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Gebruik tekstcoördinaten Transcriptie flriff her regulären KontonArwee auf Schöna- Hai die Olrofimncfite wieber zusginmenschwoißen tiMixbe. ?lugefichts bicier Canc zaubert England, es mackit wenigstens auf de» Außenstehenden den Eindruck. als ob man in London noch nicht wisse, welchen sTiirB man steuern solle. Aus her einen Seite entsendet man rund 20000 Mann (bret Brigaden, davon eine indische) nach China, verstärkt die britische ftsottemnnrfbt in den chinesischen Gewässern »nb erweckt so den Eindruck einer kriegerischen Aktion, aus der anderen Seite werden die Derbandlungen sowohl mit der Kantonregierung als auch mit Peking durch die englischen Diplomaten weitergeführt und diese Verbandlungen deuten nicht daraus bin. daß man in London beabsichtige, e» im fernen Osten znm Kampf kommen zu lassen. Vielfach bat man in Deutschland anS dein zwiespältigen englischen Vorgeben auf da? Vorhandensein von zwei verschiedenen Strömungen innerhalb der englischen Nepierung geschlossen: einer Frieden?- Partei unter Cbamberlain und einer Kriegs- Partei unter dem Kolonialminister Amery, der neben dem Kriegsminister auch der erste Seelorb angehörte. Das Märchen von einer ..Kriegspartei" wird bekanntlich immer im geeigneten Augenblick erfunden. Es kann doch keinem Zweifel unterliegen, daß die von England entsandten Truppen viel zu schwach für irgendwelche großangelegten Kämpfe im Fernen Osten sind. Man kann daber auch kaum annehmen, daß sie bei ihrer geringe» Zahl provozierend auf die „kochende chinesische Volksfeele" wirken sollten, wie die Phrasen deinokratischer Spießbürger lauten, die vor sedem bewaffneten Mann ein Angstgefühl nicht loSwerden können. England kann sich jetzt nur noch auf Verbandeln beschränken, nachdem nicht nur alle Großmächte. sondern auch die englischen Dominions England im Stich gelassen haben. Man kann den englischen Versicherungen, die Truppen Ivären nur zum Schutz von Leben und Eigentum britischer Untertanen nach Ebina beordert, rubig Glauben schenken. Allerdings gäbe es einen Fall, wo militarische Hilfe nötig wäre. Es ist nach allem, waS man über die Stimmung in China hört, die sich fast ausschließlich gegen die Engländer richtet, nicht ausgeschlossen, daß mit oder ohne sanfte Nachhilfe von Herrn Tschen der Großstadtmob von Ich'nghai Aufstände und Unruhen beginneu könnte, die sehr leicht unter diesem völlig entwurzelten Proletariat sowjetähnliche Formen annehmen könnten. Auf längere Zeit und außerhalb der großen Städte ist der BolschewismuS in China undenkbar, aber vielleicht hofft Herr Tschen, den Teufel Albion mit dem bolschewistischen Beelzebub austreiben zu können. Er dürste sich allerdings täuschen: denn eine solche Wendung im ganzen Charakter der.Bewegung würden voraussichtlich die Vereinigten Staaten und ivobl auch Japan nicht ruhig mitansehen. Mit dieser Entwicklung muß man in der Millionenstadt Schanghai rechnen und Schanghai darf England nicht verloren geben, selbst ivenn eS auf alles andere verzichten müßte. Man hat Schanghai da? Hamburg Chinas genannt. Wie Hamburg das wirtschaftliche Einfallsjor nach Europa, ist- so Schanghai daS EinfallStor nach China.' Hier ist der Mittelpunkt des Handels für Europäer wie für Chinesen. Was England noch in China für sich erwartet, ist die wirtschaftliche Vormachtstellung, deren erster Stützpunkt Schanghai ist. Die Männer in Downing-Street wissen wohl besser als andere, daß die Beherrschung Chinas durch Europa und Amerika in der bisherigen Form nicht mehr aufrechtzuerhalten ist. China will und muß seine Zollhoheit und seine Gebiets- Hoheit zurückverlangen, die Exterritorialitätsrechte fremder Privatpersonen müssen aushören. Aber man weiß auch bei den Führern der Kantonleute, daß man den Boaen nicht überspannen