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HamVurgischer Korrespondent
1
Donnerstag, den 1. Oktober 1908.
VfofiotöStfi' 2. Beilage, Seite 2.
„Willkommen" um 8 Ubr von beit St.
refjoi
w , nili-LanbungSbrücken ab,
um zu-nüchst die interesfame Hafenrundschaft auzutrcten. Bei den
Elbbrücken wenbete bas Schiff unb bampfte stromabwärts bis nach
TeufelSbrückc, wo bei der Bro lerei Kehrt gemacht unb nach "
zuruckc
willkommen" neben ben
"gefahren würbe. Um 6 Ubr lag .
önig Wilhelm II.". Tie Besichtigung ber luxuriös auSgeftatteten
-nenräumc beS ieit bem vorigen Jahr in Betrieb befinblichenDovpel.
ubenbampferS nahm bas Interesse ber Gäste doll nnb ganz in
rsihaften,
._ . neS Mi*
gebotenen Imbisses “im” Sveisesaal zu vereinigen. Herr Direktor
Dr. Ecker begrüßte bie Gaste namens ber Hamburg-Amerika Linie
mit etwa folgenben Worten: „Ueber bem Eingang unseres Ber-
waliungsgebänbes stehen, waS viele ber hier vereinigten Herren wohl
gesehen haben, die Worte „Mein Jelb ist bie Welt". DieS ist ber
Wahlspruch ber Hamburg-Amerika Linie, ben wir mit einem ge-
wiisen Gefühl bes Stolzes aussprechen. Ihnen, ben Herren bet
Wissenschaft gegenüber, müssen wir zuaeben, bah wir hiermit wohl
schlecht bestehen können. Was vermag dos Wort ,,Welt", aus unfern
armseligen Planeten angewendet, besagen gegen die große Welt, mit
ber sich Ihre Wisienschast beschäftigt. So unbegrenzt wir uns aber
in unserer engen Grenze fühlen, so glauben wir hoch wesentlich bazu
beizutrvgen, ben Berkehr zu fördern unb den Austausch von Gütern
zu unterstützen. Ihre Ans
begrenzter, unb von ihrer
hoffen, daß manche heute
Sache Aufklärung finden möge zum Nutzen unb Segen ber Allgemeinheit."
Mit einem Hoch auf bie Meteorologie brachte der Redner
seine Ansprache zum Abichluß. Geheimer Ncoicrungsrat Professor
Dr. H e l l m a n n erwiderte: „Wenn wir in den letzten Tagen
mehrfach Gelegenheit gehabt haben, von Hamburg als der größten
Ausgangspforte bes deutschen Handels reden zu hören, so 'var das für
viele von uns, namentlich für die im Binnenlande Wohnenden, ein
wenn von Hamburg als von einem Handelsempo
n wird. Das verdanken wir der Hamburg-Amerika
uns ferner noch gezeigt hat, wie man heute Me
r Weise befördert und
und Ideen bekannt gemacht hat, ist biefm Begriff für uns in die
Wirklichkeit umgesetzt worden und wir wissen jetzt besser, was es
orimn ge-
Linie, di«
enschcn nach fernen
Ländern in bequemer Werse befördert und ferner wie man die
Wissenschaft fördern kann. Erft heute morgen haben wir vernommen,
daß die Hamburg-Amerika Linie als erste deutsche Rhedcrei die Hand
dazu geboten hat, die drahtlose Telegraphie der Meteorologie dienstbar
zu machen, indem bi« Linie bem Kollegen Dr. Polis bie Möglich-
feit gab, zum ersten Male Versuche in drahtloser fiebermiitlung von
Wetternachrichten och dem Ozean zu machen. Wir sind dafür der
Hamburg-Amerika Linie zu Dank verpflichtet, den wir dadurch zum
Ausdruck bringen können, daß wir eufftimmen in den Rch: die
Hamburg-Amerika Linie, die Förderin der Wissenschaft, sie wachse,
blühe und gedeihe. Um 6 Uhr verließen die Herrschchten das gastliche
Schiff und fuhren mit dem „Willkommen" nach der Abfahrt-
stelle zurück.
