Blader door transcripties » Staats- en Universiteitsbibliotheek Carl von Ossietzky, Hamburg



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BN. itZI
Hamburger Anzeiger
Qttob«- 1VZ»
Srma«sch» AHM: A»vel der zasWm
Part», Z. Oktober. Die Ansrag« der englisch«» Regierung übe«
«Ine etwaig« Zusammenarbeit der sranzösischen und der englische»
- Motte im Mittelmeer v«raniaßt» den „Paris Midi" zu eiaer
Gegenüberstellung der Seestreitkräste England», Frankreich» «ad
Vtalien» im Mittelmeer. Da» Blatt kommt zu dem Schluß daß
Frankreich den Ausschlag geben dürste und den Ausgang eine»
«twiai^en Seekriege» entscheidend beeinflussen würde, je nachdem
«» sich aus die Seite Englaad» oder Italien» stelle.
Am 1. Oktober sollen nach Ansicht de» Blatte» folgendt
Streitkräfte der drei Mächte im Mittelmeer vorhanden gewesen
sein:
- Linienschiffe: England 5, Frankreich 3, Italien 3.
Schlachtkreuzer: England 8, Frankreich l), Italien l>.
Flugzeugträger: England 2, Frankreich 1, Italien 0.
> Flugzeugmutterschiffe: England 0, Frankreich 1, Italien 1.
Kreuzer von 10 000 Tonnen und darüber: England 1, Frank
reich S, Italien 7.
Kreuzer von weniger als 10 000 Tonnen: England 11 Frank-
^ reich 1, Italien 18.
Tirvedödootszerstörer und Torpedoboote: England LS, Frank-
- reich 33, davon 1k Torpedobootszerstörer und 17 Tor»
-^-^boboot«, Italien 88.
Lnterseebsot«: England 8, Frankreich 5l>, Italien K9.
Chinesische Anarchie
MMneiWuMseutt
««I dremeiidt! SW
Schanghai, 3. Oktober. In den Binnengewässern der süb-
chinesischen Provinz Kwangtung unternahmen Banditen Ueber-
jäll» auf zwei Flußboote. Hierbei fanden 110 Menschen den Tod.
Oer erste Uebersall ereignete sich auf der Strecke Swatau—
lfchantschau.-Dort überfielen die Banditen ein planmäßig ver
kehrende» Motorboot, schleppten es nach der Tschaon-Bucht und
»ersenkten e». Zehn Passagiere kamen dabei in den Fluten um.
B<i dem zweiten Uebersall hatten es l^ie Banditen auf ein
Solschen Kanton und Schilling verkehrendes Klubboot abgesehen.
Au» poch unbekannter Ursache brach auf dem Schiff plötzlich
Feuer au», und im gleichen Augenblick erössneten die Banditen
von, User her ein mörderisches Maschinengewehrfeuer, bei dem
die gesamte Besatzung und all« Fahrgäste, insgesamt 100 Men
schen, gttötet wurden. '
ZrmWÄe Wmnöin
ErMruWN mit MMn-AMissen
DNB. Pari», 3. Oktober. Der erste Tag der Luftmanöver
bei Beauvais, denen Lustsahrtminister General Denain am Nach
mittag de» Mittwoch beigewohnt hatte, hat das tadellose Arbei
ten der auf der Erde eingerichteten Fliegerabhörstellen erwiesen,
die. zahlreiche Meldungen über die ongreisenden Bombenflug
zeuge erstatten konnten. Sehr gut haben auch die in der Lust
über dem Oise-Fluß eingerichteten Abhörstillen gearbeitet. Eines
>öer vier Horchslugzeuge soll «ine Bombenstassel nicht nur fest
gestellt, sondern bei ihrem Fluge bis nach Rouen begleitet und
- diirch Funksprüche alle erforderlichen Angaben über Flugrichtung
und Stärke erstattet haben. Immerhin besagen gewisse nicht be
stätigte Nachrichten, daß nach Ansicht der Manöverrichter die
angreifenden Geschwader theoretisch die Industrie- und Petro
leum-Zentren zerstört hätten. Die allgemein« Manövertaktik wird
«rst am Freitagabend nach Schluß der Uebung erfolgen.
