfalls leinen Grund. mrS schäftswclt war jedenfalls die nt war. In der fremden Ge» maßgebend, daß nur äußerst kapitalkräftige Unternehmer oder Gesellschaften ans einen Erfolg rechnen dürsten. Eine Reihe einschränkender poli polizeilicher oder stcuer» Bestimmungen übte eine ähnliche Wirkung aus wie die btwendigkeit der Protektion. Die neue Aera hat daher bereits mit einer Reihe solcher Hindernisse aufgeräumt. Der Durchgangshandel ist erleichtert, die Zollplackereien sind herabgemindcrt worden, dem ganzen Verkehr ist mehr Freiheit gegeben. Das ist olles -etwas ichnell gegangen und wird sich vielleicht nicht überall praktisch so durchführen lassen, wie es gewünscht wird, aber eS war notwendig, um Vertrauen zum neuen Anstande zu erwecken, die Richtung der neuen Regierung zu kennzeichnen und Lust und Liebe zu Unternehmungen und zum Gewerbeffeiß wieder zu beleben. Das Bediirf- ich einer Reinigung der regt sich im Augenblick jedenfalls m einer nis nach einer Reinigung der ganzen Staatsverwaltungsatmosphäre ’ ensalls in einer fast ' " " s ' , Trennenden Art. Mit dem Verschwinden der Korruption wird aber leidenschaftlich zu die Bahn für eine ganz andere kulturelle und materielle Entwicklung frei. Zugleich scheint es, daß mjt einem zweiten, nicht minder gewaltigen Gegner ernsthaft aufgeräumt werden soll, nämlich mit der alles fesselnden Zentralisation. Auch wir klagen ia oft über dieses Uebel. Wie es sich aber im ottomanisch.-n Reich am Ende heraus- tzebildct hatte, davon macht sich im Abendland selbst der unzufriedene Staatsbürger keine richtige Vorstellung. Es hatte seine historische Begründung und tvar keineswegs lediglich Lust und Freude am Absolutismus in der Verwaltung. Es stammt ans der Zeit des allgemeinen Zusammenbruchs nach dem unglücklichen Krieg gegen Rußland in den Jahren 1877 und 1878. Damals war es eine politische Notwendigkeit, die Zügel straff zu ziehen und alle Gewalt bei einem Willen zu vereinigen, um erst einmal eine Uebersicht über die herein- gebrochene Verwirrung zu gewinnen und das Efaos ordnen zu können. Zurzeit witd dezentralisiert, weil fas Reckt der Entscheidung zweckmäßig aus die Ministerien und die anderen höchsten Verwaltungsbehörden verteilt wird und nicht inehr für jede irgend nennenswerte Angelegenheit wie ehedem die Meinung einer einzigen schwer zugänglichen Stelle eingeholt werden muß. Zahlreiche Kräfte werden dadurch frei und können sich betätigen. Hat dies in der Armee zuerst begonnen, so wird cs sich auch sehr bald im sozialen, kommerziellen und industriellen Leben des Volkes fühlbar machen. Die neue Aera ist noch sehr jung, und man darf nicht verkennen, daß ihr mancherlei Gefahren drohen, wie ein zu weit gehender Radikalismus, der zur Ueberschätzung der eigenen Kräfte, zur Zersplitterung und Verwirrung führen kann und der zugleich zum Widerstand reizt. Auch die augenblickliche Finanznvt, die Lage der untersten Volksschichten in der Hauptstadt, die Verfassung des Bauernstandes, ' " ' schiede, Begehrlichkeiten -erbeisühren. Bisher Wicklung doch in den Bahnen ruhiger Besonnenheit geblieben. Schrei- die nationalen Unterschiede, Begehrlichkeiten und R valitäicn Iverdcn starke Hemmungen herbeisühren. Bisher ober ist die ganze Ent- tet sie so fort, so ist nicht nur eine überraschende Erstarkung, sondern eine ebeniolche intellektuelle und materielle Entwicklung des Landes zu erhoffen, die den gegenseitigen Beziehungen mit