darf, daß diese uralten fremden Rechte nicht von beute aus morgen abgeschafft werden können. Es ist nicht anzunehmen, daß es in Ebina noch zu schweren .Kämpfen zwischen Weiß und Gelb kommen wird, hvenn nicht von irgendeiner Seite eine große Dummheit begangen wird. .Herr Borodin. der Sowjetbeaiistragte in Ebina. bat ja eine fieberhafte Tätigkeit entwickelt und der Einfluß der Sowjetregierung ist bei den Kantonleuten unverkennbar. Aber hier im fernsten Asien zeigt sich wieder mit voller Deutlichkeit, daß die Lehre Moskau? nach Osten bin eine andere Wirkung und ein andere? Geficht bvt. Man kann vielleicht sagen: nach Osten gilt im Bolschewismus der Primat der Außenpolitik nach Weiten, nach Europa zu. siebt im Mittelpunkt der bolschewistischen Lebre der .Kommunismus, um die Weltrevolution herbeizuführen. Vielleicht, daß die halbasiatische Form des Bolschewismus, wenn sie erst durch die alten asiatischen Kulturvölker gegangen ist. in veredelter Form zu ihrem Ausgangspunkt zurückkehrt. Nach China wird Indien an die Reibe kominen, so denkt man in Westeuropa. Diese Gefahr kann eintreten und England täte gut. in Indien beizeiten mit diesen Dingen zu rechnen, von denen man sich in Ebina bat überraschen lassen. ES gibt Deutsche, die beute schon die Meerherrschast Englands als aus dem Absterbeetat stebend betrachten, in Zukunft soll nicht mehr der Seeweg gelten, sondern der Landweg vom Atlantischen zum Stillen Ozean über Sibirien. Ob diese einstweilen noch etwa« phantastisch anmutende Entwicklung für Deutsch- Innb so bcssriifzonswcrs wäre, Muß doch fioglich erscheinen. In dem grostcn eurasischen »lautnc sind wir ein Nichts, in Europa allein könnten wir uns wieder eine achtkxire Stellung erringen. Tie Times beklagen sich, das; die deutsche Presse daS englische Znriiikwciclren in Cliina mit Jubel begrüße. Die Times vergessen dabei, das;, abaeseben von einigen Phantasten, die Deutschland lieber beute als morgen als ein Appendix des grasten asiatischen Völkcrblocks sehen mächten, die meisten Deutschen bei der Betrachtung der Dinge in China ihren Glauben an Gerechtigkcit wieder erstehen fühlen, wenn sie auch auf der anderen Seite nicht bcrkennen, dast die Nie« derlage, die der Weiste beute in Astasien erleidet. Deutschland im Grunde genau so trifft, wie England oder Amerika. Asien ist auf dem Vormarsch, Europa in die Abwehr gedrängt. M) Miißliii gtlltll dit tWlislljt Grpcliition? INS. Peking, den 1. Februar. (IS lae n t r ot»etV t r t <b t.l Tie rfiincsisdif Telegraphenagentur Hoven (?) meldet, das» Marschall ?sch a n gts o I t n der eng. lisch,» Regierung mitteilte, daft er im stalle rinrr englischen Intervention Massnahmen zur Per»eidignng Yftjna? treffen werde. wtb. London, de» 1. Februar. (Drahtmeld un g.) Dir Note der chinesischrn Rordregirrung, welche gegen die Entsendung der britischen Krirgvschisse und Truppen nach Eltina Protest erbeb», ist bei der dritischrn Regierung ringrgangrn. Mar erwartet erneu baldigen Zusammen» st of? zwischen der Nord- und der Südarme.'. Wie verlautet, ha! sich Marschall Wupeifu erboten, nrit Tschongtsolin zusammen zu wirken, sie beabsichtigten ihre Truppen z» vereinigen, um gemein>am Ha nfait anzugreifen. gehandelt hätte. Das Marincdcpartement gibt strkannt. dast weitere 1200 amerikanische Mannesoldatcn in St. Diego den Befehl erhalten haben, sich nach China einzuschiffen. London weiß angeblich von nichts. (Drahlmeldung unsere? ständigen Mitarbeiter?.) ck. London, den 1. Februar. Da? Auß« namt erklärte zwar, daß eS noch kein- Bestätigung der Nachricht erHalden habe, daß die Bcrtand.'ungen mit Tschen in Hankau abgebrachen seien. Aber die Meldung kommt von R ent e r au? Neuho.ik und sag*, daß Tschen erklärt habe, solange die britischen Truppen nicht zurückgezogen würden, k'tin« er keine Abmachungen »nterschve'b >». Man erfährt nicht? über den Gang der Verhan>!ungn und tut, als wenn man noch hoffnungsvoll wäre. Die Nachricht ans Peking, daß die chinesische Regierung den Generalinspektor der Seezölle, Sir Francis Aglen, entlassen hat. macht hier natürlich einen sehr unangenehmen Eindruck, gerade in dem gegenwärtigen Augenblick. Aber eS wird davor gewarnt, die Bedeutung der Angelegenheit zu unterschätzen. Der General- Inspektor ist ein Angestellter der chinesischen Regiening, die also das Recht hat, ihn zu entlassen. DaS Abkommen mit Ebina bestimmt nur, daß, solange ser britische Handel in Ehina vorherrschend ist, der Generalinspektor ein Engländer sein soll. Die chinesische Regierung gibt al? Grund für die Enilassung an. daß Sir Aglen sich geweigert habe, de neuen Zölle einzuziehen. E? wird weiter behaupte! daß Ttchangtsolin ein Gegner de? abg«- lebten Inspektor? sei und daß ihm außerdem der Besuch übel genommen worden 'ei, den er kürzlich dem Außenminister Tschen abstattete, um mit diesem zn verhandeln. Niederwebeluna e'ner Kompagnie Muldeuttuvven. tD ra b t vre l d u n g.) wtb. Port?, den 1. Februar. Noch einer Meldung an? Peking soll da? von Bauern der Provinz Hon a n gegen jede militärische Intervention gebildete Freikorps „Rote Lanzen" entc Kompagnie von Mukdentruppen massakriert haben. Nur drei Mann konnten sich retten. Washington zur Lage der Amerikaner in China. ((5 : ö e n e r Kab , l b e r i ch t.Z INS. Washtupton, den 1. Februar. TaS Kabinett beschäftigte sich in einer längercn Sitzung mit der Lage in China, die ÄS ernst angesehen wird. Besonders wurde die Frage der völligen Räumung der chinesischen Städte durch die dort lebenden Amerikaner erörtert. Durch die Räumung wurde ungefähr die Hälfte der ganzen amerikanischen PrivatvcrmögcnSwerte in China ausgegeben, was einen ungeheuren finanz eilen Verlust darstellt. Der Pessimismus in bezug auf die Ent» Wicklung der Dinge in China ist ständig im Wach« f e 11. Über die vermißten Amerikaner und Engländer ist keine weitere Nachricht eingegangen. Man nimmt allgemein an. daß die Vermißten unter der großen Zahl von Flüchtlingen sind, die das Land verlassen oder verlassen wollen. Das Staatsdepartement gibt bekannt, daß der amerikaniche Konsul, al? er In Gemeinschaft mit dem anderen Konsul in Schangha- gegen die Eingnar« ticrnng britischer Truppen im internationalen Gcbiet protestierte, ohne Instruktion aus Washington D'e Sudetendeutschen gegen den tschechischen Zmperiaiismus. (D r a h t m e l d u n g.) TU. Berlin, den 1. Februar. In den letzten Tagen fand in Berlin ein» Beratung führender Männer der Sudetendeutlchen Auslandsbeweaung statt, die zur qegenwärtiqen Lage in der Tschechoslowakei u. a. fest« stellten: „Durch den Zwang der Friedensverträge von St. Germain wurden dreiein bald Millionen Deutsche des geschlossenen deutschen Volksgebietes im mittleren Europa abgetrennt und in den neuen tschechoslowakischen Staat eingclchlolien. Nie und nirgends babcn sich diele Millionen Deutschen für die Tschechoslowakei erklärt, die von den lieben Millionen Tschechen dm'ch Unterstützung Frankreichs selbständig ins Leben gerufen wurde. Ohne Rücksicht auf die ander« Hälfte der Staatsbevölkerung. die aus Deutschen. Slotrafen, Madjaren, Ukrainern und Polen besteht, versuchte bisher der tschechische Zentralismus von Prag den Völkerstaat mit allen staatlichen Maßnahmen. Ausnahmegesetzen und willkürlicher Bevorzugung der eigenen Interessen in einen rein tschechischen Nationalstaat zu verwandeln. Gegen ihre politische, nationale und kulturelle Uli» terdrückung haben sich gleich den anderen eingeschlossenen Völkerteilen die Sudetendeutschen in der Tschechoslowakei entschieden zur Wehr gesetzt und führen den harten Kampf um die Selbstbehauvtung gegen den feindlichen Staat. Daran wird auch