Sie wollten den König ermorden
Sie Pläne der bolgorilAn MWen
DNB. Sofia, 3. Oktober. Zu dem mißglückten Putschversuch
teilt die halbamtliche Bulgarische Nachrichten-Agentur mit: In
Aussühruna der von der Regierung angekündigten Maßnahmen
schritt die Polizei zur Verhaftung von 40 Zivilpersonen, die der
T«itnahm» unb Mitwisserschaft a»i d»M geplanten Putsch, „he-
. schuldigt .werben. Die meisten ,vo.y.ihn»n.gehören H^H«»»».
Gruppe unb dem llnken Flügel der Bauernpartei ay, ,.M5i>«r
wurden etwa IS Offiziere verhaftet, die ihre Beteili
gung an dem Putschversuch bereit» eingestanden haben. Alle
, Verhafteten wurden den Gerichtsbehörden überantwortet.
Au» den Schriftstücken, die bei den Haussuchungen beschlag
nahmt wurden, geht hervor, daß die Verschwörer Anschläge
gegen das Leben de» König», der Königin, der Mitglieder der
Regierung sowie von etwa 40 Offizieren beabsichtigten. Die
Namen dieser Offiziere waren auf einer List« ausgezeichnet, die
bei den in die Verschwörung verwickelten Offizieren beschlag
nahmt wurde.
Im ganz«» Lande herrscht vollkommene Ruh«. Dke energi
schen Maßnahmen der Regierung finden überall den Beifall der
Bevölkerung, die einmütig da» geplante Verbrechen verurteilt.
GMumulchtelegranitn des Führers
DNB. Berka» 3. Oktober. Der Führer und Reichskanzler
hat Seiner Majestät, dem König der Bulgaren, anläßlich der
Wiederkehr de» Tage» seiner Thronbesteigung ausrichtigst»
Glückwünsche übermittelt.
Krieg!
Mussolini an lein Low null an die Welt
DNB. Ro», Z. Oktober.
Der faschistisch« Generalappell, seit langem erwartet, bann
immer wieder vertagt, ist Tatsache geworden. Um ZV, Uhr
nachmittag» vernimmt man plötzlich durch den brausenden Mit»
tag»verkehr der Großstadt von fern her da» Heulen einer ent
fernten Eirene. Der Ton geht noch im Straßenlärm ver
loren. Ader unmittelbar darauf setzen überall ringsum stärkere
Eirenen ein, die den Alarm aufnehmen und weitertraaen.
Aushorchend bleiben überall die Menschen stehen, sie zwei
feln noch ein» Sekunde lang. Dann aber gibt e» keinen
Zweifel mehr Jetzt haben auch die Glocken der Kirchen
eing«fetzt. Immer stürmender und anhaltender wirtn der
mahnende Ruf. In den belebten Verkehrsstraßen schließen sich
die Läden, da Inhaber und Verkäufer sich sofort für den
Generalappell bereitmachen müssen. Ueberall sieht man Men
schen nach Hause eilen, die schnellstens ihre Uniform anlegen
wollen, um sich aus den großen Plätzen Rom» und vor den
Dienstaebäuden der Faschistischen Partei «inzusind«». Nach
allen Ministerien und den großen össentlichen Bauten sieht
man Menschenmassssen strömen. Ueberall in der Stadt werden
auf den Dächern und vor den Fenstern Fahnen gehißt.
In weniger als einer Stunde hat sich das Straßen»
bilb von Rom vollständig geändert. Alle össentlichen Ge
bäude sind illuminiert. Fluyzeugstasseln kreisen über der
Stadt. Militär marschiert in voller Kriegsausrüstung durch
die Straßen. D«r Rundfunk, der bis zum Abschluß ber Kund
gebung ausschließlich für den Generalappell arbeitet, gibt An
weisungen bekannt und läßt in Straßen und Häusern die G»-
sänae ber faschistischen Revolution ertönen.
Aus dem ganzen Lande kommen Nachrichten über den voll
kommen geordneten Verlaus des Generalappells. Der erst« Ab
schnitt d«r Sammlung in den Partei- und Verbandslokalen
war überall um 5 Uhr SO abgeschlossen. Der zweite Ab
schnitt de» - '
geschlossenen Aufmärsche»
begann. Am Rundfunk erteilt Staatssekretär Starace die Wei
sungen dasür. Danach sollte der Aufmarsch um k Uhr IS auf
allen Plätzen de, ganzen Landes, auch im kleinsten Dorfe,
abgeschlossen fein.