den anderen Staaten und Völkern Europas fruchtbare Gebiete eröffnen wird Noch ist mancher Schatz , der im Boden der Türkei liegt, zu heben, manche Quelle für Wohlstand und Gedeihen zu öffnen. Leichter Verdienst wird bei neuen Unternehmungen freilich nicht, wie ehedem, zu finden sein', denn der Wettbewerb nicht nur mit anderen Nationen, sondern auch mit den sehr tüchtigen einheimischen Kräften wird ansehnliche Leistungen erfordern. Aber das kann uns nur recht sein. Solide deutsche Arbeit, die für das Land Gutes bringt und nicht lediglich aus schnellen Gewinn ausgeht, wird ohne Zweifel auch in Zukunft in der Türkei willkommen sein. Trotz aller absichtlich verbreiteten entgegn» gesetzten Mitteilungen in der ausländischen Presse wird die deutsche Arbeit im Orient aufrichtig geschätzt. Was Deutsche bisher dort ge- schaffen haben, hat Gott sei Tank trotz mannigfacher Anfechtung von Nebenbuhlern die Kritik immer noch siegreich bestanden. Das wird in türkischen Kreisen von odsektiven Benrteilern in der großen Mehrzahl anerkannt, und es wird hoffentlich auch in der Zukunft der Fall fein, selbstverständlich unter der Bedingung, faß jeder Deutsche, der Inland und Ausland. Dcutfchco Reich. Zu Ehren des Königs von Spanien fand gestern vormittag bei Landau in der Pfalz auf dem Paradefelde eine Parade statt, cm der das 5. Jeldartillerieregiment und das 18. Infanterieregiment teilnahmen und die von prächtigem Wetter begünstigt war. Nach der Parade begab sich der König nach dem Kasino des 5. Artillerieregiments zum Frübstück. Die Abreise noch München erfolgte um 11 Uhr 15 Min. Die Königin von Spanien fuhr vormittags im Automobil nach Tegernsee, begleitet von der Prinzessin Beatrice von Sachsen-Koburg und Gotha. Im Schloß Tegernsee wurde die Königin von der Herzogin-Witwe von Koburg, der Kronprinzessin von Rumänien mit ihren Kindern sowie dem Großfürsten und der Großfürstin Cyrill von Rußland empfangen. Um 12i4 Uhr fand Frühstückstafel statt. Nachmittags machte die Königin mit den anderen in Tegernsee weilenden Fürstlichkeiten einen Ausflug nach Bad Kreuth. Der Prinzregent hatte sich vor der Abfahrt der Königin von Spanien von dieser verabschiedet, da er sich nachmittags nach Berchtesgaden begab. (Tel.) Bernstein über die Budgctsrage. Der sozialdemokratische Wahl- Verein für Schönebcrg hielt am Dienstag eine Versammlung ab, um den Bericht vom Nürnberger Parteitage entgcgenzuneymcn. In der Tislusiion erklärte Eduard Bernstein u. a.: Es ist unbedingt notwendig, daß auf den Parteitagen Beschlüsse gefaßt wer- den, denen sich die Genossen auch fügen können. Verfehlt ist es, ihnen die Hände zu binden vdcr die Aktionsfreiheit zu rauben, wie cs mit den Süddeutschen geschehen ist. Eher sollte sich der Partei- vvrstand Mühe geben, die Süddeutschen vollständig zu sich herüberzuziehen. Ich halte die in Nürnberg angenommene Vorstands- resolutivn für verfehlt. Nehmer wir einmal an, es käme ein Bub» et mit direkten Steuern zustande, so könnten wir es nach jener Resolution auch nicht bewilligen. Wenn jede Budgetbewilligung als ein Vertrauensvotum für die Regierung aukgefaßt werden soll, so binden wir uns die Hände und verurteilen uns zu unfruchtbarer Negation. Diese Gesichtspunkte sind für die Süddeutschen maß- gebend gewesen. Wohin eine solche Taktik führen kann, lebrt uns Frankreich, wo es zu einer tiefen Spaltung gekommen ist. die eine radikale Entwicklung bcmmt. Für uns