die Tatfache nichts ändern, dast von einem Teile der deutschen Parteien des Prager Parlaments zwei deutsche Minister in die tschechische Regierung entsendet wurden, wo sie die Wahrnehmung der deutschen Volksinteressen zu vertreten hätten. Wir Sudelen deutschen stellen aus diesem Anlaß fest, daß sich das herrschende tschechische Volk m seiner deutschfeindlichen imperi all stischenEinst e l l u n g nicht geändert bat, auf seinen Vorrechten im Staate besteht und bisher nur den zwei Millionen stammverwandten Slowaken ein« Art Selbstverwaltung eingeräumt hat, die es den dreieinhalb Millionen Deutschen bis nun verweigert. Die Sudetendentschen führen deshalb den geschichtlichen Kampf um da? Selbstbestimmungsrecht, den Schutz ihrer Kultur und Wirtschast und die wirkliche Sicherung ihrer Zukunft. Wir bleiben trotz willkürlich gezogener Staatsgrenzen ewig ein untrennbarer Teil des großen deutscher Volkes." . «» • ■» --- tön weiter sal! flolüin? fj W 9 9W -> (Drahtmeldung.) 1 TU. Innsbruck, den 1. Februar. In N e u m a r k in Tüdtirol wurde gestern ohne Angabe von Gründen der Lehrer Rudolf Riedl, ein alter Mann, verhaftet und nach Tricnt weggeführt, Man befürchtet, dast ihm das gleiche Schicksal wie dem Rechtsanwalt Or. Noldin beschieden fein wird, da er seinerzeit deutschen Privatunterricht erteilt bat. In der letzten Zeit war Riedl bei der Raiffeisenfasie angestellt. Demonilralion vor dem italienischen Konsulat in Zrnsbrult. SD r a b t m e l d u n g.) rvtb. Innsbruck, den 1. Februar. Im Anschluß an eine für heute abend von der völkischen Arbeitsgemeinschaft einberufene Protestversa in in In iig de» Sarlurner Nr. Reld n fand vor dem italienischen Korvu'loi eine Demonstration einiger hundert Leute statt, die Pfuiruf« auf Mussolini ausstießen und wehrere völkische Lieder absangen. Die Polizei, die die Menge z» zerstreuen versuchte, konnte erst nach Verstärkungen die Demonstranten auseinandertreiben. Es wurden mehrere Verhaftungen vorgenommen. Ter italienisch? Justizmintfter Balte «ine lautrere Unterredung mit Brianv. der auch der in Paris anwesend« französisch« Barschaft er in Nom. Aene Be?n a r d, beiwohnte. Dieser Unterredung tit arötzte Bedeutung beizumessen. Ter Insttzminister scheint in besonderem Auftrage Mussolinis nach Paris gekomm«« zu sein. Jas Ntilh und die LinnidatiansnelGdinten. Bon einem Lignidationsgesckiädigtcn wird uns zu den Ausführungen des ReickiSfinanz- Ministeriums geschrieben: Der Vertreter der deutschen Regierung. Professor Kauffmann, bat vor dem Langer Schicdsgeeicht erklärt, dast die LiquibationSgeschävigten t'om Deutschen Reich vis zum t. Juli IltöS 8,4 s Prozent ihrer Schäden oder 818,2 Millionen Mark erhalten hail,cn. So las man e» vor Tische. Jetzt gebt eine Notiz deF Reichssinänzminisveriums durch die Presse, in der das Urteil des Haager Schiedsgerichts besprochen vüöd. In dieser Mittellung ist nun plötzlich nicht mehr pon 318 Millionen die Rede, sondern von mebr al» einer Milliarde. Es soll also anscheinend allen ZeilnngSlcsern in ganz Deutschland suggeriert werden, dast die LiquiPationSgeschädigtvn bisher schon über «ine Milliarde erb alten basten. In Wirklichkeit starben die Liquidation»- geschädigten biü zum heutigen Tage unter Ginrechnuiig aller W>cderaufst audarlcsten mir ungefähr «in Drittel dieser Summ« bekommen. Wem sind also die übrige» zwei Drittel der bcwustten Milliarde zugeflossen? Wenn man »aber stinsiestt, löst sich da? Rätsel: In der Milliarde sind gewisse soziale Lasten mitinbcgrisfen, nämlich Zahlungen für Gewaltgcschädigic und Fluchtlinge, also für Gruppen, die mit dem Haager Schied», gericht und den LiquidationSschöden nicht das mindeste zu tun stallen! Warum wirft man die vielen Milliarden, die für andere Fürsorgemastnahmcn aller Art ausgegeben wurden, nicht auch noch in den