Hamburger Orts Paket PostgeseNschaft m. b. H. Ein neues
Unternehmen tritt am 1. Oktober in Tätigkeit. Es macht sich
hie prompte und billige Beförderung von Geschäftspaketen an
die Käufer zur Aufgabe. Die »0?? (Abkürzung der Firma)
will mit erstklassigem Fahrmaterial, höflicher, gut uniformierter
Begleitsmannschaft schnellste Beförderung garantieren. Sie
ist keine Konkurrenz der bestehenden Paketwagen, sondern will
hauptsächlich die Zustellung der verschiedenen Waren sofort nach
dem Einkauf übernehmen. Das Hauptkontor befindet sich iuc
Levantehaus, wo die Parterreräume dem neuen Zwecke entsprechend
verändert wurden. So ist zur schnellen Abfertigung
im Seitenflügel in der Straße Hinter der Lembtentwiete eine
besondere Einfahrt gebaut worden: es können daher die Wagen
direkt in die Sortierräume einfahren.
In den Rnhestanb treten am 1. Oktober die Rektoren B.
P. Möller von der Schule Steinhauerdaurm und I. H. Cordts,
Seilerstraße. Elfterer ist 36 Jahre im hamburgischen Schuldienst
tätig gewesen und als Verfasser der in den hiesigen
Volksschulen benutzten Ucbungsbücher zur deutschen Grammatik
weit über den Kreis seiner Schulgemeinde hinaus bekannt.
Herr Cordts, der ftüher an der Seminar-Mädchenschule
««gestellt war. ist bereits seit dem Frühjahr vom Unterricht
dikoenHert. Aus dem Volksfchuldienft sind außerdem die
Lehrer Ser»», HasnS, Frl. Ahlert und Frl. Jbweg auSge-
fchtcden.
Staatliches Technikum Hamburg. Die Abschlußprüfung in
der Höheren Schule für Elektrotechnik hat am 29. Septemt er cr.
unter dem Vorsitz des Herrn Direktor Prof. Dr. Voller statt*
gefunden. Bestanden haben: Carl l« Bell aus Hamburg, Fritz
Klost aus Aldenburg, Georg Markschesfel aus Hamburg, Ehrenreich
Röder aus Hanvburg, Carl Schippmann aus Hamburg.
Bon diesen haben Fritz Klost und Carl 'Schtppmann das Prä-
dikat „gut" erhalten.
DaS Beamten Casino zu Hamburg von 1872 hielt am Sonn-.
abend unter dem Vorsitz des Herrn W. Elansi in seinem neuen
VcretnSlokal, Dammtor-Pavtuon, eine zahlreich besuchte Haupt-
versannnlung ab. Zum Vorsitzenden wurde einstimmig durch
Akklamation der bisherige Präses Herr W. Claus;, zum Schrift-
slthrer Herr Plett, zum Kassierer Herr Riecke und zu Bei.
sitzern die Herren Gülzow und Hntzfcldt miede rgc wühlt. Nachdem
auch die Wahl der Rechnungsprüfer vollzogen mar, teilte
der Vorsitzende mit, .'»aß das 36. StiftnugSfest am 17. Oktober
in den ncndckoricrten Räumen des Washington-Hotel gefeiert
werden soll. Nach Schluß der Versammlung blieben die Teilnehmer
noch zu einem Plauberstündrtien beisammen. Die
freundschaftlichen Zusammenkünfte finden vom 3. Oktober ab
an jedem Sonnabend im VcretnSlokal statt.
y. Die radikalen Frauenvereine hielten am DienStag
abends 8 Uhr in der Paulstraße eine Versammlung ab, die
stark besucht war. Der erste Punkt der Tagesordnung betraf
die BundeStagung in Breslau, zu der Frau Radel ald Dele-
gtcrtc entsendet wird. Von ihr wurde hierauf über de» Internationalen
Frauenstirumrechts-Kongreß in Amsterdam berichtet
und zum Schluß verbreitete sich Fräulein L. G. Heymann über
ihre Erlebnisse beim Londoner FraucnsttmmrechtS-Meeting.
Sie schilderte den Charakter und Umfang jener Kundgebung,
die von der Begeisterung opferfreudiger Frauen ans den ersten
Londoner Kreisen getragen war und auch die Presse umgestimmt
hat. Allmählich stiegen die Kämpferinnen auch in der Achtung
des Unterhauses, wo 271 für und 92 Stimmen gegen das
Frauenstimmrecht abgegeben wurden, während das Verhältnis
früher ein umgekehrtes mar. An die heldenhafte Entsagung
der ersten Christinnen in den römischen Katakomben erinnerten
diejenigen englischen Damen, die von der unbedingten Notwendigkeit
eines Frauenstimmrechts überzeugt, in den Dienst
dieser Beivegung ihr ganzes großes Vermögen gestellt haben.