ist eine solche Wandlung nicht wünschenswert. Eine revolutionäre Politik vermag ich wohl zr. begreifen, billige sic aber nicht. Es ist heller Wahnsinn, eine Politik zu treiben, die direkt auf die Revolution hinausläuft. Es geht ein Zug der Unruhe durch die Arbeiterschaft, der sich nicht allein gegen die Regierung, sondern auch gegen die Arbeiterführer nid Parteiführer richtet. Seit einigen Jahren gefällt man ffrch in der Gegenüberstellung von Radikalen und Revisionisten. Was sind Revisionisten? Nun. ein Revisionist ist ein Genoffe, der den Redaktionen des Vorwärts und der Leipziger Vokkszeitun nicht gefällt. Sie sind schon unzählige Male mit Pauken uw Trompeten totgcschlagen, leben aber vergnügt weiter. Jetzt sollen n m alle Süddeutschen zu Revisionisten gestempelt werden, und der Ton, der gegen sie und andere Gleichgesinnte angeschlagen wird, kann die Gegensätze nur verschärfen. Postsendungen an Deutsche in Italien. Die italienische Regierung hat zur Beseitigung der Schwierigkeiten, die sich durch die Legitimationsprüfung bei Aushändigung von Postsendungen an nsui _ Deutsche in Italien herausgcstcllt haben, angeregt, den deutschen Konsuln in Italien anbeimzugcbcn, den Pässen, die ihnen zur Visierung vorgclegt werden, eine italienische Uebersetzung des Namens und der Personalbeschreibung des Paßinhabers beizufügen und diese Uebersetzung durch ihre Unterschrift und ihr Dienstsiegel zu be. g^aubig'-n. Oeftetreich - (Jti Bosnien und Herzegowina. Wie nach einer Meldung der Frankfurter Zeitung aus Budapest bestimmt verlautet, wird die Thronrede anläßlich der Eröffnung der Delegation wichtige Mitteilungen über die künftige staatsrechtliche Stellung Bosniens und der Herzegowina enthalten. JWolvcno. «Nachdruck verboten.» Vom Kaiser!. Rat Dr. Ntünbl (Wien). Hochtouristen, die di« Brenta durchstreift 'hatten, erzählten nach ihrer Rückkehr bisweilen von einem märchenhaft schönen See, den st« dort mitten in der Bergwilbnis ausgefunden hätten; einem großen, tiefblauen, kristallklaren und dabei wannen Alpeniseel Ader die Kunde von diesem wundervollen See klang ebenso fremd wie der Nenne Molveno, der ihm z-u eigen feit: sollte. Und bald ward beides vergessen. Als in diesem Jahre in dem dicht gedrängten Programm für die erste Studienreise des neuen österreichischen '.'IrbcitsininisterS durch Tirol mit einem Male auch der Naine Molveno erschien, erregte dies in km Kreisen, die sich für die Reise interessierten, manches Kopfschütteln. Eine lange Reihe von glänzenden Namen vornehmer, in der ganzen Welt bekannter Alpenorte wie Trafoi, Drendel, Campiglio, San Martina, Karersee. Cortina. Toblach und mitten darunter der so träumerisch-süß klingende und dabei fast unbekannte Name Molveno! Die Wahl war mit gutem Bedacht erfolgt. Nian wollte deni Arbeitsminister. in dessen Ressort auch die staatliche Förderung des Fremdenverkehrs fällt, nicht nur Orte zeigen, deren mächtige Entfaltung den besten Beweis für die hohe staatswirtsck-aftliche Bedeutung des Freindenverkehis zu liefern vermag, sondern auch solche, deren Entwicklung erst im Keinie liegt und der staatlichen Unterstützung dringend bcfars. Zu diesem Ziele aber konnte man kein geeigneteres Schulbeispiel wählen als gerade Molveno. Eine halbe Stunde südlich von Bozen auf der Fahrt über Trient nach Ala durch das sonnige, srncktfarc Etschland hält der Schnellzug in der kleinen Station San Michele, von wo ein« Flü- gelbahn