Topf der Liquidationsgeschädigten hinein? Wir Liquidationsgeschädigten haben gerade genug Provokationen erlebt und können daher ein solches Zahlen spiel einer amtlichen Stelle nur höchst befremdlich finden, da dadurch in der Ofsentlichtkeit falsche Vorstellungen erweckt werden müssen. In einer anderen Anschrift ans Geschädigten- Kreisen beistt es mit Bezug ans die .Haltung de-. Reichsfinanzministeriums: Nach der Konstruktion des Verfailler Vertrages bedeuten die Liquidationen des deutschen Eigentums nichts anderes als die erste Rate der beutscheu Reparationszahlungen. Die Deutscheu, deren Eigentum draußen weggenommen wurde, höben damit dem Reiche diese erste RcparationSrate aus ihrem Vermögen vorgeschossen und sind so zu unfreiwilligen Gläubigern dcS Reiches geworden. Diese Vorschüsse zu ersetzen, ist nach dem Verfailler Vertrag Pflicht des De»fseben Reiches. Auf diese Weise sollen die Konfiskationen deutschen Vermögens völkerrechtlich gerechtfertigt werden. Auf Grund dieses Verfahrens sind die LiquidationSopfcr stärker belastet worden als alle anderen privaten ReparationSliefcranten und die deutschen Steuerzahler im allgemeinen, denn sie haben ihr Hab und Gut als erste Sachlieserung und als erste Reparationslast zur Verfügung stellen müssen. Aber wir wollen uns unter Deutschen nicht auf den Verfailler Vertrag berufen, der bei uns nicht immer als Rechtsquelle beliebt ist. Deshalb beziehen wir uns auf unsere innerdeutsche Verfassung, unsere innerdeutschen Bestimmungen. Diese sehen in Übereinstimmung mit den Grundsätzen aller Rechtsstaaten vor, dast eine Enteignung und um eine solch« handelt es sich bei den von ihnen geleisteten Vorschußzahlungen nurgcgen angemessene Entschädigung zu erfolgen bat, sowie dast alle Deutschen vor dem Gesetz gleich behandelt werden. Tie 'bisherige auf dem Reichs- vom Juni 1023 aufgestaut« Entschädigungs-gesetzgebung stellt einen schweren Bruch dieser VersassurigSbcstimmungen dar. der äußerlich nur zu heilen wäre, wenn eine verfassungändernde Mehrheit bei der Verabschiedung dcS ReichsentlastuiigSgefctzeS festgestellt worden wäre, was nicht der Fall war. Jeder recht und billig Denkend« kann folgende Vergleiche anstellen: Aus Gtund der WaffenstillstandSibet ingungen mustte Vieb, EiscnbahnMaterial usw. abgeliefert werden. Di« Ablieserer wurden voll entschädigt. Auf Grund dcS Verfailler Vertrages mußten andererseits bestimmte Wertpapiere an das Deutsche Reich abgeliefert werden. Die Entschädigung betrug zwei pro Mille. Im Jahre 1023 gerieten beim Rubre inbrnch erhebliche Kohlenvorräte und Fndustriecrzengnissc aller Art in die Gewalt der Franzosen. Sie nahmen sie weg. größtenteils ohne sie auf ReparaüonSkonto gutzuschreiben. Die betroffenen Kreise erhielten volle Entschädigung. Während der NachkriegSjahr« wurden andere Gold» nvrte. die sich ebenfalls in 'dein Machtbcreich der Alliierten befänden, nämlich »ach dein 10. Januar 1020 fällig gewordene Dividenden aus Wertpapieren, die den Alliierten in die Hände gefallen waren, weggenommen und ans Reparationskonto gutgeschrieben. Eine Entschädigung hierfür wurde durch Gesetz ausgeschlossen. Die Sachlicfernngcn auf Grundlage de? DcrweS-Plancs werden mit 100 Prozent bezahlt, die Liquidationsgeschädigten haben nach den eigenen Ausstellungen der Reichsregierung bisber durchschnittlich 3,4 Prozent erhalten. Weitere SljnllrfK ©enctiiWvfrfteDintßfn könnten in groster Zahl gemacht werben. ES ist also «in nfllcfxtr Boden, auf den sich da» Re ichSfinan>zininisterium begibt, wenn e» die Rechtsansprüche der Liquidationsgeschüdigten zu schmälern versucht. Wir raten ihm, von diesen Dingen lieber nicht z» sprechen, sondern sich trotz de» Verlustes van Gefühl für Recht und Billigkeit bei einigen Geheimräten da» äusserst Mögliche zu tun, um da» begangoirc Unr«cht, da» in