Ja Rom fammela sich die Menscheamassen auf den vier
größte» Plötz««, unb unübersehbar« Menscheakolonnea hab«a
sich unter d«n Klängen von Fanfare» und unter Trommel
wirbeln in Bewegung gesetzt, während riesige Lautsprecher auf
den Plätzen die singend«» Kolonnen übertönen. Ununterbrochen
kreise» Fiugzeugstaffel» über d«r Stadt. Der Sprech«» am
Radio verkündet: „Der Keneralappell muß alle» die Augen
Lffoen, auch denen, die sich in ihre» Interesse» verletzt glau
be» unb Italien de» Weg versperre» wolle». Da» italienisch«
Volk Ist zu groß für sein kleine» Land, und da» ist fei» einziger
Reichtum. Ganz Italien Ist letzt," fo schließt der Sprecher, „in
Erwartung der Worte Mussolini»".
6V, Uhr erschien Mussolini auf dem Balkon de» Pa-
lazzo Venetia
„Die feierliche Stunde in ber Geschichte de» Vaterlanbe»
bricht an," so begann Mussolini seine immer wieber von rau
schendem Beifall unterbrochene Rebe an da» italienische Volk.
„20 Millionen Italiener find in diesem Augenblick aus allen
Plätzen Italien» bei der gewaltigsten Volkskundgebung versam
melt, die die Geschichte Roms kennt. 20 Millionen, «in Herz,
ein einziger entschlossener Wille! Diese Kundgebung will be
sagen, daß Italien unb der Faschismus ein und dasselbe sind
und bleiben werben. Nur Köpfe, die kindischen Einbildungen
nachgehen oder in schlimmster Unkenntnis dahinleben, können
das Gegenteil glauben. Sie wissen nicht, was da» faschistische
Italien von 1S3S ist. Seit vielen Wochen läuft da» Rad ber
Geschichte unter dem Antrieb unsere» ruhigen und feste» Ent
schlusses auf das Ziel zu. In diesen letzten Stunden ist da»
Tempo noch rascher und geradezu unaushaltbar geworben. E»
Ist nicht nur ein Heer, das seinen Zielen entgegenmarschiert, es
sind 44 Millionen Italiener, die geschlossen und gemeinsam mit
diesem Heer marschieren, während man versucht, gegen sie die
schwärzeste Ungerechtigkeit zu begehen unb uns den Platz an
der Sonn« zu nehmen.
. Als im, Jahre 191S Italien fein Schicksal
A'lliiert e^ e'rki^nd^ÄkeLtel Schreie
mt"ZH^H«ber«ng, .wieviel Versprechens Pl» man jedoch nach
'dem W>Lnfämen Sieg, zu dem Iwlien mA k?v k>00 Tbttn,
einer Ä^Lion Verwundeten und 400 000 Kriegsverstümmelten
beigetragen hat, am Verhandlungstisch «ine» erbärmlichen Frie
den» zusammenkam, da sielen für Italien nur die
Brosamen einer großen, von anderen Staaten stammen
den Kolonialbeute ab. 13 Jahre lang haben wir geduldig ge
wartet, während um uns herum ein immer stärkerer Ring ge
schlossen wurde, mit dem man unsere überquellende Lebenskrast
ersticken will. Mit Abessinien haben wir 40 Jahre lang ruhig
gewartet. Jetzt ist'» genug!
Anstatt das gerechte Recht Italien» anzuerkennen, wagt
matt im Völkerbund von Sanktionen zu sprechen. Bi» zum Be
weis des Gegenteils weigere ich mich zu glauben, daß da»
französische Volk sich Sanktionen gegen Italien anschließen
könne. Die 6000 Italiener, die beim Sturmangriff bei Bligny
den Heldentod starben und sogar vom Feind bewundert wur
den, würden sich im Grabe dagegen aufbäumen. Bis zum Be
weis des Gegenteils weigere ich mich auch zu glauben, daß da»
englische Volk sein Blut vergießen und Europa aus den Weg
der Katastrophe bringen wolle, um ein afrikanisches Land zu
verteidigen, da» allgemein als barbarisch unb ber Gemeinschaft
ber zivilisierten Völker unwürdig gedrandmarkt wirb.