So gibt z. 5). eine Dame 40 000 A jährlich dafür her, und dem
gewohnten Komfort entsagend, begnügt sic sich selbst mit einem
Zimmer. Wer in der Frauenbewegung stehe, sagte die Rcd-
ncvin, müsse immer mehr zu der Erkenntnis kommen, daß alle
Einzclbestrebungcn nur geringe Erfolge zn zeitigen vermögen,
solange die Frauen keinen Einfluß auf die Ausgestaltung der
Gesetze gewinnen.
Das LLjährigc Bestehen seiner knnstphotographischen Werkstatt
feiert am Donnerstag Herr Rudolf Dührkovp. Aus diesem
Anlaß ist im Verlag von O. v. Holten in Berlin eine Festschrift
erschienen, die aus der Feder K. W. Wolf-Czcpeks intor*
essanre Mitteilungen über die Entwicklung Dtthrkoops. seine
öffentliche und literarische Wirksamkeit, seinen bahnbrechenden
Einfluß auf die Ausgestaltung des Bildnisses und seine künf-
tigen Ziele bringt. In der Einleitung zu dem mit vorzüglichen
Proben Dührkovpscher Bildniskmist ausgcstatteten Buch wird
Professor Emmerich, der Direktor der Münchener Lehr- und
Versucksanstalt für Photographie, Chemigraphie, Lichtdruck und
Gravüre, der Bedeutung Dührkoops mit dem Hinweis '
darauf gerecht, daß „Deutschland zur Zeit keine Per-
sönlichkert besitzt, die in der Photographie gleich vorbildlich
wirkt wie Meister Dührkovp". Richard Dehmel gibt dem prächtigen
Band folgende Verse mit auf den Weg:
Menschenwesen, Weltgcschtck,
Flüchtig fchwankt's in Licht und Schatten,
Sieh', da bannt's auf feste Platten
Euer kunstbedachter Blick.
Aus Anlaß des Jubiläums findet abends ein Festessen im
.Hamburger Hof in intimem Künstlerkreise statt.
Im Johannisvcrein zu Harvestehude hielr am DienStag
Abend Herr Bildhauer CornilS einen Vortrag über das Seelische
in der Grabmalskunst, im Altertum und jetzt. Die ur-
ültesten Denkmäler seien Grabmäler. Heute erregen sie noch
Staunen und Bewunderung. Aber das Geheimnis der ägyptischen
und griechischen Denkmalskunst zu enthüllen, sei den
Künstlern des 19. Jahrhunderts nichü' gelungen. Erst dem
20. Jahrhundert lüfte sich dieses Geheimnis: Nachbildung der
Natur, und zwar der lebenden Natur. An der Hand von
Lichtbildern führte der Vortragende den Beweis dafür. Dann
verglich er mit der heidnischen die christliche Grabmalskunst,
der es in fast zwei Jahrtausenden nicht gelungen sei, die Auferstehung
und das Gericht — bei den Aegyptern ist beides auf
den Grabmäler« zn finden — und die Versöhnung der einzelnen
Seele mit Gott, von der die alten Acgypter noch nichts
wußten, zur Darstellung zu bringen. Was bisher darin geleistet,
sei materialistischer, monistischer Natur. Wie freilich
die christlichen Ideen auf den Grabmülern zur Darstellung zu
bringen seien, das vermögen Worte nicht zu sagen, das ver-
mag nur ein Künstler zu empfinden und dann darzustellen.
Herr Pastor Cordes dankte dem Vortragenden für seine anschaulichen
Darlegungen und sprach die Hoffnung aus, daß
die Grabmalskunst den Uebergang von der Oberflächlichkeit
des täglichen Lebens zu den tiefen, inhaltsreichen Ideen des
Christentums bald finden möge.
, Die ölewcrbcbank, c. G. m. b. H. die ihr Haus in der
Großen Bäckerstraße 22/24 verlauft hat, hat das Grundstück
Mönkcdamm dir. 13 erworben und dort ein in sehr gediegener
und solider Stein- und Eisenkonstruktton auSgcführtcs Ge-
bäude in Barockstil errichten lassen. Die schöne, abwcchselungS.
reiche Fassade gereicht der Straße zur Zierde. Die Bank wird
die Parterre- und Kcllerräume für ihren Betrieb benutzen;
die übrigen Stockwerke sind zum großen Teil zu Bureau-
zwecken vermietet.