nach Westen durch das roniantische Nvcetal in sechs Minuten nach dem Städtchen Mezolombqvdv führt. Bon diesem leitet eine in ziemlich steilen Serpentinen ansteigende, wenig gut Futztt'ege nach Fai. Bei Stadt und Palästen im Sonnenglanze funkelnd, umgürtet von hoch ragenden Bergen. Und mrch kurzem Verkaufe öffnet sich der Ausblick nach Norden in das berühmte Nonstal, das mit »einen hundert von zahlreichen alten Burgen geschmükten Ortschisten zu den größten mib wohlhabendsten Alpentälern zählt. Nach Westen hin aber fällt das «rifte bereits aus da» majestätische Ntassiv der Brenta, die mit ihren leuchtend roten, schroffen Wänden. mit ihren ausgedehnten Schneefeldern, mU ihren abenteuer- lichen Zinnen. Zinken und Türmen wohl zu den schönsten, inter- esiantesten und wildesten Dolomiten gehört. Die Straße, die von Fat an fa# tnmier durch dürftigen Hoch- wa'd leitet, führt nun an dem reizenden Dörfchen Andalo vorbei und dann sofort wieder in schattigen Wald, dessen reiche Bestände an mächtigen Blautanr.cn die frische Alpenluft mit würzigem Dufte erfüllen. Nun geht es noch einige Kilometer weiter fast eben in einer Höhe von etlva 1100 Meter durch den Hochwald bis plötzlich einer Lichtung tief unten ein kleines Dorsch “ ißen Sees ersdpeint. In diinkelstcr Bläue «rß fick-pe. Am rechten Ufer ragen die schroffen Felsivände der Brenta empor, am linken liebliches Waldgebirge von mittlerer Höhe, im Hintergründe gehüllt in durchsichtig-rosige Sonnenncbel die Berge des Gardasees. Bcrzücklcn Auges verweilt der Beschauer bei diesem hinreißend schönen Bilde, das die merkinürdig- sten landschaftlichen (fagensätze in bezaubernder Harmonie vereinigt: die weithin leuchtenden Dolomiten in erschreckender Mildheit, anmutiges Waldgelände mit tveit ailSgedehnten, iveichen Älpenniattcn, die Berge des Südens mit ihrem duftigen Rosen- kchleier und von all dem eingeschlossen ein großer Alpensee, dessen Farbe mit der des Meeres bei Ragusa und Neapel wetteifert. Die Straße, die sich nun zum Dörfchen Molveno herabsenkt, ist wieder schlecht geworden. Aber für ihre Beschaffenheit entschädigt reichlich das feßelude Bild, das nun vor den Auge» des Wanderers auSgebreitet bleibt, bis nach vierstündiger Wagenfahrt oder fünsstiindigem Fußmarsch von Mezolombardo aus — das Reiseziel erreicht ist. Molveno darf als Typus eines malerischen italienischen Dörfchens gelten. Und dock) besitzt es seine ganz besondere Eigenart. Die alten Häuser sind in ihrem unteren Teile massioe Steinbautcn, bei denen manch kunstvolles GesimS, manch ornamentaler Säulen- und Fensterlchninck auffällt, mit gewaltigen Torbogen, unter denen die engen Dorfstraß-n durchführen. Die oberen Stockwerke aber sind nannt »nd noch beute im Besitze der Grafen Saracini, denen auch der See gehört. Vermutlich waren die steinernen L)äuser der Nach- barschast ehedem für die Reisigen des streitbaren Grafe»geschlscht» bestimmt. Im Laufe der Jahrhunderte sind Bauernhäuser daraus geworden und auf dem Portal de» ehrwürdigen Palazzo selbst prangt heute die Ausschrift: ,.K. 9 . Post- und Telegraphenamt . Im Dorfe sind für die Ansprüche bescheidener Touristen zwei Einkehrwirtshäuser seit dielen Jahren vorhanden. Eine Viertel- stunde vom Dorfe entfernt, unmittelbar am See gelegen, mit dem Ausblick auf die mächtigen Häupter der Brenta, erhebt sich au» dem waldigen Hintergründe ein schmucker roter Steinbau, das neue „Hotel ivkvlvenv. Da» Hotel