Trotzdem dürfe» »ir aber »icht s» w», al» »b wir die
Möglichkeiten i» der »ahe» Zukunft nicht sähe». Aus Eant-
ti»»e« wirtschaftliche» Tharakter» werde» wir «it Disziplin»
Gleichmut »»d Opserdereitschast oatworten. Aus Sanktionen
militärisch» Charakter» antworte» vir «it militärisch«» Maß
nahmen, aus Krieg»haadl««ge» mit Kriegshanblunge«. Nie
mand täusch« sich darüb«r, »n» kleinznlriegen, d«n» «r wird
«in«n hart«» Kamps bestehe» müsse». Ei» Volk, da» «isersüchtig
ist a«f s«i»« Ehre n»d sei»«» Name», kan» und wird »lemal»
«i»« a»d«r« Haltung einnehme».
Aber noch einmal sei e» in der kategorischsten Weise und
al» «In« heilig« Verpflichtung wiederholt, die ich an diesem
Abend vor allen Italienern übernehm«: Wir werben alle»
Mögliche tun, um zu vermeiden, daß der koloniale Konflikt den
Eharakter und die Bedeutung eines europäischen Konflikts an
nimmt, wie das mit Lachen jene hossen, die sür den Unter
gang ihrer Zeiten Rache nehmen möchten.
Wir gehören nicht zu ihnen. Noch nie hat das italienische
Volk bi« Stärke seines Geistes und seines Charakters so be
kundet wie in dieser geschichtlichen Epoche. Gegen dieses Volt,
dem die Menschheit ihre größten Leistungen verdankt, gegen
dieses Volk von Dichtern, Künstlern, Gelehrten unb See
sahrern wagt man von Sanktionen zu sprechen.
„Darum marsch!"
Italien von Vittorio Veneto unb Italien von ber faschistischen
Revolution, aus daß der Ruf seiner bi» auf» äußerste uner
schütterlichen Entschlossenheit gen Himmel steige und unsere
Soldaten in Ostasrika erreiche, den Soldaten, die im Begriss
sind, in den Kampf zu gehen, ein Trost, seinen Freunden ein
Ansporn, den Feinden zur Warnung! Das Ist das Wort
Italien», das über die Berge und über die Meere geht. Dieser
Ausschrei ist ein Rus der Gerechtigkeit und de» Sieges."
Die Rede Mussolinis wurde von der nach Zehntausenden
zählenden Menge aus der Piazza Venetia Immer wieder von
stürmischen Beifallsrusen unterbrochen. Am Schluß brachte die
Menge Mussolini, der immer wieder von neuem auf dem
Balkon erscheinen mußte, begeisterte Kundgebungen dar.
Nach den Klängen des Giovinezza-Liedes erklärte Partei
sekretär Starace, ber sich mit dem Parteibirektorium an der
Seite Mussolinis besand, über den Rundfunk den General
appell für beendet.
Langsam und geordnet wie ber Aufmarsch vollzog sich auch
der Abmarsch.
Die englische Botschaft schars abgesperrt
Rom, 2. Oktober. Während de» faschistischen Generalappells
waren die Straßen In der Näh« ber englischen Botschaft sür
den Verkehr völlig gesperrt. Bersaglieri und Kavallerie um
standen in größeren Abteilungen dl« Botschaft, zu d«r niemand
Zutritt hatt«. Dies« Maßnahmen wurden getroffen, um Zwl-
schensäile zu verhüten.
Auch In ber Nähe ber abessinischen Gesandtschaft, die in
einem Vorort Roms liegt, waren einige Wachtposten ausgestellt.
»
Au» Mailand wird gemeldet: Vor dem britischen Konsulat
gab e» am Mittwochabend ein» Kundgebung, die offenbar gut
organisiert war. Eine Anzahl Männer marschierte aus das Ge
bäude zu unb begann, wie aus Kommando, zu johlen. Dann
rief ein Führer: „Was tut England?", unb die Menge ant
wortete: „England macht uns übel!" Dieser Ruf wurde wie
derholt, als die Menge «inen die Straße entlanggeyenden Mann
al» Engländ«r erkannte.
„Avant!. Aoanti!"
Asmara, 4 Uhr morgen».
Vor dem Vormarsch ber italienischen Truppen am Mareb
hat Asmara gestern abend und bi» in die srühen Morgen
stunben ein Kriegs- und Siegesjubelsest zur Feier de» Aus
marsches ber italienischen Truppen abgehalten.
Die Stadt stand buihstäblich aus dem Kops. Sämtliche
,Sirchxnalockm,, löuktest Millen m der Nacht, Sirenen, heulkn.