der Weltgeschichte nicht seinesgleichen hat, wieder gut *ll machen. Kabinett und Meslunaen. VVWVItIK«« MMV V|f II« (T r a h t m e l d u n g.) , wtb. Berlin, den 1. Februar. Der Berliner Lokalanzeigcr behauptet in seiner heutigen Abendausgabe, dast bei dem Crlast. der nach Pari» in der Frage der Ostfestungcn zu richtenden Instruktionen van dem Gedanken ausgegangen sei. „die KabinettSmitglieder, var allein auch der Rechten, in der Äuhenpolitik vor vollendete Tatsachen zu stellen", und bezweifelt bei dieser Gelegenheit die Loyalität de» Austen» m i n i st c r S. Wie demgegenüber offiziell festgestellt wird, hat das Kabinett einmütig beschlossen, die Vcrant» Wartung für diese Instruktionen zu übernehmen, da einmal die Verhandlungen schon seit Wochen ge» führt wurden und kurz vor dem Abschlust standen und weiter, weil die Sachlage eine Verzögerung nickt gestattete. Tie Beschlüsse de» Kabinetts seien nach üöereinstimmenden Vorschlägen des Reichswehrministcr? und de» Ministers de» Auswärtigen nach Anhörung des Chefs der Heeresleitung gefastt. Irgend» welche Angriffe gegen den Austcnminister seien daher völlig unberechtigt. Rädel über das neue Relchslabinell. (D r a Ts t m c I b u n g.) wtb. Moskau, den 1. Februar. Radck beschäftigt sich in einem Artikel der Iswestija mit dem neuen NeichSkabinett. Er schreibt: Ter Regierungswechsel in Deutschland wird voraussichtlich keine Änderung in der deutschen auswärtigen Politik zur Folge haben. Eine deutsche Realpolitik ist gezwungen, sowohl den Markt Sowjctrußlands als die Tee- und Finanzmacht Englands zu berücksichtigen. Die deutsche Regierung wird mit Beteiligung der Deutscknationalcn um die Wiederberstellung der außenpolitischen Bedeutung Deutschlands nach allen Richtungen kämpfen und eine feste Bindung nach einer Seite zu vermeiden suchen, um freie Hand in ihren Entschlüssen zu bchalten. Tie deutsche Realpolitik stellt ein snstcmatischcs Vorrücken nach dem Westen und L'sten dar und verfolgt den einzigen Zweck, allmählich durch Sammlung der Kräfte und Ausnutzung jeglicher Widersprüche Schritt für Schritt den Versailler Friedensvertrag zu zerstören. Die Beteiligung der Teutschnationalen an der Regierung wird die Selbständigkeit der deutschen Politik stärken und fördern. Das kommen und Gehen in den Reichsminitterien. Ter Wechsel im Neichsministerium für Ernährung und Landwirtschast. (D r a h t in e l d u n g.) wtb. Berlin, den 1. Februar. Im Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft verabschiedete sich heute Reichsminister Dr. Haslinde von seinen Beamten m t > aar inen Worten des Dankes für ihre treue »"d vertrauensvolle Mitarbeit. Gleichzeitig trat der neue Minister Schiele sein Amt an und führte sich ein mit einer kurzen Ansprache. >n der er auf die Bedeutung der Landwirtschaft für unsere Volkswirtschaft und Voltsernäbrung und die daraus resultierende Stellung des Ministeriums im Rahmen der Reichsregierung hinwies. Staatssekretär Dr. Hoffinann hob die Ver- Lenste Dr. HaSl'ndes hervor und sprach ihm im Namen der Beamtenschaft seinen Dank und seine besten Wünsche für die Zukunft aus. Den neuen Minister begrüßte er aIS einen Mann, in dessen .Hand die deutsche Landwirtschaft mit Zuversicht ihre Interessen gelegt sähe. RrichSfinanzminister Dr. Köhler übernimmt sein Amt. Der neuernannte Reichsminister der Finanzen Dr. Köhler hat die Leitung des ReichSfinanzministerium« übernommen. In seiner Begrüßungsrede betonte er, er wolle kein Einzelprogramm aufstellen. An Stelle der vielen Reden müsse die Tat treten. Die Ver e i n fach'a n g der Verwaltung in Reich, Ländern und Gemeinden müsse alsbald durch, geführt werden, wenn möglich, ohne da? Stadnim dickleibiger Denkschriften. Hierauf dankte der Staatssekretär im Reichssinanzministerium. Prof. Dr. Popitz, für die Be« grüßung und übermittelte dem neuen Minister die Wünsche der Angehörigen de« ReichSfinanzininistei riumS für die Führung seines Amtes. Hexenkessel. 