ist modern auögestatiet: vor dem Hause der obligate Tennisplatz, unweit davon eine kleine Liadean- stalt, vor der sich einige flinke Kielboote aus den blauen Fluten schaukeln. DaS ist nun freilich nicht» besonderes. Aber die Lage ist einzig schön, und der längere Aufenthalt bietet Vorzüge, die «n solcher Bereinigung anderwärts kaum ein zweites Mal in dem ganzen ungeheuren Awengebiete angetroffen tverden dürften. Ein warmer, dunkelblauer, kristallklarer Alpensce im Angesicht des wildesten ^Hochgebirges. Scheu fas ist einzig. Zudem liegt der See etwas unter 1000 Meter Mcereshöhe, also nicht weit von jener ominösen Grenze, die von vielen Personen bei Wahl des Aufenthalts aus hygienischen Rücksichten nicht überschritten werden darf. Die Grmst der klimatischen Verhältnisse Südtirols ist bekannt: Fast immer strahlend blauer Himmel, sodaß Regenwetter zu den größten Seltenheiten gehört. Der entscheidende Vorzug Moivenos aber besteht •farin, daß bei gutem Wetter regelmäßig am Spätvormittag die „Ora" einsetzt, jener unschätzbare Wind vom Gardasee her, der bis zum Spätnachmitlag wehst und in der ganzen Zwischenzeit die Luft mit prächtig erfrischender Kühlung erfüllt. Die Hitze, die in anderen Orlen des Südens den Wanderer zur Mittagszeit bis- weilen bis auf die Bergeöhöhen quälend verfolgt, ist in Molveno nirgends zu verspüren. An wollenlosen Julitagen zeigt das Ther- mometer zu Mittag 18 Grad R., an den wenigen trüben Tagen 16 Grad. Das ist der ganze Unterschied. Dazu die Morgen und Abende von köstlicher Mildheit! Man kann sich kein gesegneteres Klima denken. Den Hochtouristen bietet Molveno eines der wichtigsten Einfallstore zum Besuche der Brenta. Nach siinfstündigem Marsche vom Dorfe aus ist die Tosahütte an der Bocca di Brenta, nach sechsstündigem der Tuckett-Paß mit den beiden Sckiutzhäusern erreicht. Die Bocca di Brenta und der Tuckett-P«ß aber sind be. kannt'ich die beiden von Touristen zahlreich bejdjrittencn lieber- gänge nach Campiglio und dann weiter zu den piachtvollen Gebirgs- zügen der Ortler-, Adamellv- und Presanella-Gruppe. Von der äuS werden auch die mannigfachen hochinteressanten Kletterpartien in der Brenta unternommen: Auf den Crozzon, auf den Campanile, auf den Torre die Brenta und auf die schauerliche Guglia, die wi, ein gigantischer Raublierzahn fast lotrecht gen Himmel ragt. Auch der bescheidene Tourist kommt tu diesem Oiebiet reich, ltch auf seine Rechnung. Gegenüber der Brenta ei beben sich am Oslufer des Mvlvenosees die sanften Höhen des Monte Gasza und der Paganella. die von» See aus tu drei bis vier Stunden mühelos erreicht »»erden kvnnem und einen-herrlichen Rundblick gewähren. Ans diesen roeichen, weit ausgedehnten Alpenmatten ist di« Flora unbeschreiblich schön. In gesättigter Farbenpracht leuchtet txr breite Gürtel von üppigen Alpen- rvsenstränchern, und weiter böher ist die Wteft besäet mit de» lieben Sternen dev Alpenedekweiß. Aber man kommt eigendlich nur selten dazi«, sich auf den Höhen *» ergehen. Zu sehr fesselt die magisch, Auztehungokrast dev Sees. Wie ist er doch so unbeschreiblich schön! Dev Morgens, wenn der Tag errvacht und die Spitzen der Brenta tu» Strahlenkub der Sonne erglühen, da liegt der See glatt wie et« Spfagel. in dem sich faö Dörfchen, der Maid, die Wellen und
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Kunstmatige intelligentie
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