.?tw<^IS lM Festteilnehmer schrieen und tiefen „Lang lebe der
DüceiT, ^.Avantf^Avattti^, ^Aus zur Grenze!", Mache für
Adua! und dergleichen mehr. In den ersten Abendstunden
bemächtigte sich die freudentrunkene Menge des Oberstkomman-
bier»nden ber Frontarmee in Erythräa, General de Bono, be
reiteten ihm «in» stürmisch» Ovation und trugen ihn aus den
Schultern durch di» Straßen. Später versammelte sich die
Meng« vor seinem Palast und verlangte sein Erscheinen aus
dem Balkon, um di« Huldigungen der Menge entgegen
zunehmen. Sie mußt« aber enttäuscht abziehen, weil ber Gene
ral ber»it» an bi» Front abgefahren war.
Amtliche italienische MobilmachnngserklSrnng
DNB. Rom, 3. Oktober. In den heutigen Mittagsstunden
trird die 10. Mobilmachung»v»rlautbarung der
italienischen Regierung bekannt, die den tatsächlichen Ausbruch
der Feindseligkeiten in Ostasrika ankündigt. Die Verlautbarung
hat folgenden Wortlaut:
„Unter dtM Druck de» kriegerischen Angriffsgeistes in Abes
sinien, ber von den Führern und den Völkerhorden verstärkt
wird, die schon seit längerer Zeit mit Bestimmtheit den Krieg
gegen Italien verlangen und ihn längst vorbereitet haben, bil-
D«r Krirg ist au»g«broch«n. Gestern haben sich di« Lallenl»
sch«n Trupp«» in Marsch gesetzt, und heute vormittag bereit»
richteten italienisch« Flieger da» «rst» Blutbad in Adua
an. Wir wußten es ja seit Wochen, daß kein« Macht d«r Erde
den Gang de» Schicksal» aushalten könnte. Unb jedem, ber nüch
tern die Entwicklung in Afrika versolgt», war klar, baß da»
Wunder, aus da» mancher hoffte, nicht »intr»t»n würd».
Wohl sind wir hi»r in Deutschland weit vom Schuß und
haben keine Neigung und nicht da» geringst« Interesse, un» in
den dlutigrn Handel einzumischen, um den jetzt da» drunten unter
der Tropensonn« gewürselt wird. Aber auch.an» packt wieber
da» Grau«» im Gedenken an da» surchtbar« Geschehen, da»
unser eigene» Land vier Jahre hindurch in Atem hielt, das Ver-
»weislung und Trauer über Millionen brachte, wenn -jvir es
jetzt in den nüchternen Heeresberichten, wie damal» vor 20 Iah
ren lesen. Niemand kann hierzulande sagen, wie die strategischen
Zusammenhänge der militärischen Operationen in Abessinien
Der Kriegsschauplatz
liegen, niemand kann mehr als Vermutungen äußern über den
Ausgang der Kriegshandlungen, die soeben ihren Ansang ge
nommen haben. Aber wir alle stehen unter dem lähmenden
Druck entsetzlich»! Vorstellungen, die die entfesselt«
Kriegssurie neu verursacht. Unb unsere Bemühungen,
Recht und Unrecht zu unterscheiden, werben übertönt von den
Todesschreien ber Gefallene-!, dem Stöhnen Verwundeter unb
dem Wehklagen und Iamm.n der Witwen unb Waisen.
Mussolini hat gestern den Marschbefehl gegeben, er hat sich
nicht gekümmert um Völkerbunbssatzungen oder die Einwände
der anderen Mächte. Und da »rhebt sich dl» groß» Frag», wird
man b»n Duc» bedingungslos gewähren lassen und wird vor
allem England tatenlos dem Z'blaus der Geschehnisse zusehen?
Wir können es uns kaum denken.
Es Ist immer schon das Prinzip ber englischen Diplomat!«
gewesen, starke Blockbildungen auf dem europäischen Kontinent
zu verhindern und Sorge dasür zu tragen, daß ein gewisse»
Gleichgewicht der Kräfte in Europa vorherrscht. Da» Gegen
gewicht aus der einen Seite pflegt stets England selbst zu sein;
die Suche nach dem Partner hat sich dabei immer ganz un-
senlim«ntal danach gerichtet, bei welcher Konstellation die bri
tischen Interessen am besten ausgehoben sind.