Sein LüjährigeS Dienstjubilättm feiert am 1. Oktober der
Telegraphen-Jngcnteur der Hamburger Feleerwehr Herr C. D.
Hastedt.
GcschäftS»Jvbilänm. Am 1. Oktober feiert der im Zentrum
der Stadt wohlbekannte Friseur und Lottertekollekkeur Herr
Max Freundlich sein 2bjährigcs Geschäfts-Jubikäum.
u. Die Feuerwehr wurde heute abend zwischen 7 und 9 Uhr
nach dem Hanse Großmannstraße Nr. 45 gerufen. Zug 6 hatte
dort mit 2 Rohren einen Dackstuhlhrand zu löschen. Außerdem
wurde nach der Ecke der Langcnreihe und Kirchenallee, wo Pflasterarbeiten
vorgenommen werden, die Hilfe der Feuerioehr verlangt.
Dort ftxtr ein Dköbcllvagen festgefahren. Den Mannschaften des
Zuges 1 gelang es, ihn wieder flottzumachen.
*. LlhissSunfall. Unterhalb Geesthacht ist ein mit 4500 Zentner
Steinlohlcn beladener Kahn durch einen Zusammenstoß mit einem
anderen Fahrzeug zum Sinken gebracht worden. Mit der Hebung
des Fahrzeuges hat man >en Taucher Mint beauftragt.
s. A ufgclauscncr Dampfer. Der in der Mittwochnacht vor der
Oste sitzengcblicbenc Dampfer ist bet deutsche Dampfer „J-riS",
der fick auf «der Reise von Boneß befand. Er ist flottgeworden und
cm Mittwoch nachmittag an die Stadt gekmmnen.
Durch die Schutzvorrichtung gerettet. Kurz hinter der Halte-
stelle Hcllkamp lief ein kleines Kind blindlings gegen den
Vorderperron des Mvtvrioagens 1180. Es umrdc umgestoßen,
von der Schutzvorrichtuüg aber aufgefangen und ist anscheinend
ohne Verletzungen davongelomuien.
8 Einbruch. Von der Wasscrseite gelangten Einbrecher in
ein Geschäft an den Vvrsetzcn Nr. 3 und erbeuteten außer
mehreren Gnimnischläuchen für 450 JL Kleidungsstücke.
§ Selbstmorde. In der Amsinkstraße erschoß sich ein Kaufmann
wegen Geschäftsverlustes und am Kreuzweg griff ein
Kauftnannslehrling aus unbekannten Gründen zum Revolver
Beide Leichen wurden ins St. Georger Krankenhaus über-
geführi.
8 Selbstmordversuch. In einem Hotel in der Nähe des
HauptbahnhvfeS wurde heute morgen ein Ungar, der sich hier
vergeblich um eine Stellung als Kommis bemüht hatte, betäubt
in feinem Zimm-dr vorgcsunden. Die Gashähne seines
LogiS waren geöffnet. Auf einer RäöerHahre wurde der Manu
ins Krankenhaus befördert.
Altona, den 30. September.
Eine gemeinschaftliche öffentliche Sitzung der städtischen Kölle-
aieu zu Altona fand am Mittwoch abend 7 Uhr im Rathause unter
dem Präsidium des Oberbürgermeisters Dr. Tettenborn statt.
Aus der Tagesordnung stand Bewilligung einer einmaligen
Zuwendung an die im Dienst der Stadt Altona stehenden
Beamten, deren pensionsfähiges Einkommen 5000 A nicht über-
steigt. Die Beamten werden eine einmalige Remuneration in
Höhe von 80 bis 150 A erhalten, wofür eine Gesamtsumme von
81(00 A zur Verfügung steht. Der Antrag hat, wie erinnerlich,
in den letzten beiden Sitzungen der städtischen Kollegien zurückgestellt
werden müssen. Vor Eintritt in die Tagesordnung teilte
der Vorsitzende mit, daß das Kuratorium der Reallebranstalt beschlossen
habe den Lehrer Pfeiffer zum 1. April nächsten Jahres
anzustellen. Dieser bittet, daß ihm bei seiner Anstellung ein Dienst-
jah:: angerechnet werden möge. Die städtischen Kollegien stimmen
dem ohne Debatte, zu. Sodann verlas Oberbürgermeister Dr.