57 Roman von HuOolpfl Straß 17. Im Handelskontor der Rowo-Rossija am Königsplatz saß unbewegt der Lette Uhkoncek, schweigsam, flachsbärtig, flachsmähnig vor der Seitentür auf einem Stuhl und bewachte wie ein mürrischer Schloßhund das Privatbureau seines Herrn. Durch das Klappern der Schreibmaschine, das Rasseln der altmodischen, östlichen Rechenbretter im Vorräum klang da drinnen das Knarren zweier Stiefel rastlos über den Teppich seit einer Stunde auf und nieder auf und nieder. Schmelkc Machalles, der junge Galizier, schlurfte geschäftig an Jakob Uhkeneck vorbei. Seine Rechte schwang ein paar vielgewanderte und vielgeprüfte Wechsel des Ostens, an deren Streifen noch angeklebte Papiersahnen flatterten, um die Unterschriften aller möglichen Menschen zwischen Danzig und Rarwa zu fassen. Er steckte den kränklichgelben, verschmitzten Kopf durch den Türspalt und riß ihn. die Schultern bis zu den Ohren hochzichend. erschrocken zu dein Letten zurück. ~Eu weh! Seh der ehm on!" verkündete er wispernd. „Der Herr is meschügge geworden? Gibt der Warmwasserlcilung e,T"ß' tritt nach dein andern! Mitten in de Röhren!" .Was willst du. du Hund?" grollte es heißer von innen. „Renne Sie mich nicks c Hund?" .Bleib draußen? Schick nur Uhkencek!" Der Vertraute trat düster und wortlos ein und schloß die Tür hinter sich. Drinnen lief Serge Ssilin langbeinig und schnell wie ein Mcnagerictier hinter Gittern, im Zimmer hgn und her. Dessen Boden war mit Zigarettenstummeln besät. Die Tür des Geldschranks stand offen. Papiere überschütteten in unordentlichen Haufen Tische und Stühle. Der Inhaber der „Rowo-Rossija" fingerte sie ungeduldig durcheinander. „Nicht einmal verbrennen kann man lästige Briefe!" sagte er heftig. „In diesen Westlichen Wohnungen! Rur Warmwasser! Keine Kachelöfen wie bei uns?" „Warum wollen Sie verbrennen?" frug der Lette eintönig. „Weil ich Berlin verlassen will? Ich sagte es dir schon vor ein paar Stunden?" „Es eilt nicht so. Herr?" „Doch! Es duldet keinen Ausschub?" Serge Ssilin zuckte zusammen. Er machte ganz plötzlich mitten im Zimmer halt und schielte lauernd über die Schulter, als könnte jemand da hinter ihm stehen. „Sic sehen Gespenster!" sagte langsam die tiefe Stimme des anderen. „Ja. In mir ist auf einmal eine Unruhe .. Du hattest vorhin recht: Es kommt durch den Wald?.. Roch sieht man nichts.. noch hört man kaum etwas.. Aber es kommt.. Es ist Zeit.." Der Mann aus dem Osten atmete entschlossen auf. „Ich reise heute Rächt noch. Uhkcneek?" „Und wohin wird Gott Sie führen?" „hier?" Serge Ssilin warf ein dickes, mit Bindfaden zusammengeschnürtes Banknotenbündcl aus dem Safe auf den Tisch, „hier hast du ein paar Lot deutsche Kreditbillette! Geh und hole mir eine Schlafwagennummer nach Warschau! Ich kann immer noch in Poznan den Zug wechseln nach Süden fahren in die Donauländer.. Oder, halt: Nimm lieber eine Karte nach Riga! Ich werde in Kaumas aussteigen —in d ''ug nach Wilna. „Warum wollen Sie Haken schlagen wie ein gehetzter Hase..?" „.. öder nein.. So bleibe doch stehen, wenn man dich ruft!.. besorge alte diese Karten zusammen.. Ich werde dann heute abend eine davon wählen.." „Ich höre.." „Oder auch keine davon.." Serge Ssilin warf sich keuchend auf einen Stuhl und das grobschlächtige, hcißgcrötcte Gesicht über die Tischplatte. Er ballte die wuchtigen, noch von der Leibeigenen-Frohnde früherer Geschlechter ausgearbeiteter Bauernfäuste. Sein vierschrötiger, knochiger Körper wand sich unter dem englischen Homespun eines Sakkoanzuges neuester Frühjahrsmode. Der Lette trat näher. „Warum schluchzen Sie?" sagte er. ~Warum beihen Sie in die Tischkante? Es wird Ihren Zähnen schaden.." Sein Herr