Nur denjenigen, der diese Grundhaltung aus dem Auge
läßt, kann die Ansrage der Downing-Slreet am Ouai d'Orsay
verwundern, die sich nach dem französischen Standpunkt für den
Fall erkundigt, daß etwa ein englische» Kriegsschiss im Mittel
meer unprovoziert angegrissen wird. Um es vorwegzunehmen:
man erwartet in London nach Ansicht gut unterrichteter Kreise
eine französische Antwort dahingehend, daß in einem solchen Fall
England aus Unterstützung Frankreichs rechnen kann.
Was bedeutet dieses diplomatische Zwischenspiel? Vor allem
das eine: daß zwischen England und Frankreich nicht mehr
bi« Frage erörtert.wird, ob Sanktionen gegen Italien ergris-
.,:>»!>
' j. ' '
bei die allgemein« Mobilmachung in Abessinien «in» direkt» und
unmittelbare Bedrohung sür die Truppen in unseren beiden
Kolonien. Diese Bedrohung wird erhöht durch die Tatsache,
daß die Bildung einer neutralen Zone nach angeblichen Be
hauptungen au» Addis Abeba in Wirklichkeit nur eine strate
gische Maßnahme darstellt, die daraus hinausläust, die abessi
nischen Truppen besser zu Angrissszwecken vorzubereiten.
Di« fortdauernd« unb blutig« Angriffslust, die Italien felt
40 Iahren ertragen mußte, nimmt immer größere Ausmaße
und eine weitere Tragweite an unb offenbart die schweren und
unmittelbar bevorstehenden Gefahren, auf die unverzüglich zu
reagieren ble elementarsten Grundsätze ber Sicherheit erheischen.
Die Oberste Heeresleitung von Erythräa hat dzher Befehl er
halten, sich dementsprechend zu verhalten. Die italienischen
Truppen sind demzufolge Im Begriff, einige vorgerückte Stel
lungen j»ns»It» unserer bisherigen Linie einzunehmen."
— Langsame» ZSHlgeschäst I» Memel. Da» Zähl»» der
Stimmzettel wickelt sich außerordentlich langsam a!>, so daß mit
dem Bekanntwerden de» Ergebnisse» kaum vor Dienstag nächster
Woche zu rechnen ist.
- Die „Orion" im Nebel
' > Von Martin Luserke
Di« blckbauchig« Tjalk „Orion" hatt» da» Kegel seli Mittag
lchqn «ingepackf unb pufft» jetzt am Spätnachmittag mildem
Motor allein In ganz langsamer Fahrt durch den dichten Mdel.
Dir dlond» Frauk« hatt» Ihrem Mann schon zum 24. Male un
geduldig vorgerechnet, daß sie mit ihrer Backsteinlabung heute
abend noch vor ber Insel ankern müßten, wenn sie Im April da»
verdienen wollten, wa» Frauke im Blick aus da» im Herbst zu
erwartende erst« Kind ang«setzt hatt«.
„Tja, D««rn, da» g«ht aus Seeman sein eigen«» Tempo!"
Schisser Uko hätt» ganz g»rn auch »inmal »in» Pstis» g»-
raucht, ohn» zu antwortin. „Wenn der Baa» doch bloß mal richtig
schnauzen wollte," pslegt« in solch»n Fällen ber alle, wüste Best-
mann Tanopu» zu philosophieren, ber jetzt, Im Nebel nur al»
dunkler Schatten sichtbar, vorn auf der Back mit ber Stange
lotet«.
Alle», wa» aus dem Holzschisf üb«rhaupt zu sehen war,
troff vor Nässe, sogar ber weiche, blond« Schnurrbart b«» jungen
Schisser». Di« „Orion" schob sich imm«r im Mittelpunkt derselben
Milch^laskuppel vorwärts. Zum Glück hatt« man di« Birk«n-
stämm», di« Wegmarken am Rande der tiefen Fahrrinne, noch
nicht verloren. Von Zelt zu Zeit tauchte einer gespenstig au»
dem Nebel. Schisser Uko hatte m auch noch den Kasten mit dem
Kompaß vor sich auf da» niedrig» Kajüttndach gestellt, aber viel
Verlaß war nicht aus ba» Ding.