Tettenborn einen Antrag des Stadtn. Aren? dahingehend, die städtischen
Kollegien wollen beschließen, daß den D i ä t a r e n, die verheiratet
und mindestens fünf Jahre im städtischen Dienst sind, ein«
einmalige Zuwendung in Höhe von 40 A gewährt werde. Die heutige
Beratung über die einmalige Zuwendung an die städtischen Beamten
fand befremdlicherweise hinter verschlossenen Türen statt. ES
wurde ebenfalls geheim verhandelt über einen Antrag des Kuratoriums
der Reallehranstalten betr. Regelung des DienstalterS
zwecks Berechnung des Dienstcinkommens eines anzustellenden
Oberlehrers sowie über einen Antrag der Baukommission betreffend
Vortreffliche Cakes-Mischung för Reise u.Hatis:
Vierlfinder Poltet
in T ET-Packung 40 Pf.
Ich nickte. Vielleicht hatte Marcia Lawrenc« um Curtiß'
willen den verzweifelten Schritt unternommen. Das sah
einem Weibe ähnlich.
„Sie können recht haben," sagte ich. „Ich würde nie an
eine solche Lösung gedacht haben; aber die letzten Worte von
Frau Lawrence schienen diesen Weg anzudeuten."
„Ich verlange nicht die Geschichte zu Hörer!" rief Curtiß.
„Guter Gott! Was kümmere ich mich um Vergangenes. Ich
habe ein für alle Mul meine Wahl getroffen. Ich will sic
haben I Natürlich lief sie fort, um mich zu schonen! Nie wird
sie an sich selbst gebucht haben!"
Mir schien, das war eine fragwürdige Art der Schonung.
Sie hätte ihm kaum eine größere Pein verursachen können, als
die, die er erlitt. Ich fästvieg, nahm aber dafür die Depesche
wieder und studierte sie.
„Wenn Sie sie wirklich zu finden wünschen, kann dies
Blatt hier uns vielleicht einen Anhalt geben," sagte ich.
„Ich wünsche, sie zu finden."
„Dief
iefeS Formular wird uns sagen, von welcher Station
die Depesche abgesandt wurde. Warten Sie einen Augenblick!"
Ich ging durch den Korridor nach der im gleichen Stockwerk
befindlichen Maklerfirma und bat deren Ches, mit bereu
Telegraphisten sprechen zu dürfen.
„Können Sie mir sagen, was diese Zeichen hier bedeuten
— 61. 0 W DD BA-8.P D."
.Die einundsechzig bedeutet, daß es die einundseckizigste
Depesche war, die heute morgen in Elizabeth ausgenommen
wurde. O W" bedeutet, bah die Depesche auf dem Christopher
Street Amt — Ecke Christopher« und Weststraße — abge*
sandt wurde; „D 1 >" und „H A“ sind die Anfangsbuchstaben
der Beamten, die die Depesche absandten und aufnahmen;
„8. P D" sagt, daß acht Worte in der Depesckx: waren und sie
vorausbe-ahlt wurde.
„Ich danke Ihnen," sagte ich und eilte stolz zurück, denn
ich tiatte mehr erfahren, als ich hoffte.
„Nun?" fragte Curtiß, mich besorgt andlickelw.
„Die Depesck>e wurde auf dem Amte Christopherstreet —
Ecke der Christopher« und Weststraße — ausgegeben." erklärte
ch ihm. g
„Weststraße?" wiederholte Herr Rotzce. „Was zum
liuckuck mag sie dort gewollt haben?"
„Dort kann jttt nur ein» gewollt haben." bemerkte ich
frohlockend. „Wenn eine Frau nach den Docks hinunter geht,
so muß es sein, um . .
'Nach einem Damp'er zu gehen."
. Richtig! Und wenn, sie nach diesem Teile dar Docks geht,
muß sie nach einem der transatlantischen Dampfer wollen."
Curttß starrte mich einen Augenblick an, als ob er nicht
verstände, dann sprang er plötzlich auf.
„Nun, ich kann ihr auch da folgen," rief er, und wollte zur
Tür hinaus. Aber Herr Royce faßte ihn schnell beim Arm.
„Halt Curttß! Ueberlege doch, was das für eine Jagd
ins Blaue hinein wäre!"
„Immer besser, als hier müßig sitzen," brummte Curtiß,
und ich mußte ih»n darin recht geben.
„Vielleicht können wir die Suche in der Nähe erledigen,
wenn wir einnial nacki dem Telogcaphenamt in der Weststraße
fahren!" schlug ich vor.
„Das wollte ich eben tull," sagte Curtiß, und ging voran
nach dem Aufzug.