bleckte ihm. den rotborstigen Schädel hebend, das weihe Wolfsgcbih zwischen den wulstigen, verzweifelt schiefgezogenen Lippen • entgegen. Die Augen schwammen feucht in einem trüben, graublauen Wasser. „Kann ich denn fort?" stöhnte er. Er nahm ein Vapiermesser aus sibirischer Bronze und zerknickte es. um seiner Atemnot Luft zu schaffen, mit Bärenkraft wie einen Stroh- Halm zwischen den Fingern. „Ich kann nicht! .. Nie finde ich die Stärke, jetzt abzureisen!" „Was hält Sic?" „Das fragt er noch dieser Pferdedieb! .. Warum bliebst du denn nicht Lederschmugglcr hc wenn dein Verstand für Höheres nicht genügt?" „Dies Mädchen aus Sebastopol.." „Fa. Sie.." Serge Ssilins Augen glühten nah auf. „Sie. Sic.,." „Dies schwarze Mädchen brachte Ihnen das Unglück. „Glücklich fall sie mich machen!" Der Mann aus dem Öfter» warf dem anderen seinen erloschenen Zigarcttenstummel ins Gesicht. „Ich bin ein Mensch.. Ich bin wahnsinnig.. Ich bin in dies Mädchen verloren.." „Seitdem diese Grünäugige hier ist, zieht sich die Gefahr über Ihnen zusammen." „Kann ich van ihr lassen?.. Weg von ihr?. Bin ich ein Heiliger?.. Nein.. Ein Mensch von Fleisch und 81ut.." „Diese Deutsche aus Sebastopol wird noch Ihr Verderben!" „Ich bleibe bai ihr, in Berlin.." Serge Ssilin sehte sich an den Tisch und stützte müde den Kopf in die flache Rechte. „Ich bleibe.." „.. bis es zu spät ist.." „Weiht du, warum ich bleibe? Weil ich muh.." „Herr.. Die Katzenäugige hat Sie behext." „Was verstehst du davon?.. Mein Herz steht still ohne sie.. Ja.. Runzele nur verächtlich die Stirne.. Auch ich habe ein Herz.. wie alle Söhne Adams. ein blutiges Herz.." „Herr!.. Treten Sie an das Fenster und sehen Sie auf den Platz hinunter. Erkennen Sic. wer da steht: Der Petersburger Knjäö, den Sic mir in der Grenadierstrahe zeigten. Wolski..Da ist er wieder.." sprach der oben leise zwischen den Fahnen. „llith neben ihm der junge Deutscbe. den Sie vorhin verjagten!.. Er hat dem Fürsten den Weg hierher gewiesen. „Wie haben sich diese beiden Vögel nur gefunden..?" S.rge Ssilin starrte, durch die Gardine gedeckt, hinunter. Langsam wurden seine grobkantigcn. erhitzten Züge bleich. „Die Zwei gehen um das Palais herum!" sagte der Lette. „Sie wissen, jrcr darin ist! Sie betrachten es von allen Seiten!.." „Jetzt entfernen sie sich langsam.. da.. um die Ecke.." „Sie wissen für heute genug! Sie werden morgen wiederkommen! fyiir.. Sic müssen heute noch weg!" „Weg!" wiederholte Ssilin dumpf. Er stand und schichtete mechanissch die zerstreuten Papiere, ohne sie anzusehen, in säuberliche Stöße. weg von diesem Mädchen. .Warum?" Serge Ssilin lachte verbissen auf. Er schritt stürmisch, die Zauste hoch« gereckt, durch das Zimmer. Er keuchte heiß, mit weißverquollcnen Augen. „Wenn ich gehe soll sie mit mir!.." „Man könnte fürchten. Sie hätten zu viel getrunken!.." „So ist mir auch zumut.." Ssilin schlug wild und triumphierend mit der Faust auf die Tischplatte. „Ich spüre Kraft in mir! Wagclust!.. Ich bin verwegen wis ein Kosak!.. Sie wird mit mir reisen ver» stehst du wohl —, diese kleine Waise vom Schwarzen Meer." „Wollen Sie sie rauben?" „Ich werde sie dazu bringen, freiwillig mit mir zu gehen..lch verspreche ihr goldene Berge.. ich verspreche ihr die »Heirat.. Was verläßt sie denn hier? Einen weggejagten, kleinen, deutschen Weinkellner?.. Oh - sie wird ihren Vorteil begreifen.. Sie kam mir ja gestern schon schnurrend entgegen, das Kätzchen!" (Tortsehuno MotJ Mittwoch, 2. Afebn»ar 1027 Morgen AnSgabe itamburfltv 9lnrfirlifitrn -Jj, säiit Sodencr A4 Pastillen gegen Huslen, Heiserkeit, YervMmung
Bronvermelding Staats- en Universiteitsbibliotheek Carl von Ossietzky, Hamburg, Hamburger Nachrichten (PPN hamburger-nachrichten), woensdag 2 februari 1927 , pagina 2
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