Während der Fahrt durch die Stadt sprachen wir wenig.
Curtiß war ganz in Gedanken versunken, und an Herrn
Royces Gesicht konnte ich sehen, wie besorgt dieser um ihn war.
Endlich kamen wir am Ziele an.
Ich eilte nach deuc Schalter und fragte den Beamtsn:
«Köluteil Sie mir vielleicht Aufschluß über die Person gebem
die diese Depesche absandte?" und legte das Telegramm vor
ihn hin. „Vielleicht können Sie uns das Original sehen
lassen."
Er sämutc die Depesckie an utcü dann unS.
„Hoffentlich kein Irrtum dorgekvmmenl" sagte er. „Die
Depasck^ sck-eint yanz verständlich."
„Nein," erivlderte ich, „es handelt sich vielniehr daruin.
einen Jrrtttm zu verhindern. Ich hoffe. Sie werden unS
diese Gefälligkeit nicht abschlagenl"
Er dlickbe unS nochmal» an und schien zu verstehen.
„Es ist nicht ganz vorschriftsmäßig, aber ich glaube, e»
läßt sich machen."
Er öffnete ein Schlibfach und fah einen Haufen Blätter
durch.
„Hier ist das Original," sagte er und breitete ein Blatt
vor uns au». „Sie sehen, die Depesche wurde richtig Uber«
niittelt."
.Ja." gab ul) zu; aber ich sah nicht nach ben Worftu,
sondern der»» Blatt, woraus sie geschrieben waren. E» lvar ein
Briefbogen mit dem Vordruck „S. S. Umbria."
„Wer brachte das Telegramm?" fragte ich.
„Ein Bote vom Pier der Cunard-T«mpfer."
„Wann ist die „Umbria" abgefahren?"
„Sie sollte uni zwölf Uhr segeln, aber sie wurde durch
etwas aufgehalten. Vielleicht liegt der Dampfer noch am
Pier."
Ich freute mich, daß ich den Kuftcher hatte warten lassen;
ich glaube, daß Curtiß durch einen Aufenthalt ganz toll ge«
worden wäre. So eilten wir in den Wagen.
„Nach dem Cunard-Pierl" rief Herr Royce, „und
Galopp!" Tadei zeigte er ihm ein Dollarstück.
Erst unterivegs fing Curttß wieder zu sprechen an.
„Sahen Sie, ob die Depesche — in Marcias Handschrift
war?" stammelte er, krampfhaft zuckend.
»Ja," erwiderte ich. „Ich erkannte sie wieder."
„Wir müssen den Dampfer erreichen. Weshalb treibt der
Kerl das Pferd nicht an?"
„Er fährt so schnell er kann," sagte Royce. „Sitze still,
Curtiß!" Dabei schlang er seinen Arm um ihn.
Was dos für eine Hetzjagd über das schlechte Pflaster
war! Ich dachte ein halb Dutzend mal. wir würden unver«
mdMid) irgendwo anrennen, aber unser Rosselenker bewies
seine Geschicklichkeit; er quetschte sich überall durch, auch da.
wo ucan hätte glauben können, es würde kaum ein Schubkarren
durchkomuien.
„Da waren wir!" rief er schließlich, und wir stürzten
heraus. Sein Triilkgeld hatte der Manu redlich verdient und
erhielt es auch.
Die Landungsdrücke war dicht voll Menschen, aber wie
erzwangen uns unseren Weg hindurch, ohne auf ander« Rücksicht
zu lletilnen. War das Schiff schon fort oder noch Zeit?
.Sehl dorl-
hinl'
.Abgefahren." rief Royce als erster uns zu.
Dort fuhr der Danipfer nnt zunehinender Schnelle den
Fluß hinab. Auf Deck flatterten eine Menge Taschentücher;
wir sahen, wie die Leute sich an die Reeling drängten, um
noch ein letzte» AbfchiedSzeichen zu geben.
Curtiß. der dumpf nach dem Schiffe gestarrt hatte, rief
plötzlich: „Dort steht siel — Allein — bei dem vorderen
Boot."
Ich blickte aufinerksam hin. Es stand lvohl jemand dort,
eine Frau in dunkler Kleidung — aber da» Gesicht konnte man
nicht erkennen.
tSorftetzung folgt.)

Bronvermelding

Staats- en Universiteitsbibliotheek Carl von Ossietzky, Hamburg, Börsen-Halle (PPN borsen-halle), donderdag 1 oktober 1908, pagina 10




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