Al» w»nn sie sich für seinen eigentlichen Kompaß gehalten
hatt», thronte die junge unb fixe Frau, dia in einen Friesmontel
- gewickelt, auf dem gleichen Kajütendach. Eine junge Frau, di«
e» richtig versteht, ist einem schläfrigen Mann ja unendlich über
legen. Und, wohl gemerkt, Schiffer Uko hätte niemal» — wenig
sten» niemal» mit Recht, behaupten können, baß sie die Ordnung,
die an Bord henichen mußte, verletzt hätte. Im Gegenteil, si«
sorgte in dieser Mcknnerwirtschast »rst richtig dasür.
Ein wüstes Gepolter scholl von der Back her. Der alt» Ta
nopu» schmiß den Bootshaken aus ba» Gangborb. „Dreieinhalb,"
rief er hohl nach hmien, „und die Pricken sind auch w»g, wir
müjs»n ank»rn!"
„D»r alt» Sausbrudn will dloß Fr»iwach» machen," spot
tete Frauke, „laß mich erst mal zusehen!" Sie rutscht» h»rab und
schlüpft» nach vorn. Tanopu», ber gerade mit d»r Kruke bi«
Sonnenhöhe genommen hatte, sah Ihr mit tiesem Mißtrauen
entgegen unb verstaute sein »Instrument" hinter ber Anker
winde. Auch dtn Spottnamen verdankte er dieser für Männer
lo unbequemen Frau. Der Alt« war in s»in«n b»si«r»n Z»it»n
lang» Jahre al» Steuermann auf allen Meeren gesahren, und
«r liebte die Gemütlichkeit unb ba» Erzählen. Der St»rn Tano
pu» spielt bei den Echissern In den Südbreiten eine große Roll»,
und Frauk» schien »r irgendwi« zum Wesen de» großen, aber
schlottrig»», weißbärtigtn Allen zu passen. Frauke war für ihn
schrecklich. Gerade al» sie aus die Bock trat, tauchte wieder «In«
Prick« au» dem Nebel aus. „Da Ist ja ble Prick«," sagte Frauk«
mit b»I»idig»nd»r Ruh». Tanopu» hätte sich nicht gewundert,
wenn da» dämlich« Birk»nstämmch»n Im Nebel geantwortet hätt«:
„Wa» bleibt mir übrig?" Tanopu« hoffte nur, baß bi« Frau
di« Kruk« nicht b»m»rkt hält», unb lotet» wieder wild.
„Frauke," versuchte er abzulenken, „es ist nicht gut, bei Mist
Über» Watt zu sahren! Wenn di« Bänk« bei Ebbe heraus
kommen, g»h»n hi«r di« alten Bauern um voa den Dörfern, bi»
hi»r einmal gestanden haben. Schisser Helmer von „Zw«! Ge
brüder" hat mal, al» er im Nebel zu dicht an eln»r Bank vor
beikam, den Nebelvogt oben stehen sehen, riesengroß mit der
Gense.."
„Jawohl," spottete Frauke und trat in verdächtiger Weise
etwa» zurück, so daß sie hinter di» Ank»rwind» sehen konnte,
„und bi« zw«i alt«n Saufbrüder aus „Nix»" von Mobfum«rsi«l
hat d«r Souk mal monat«lang festgehalten, ohn« daß si« Sicht
um» Schiff h«rum kriegten!"
„Und so dicht wie dort," zeigte Tanopu» und kam geschickt In
dl« P«Ilung von Frau und Kruke, „haben sie be» Wassermann»
Kntcht» um sich h»rum ackern seyen."
ksgsntag in c!sr
Anauen Vo/Ken ?l'e/e?t enÄo» tr-ckZ
Ltaud «je» Helens au/ -Ks nl'e^e?»,
Von mLcien Xspka/ts Abe?»/<A»>ai'2em (»/an«
tup/t >5e?» Ze<j-Zmp/tsn Lc^T-itte (?anZ
vre i'yn ve7»/c?i?a/ene?>
L» i'/!, a?» /pi'eZs/e /ick in einem 5ee
«ke»» Fl>/! Iklu/e»». In c/e»> »ei'ten 5un<j»
/e?b/! tie»» I-cknm c?en 7»a/<Aen /Item an,
a!» /ckenke ciie/ep A»»a« vei-tk-ckumte ?aZ
auc/l ,?»m ck>'e /5oFnunA eine?» ^Sle?»/!llncie.
„Und schließlich hat di» Nix» mitten im reisen Kornfeld
gelegen," schloß Frauke, nahm unerbittlich die Kruke und ließ si«
über Boro plumpsen.
„Frauke, da» geht nicht gut au»," sagte Tanopu» hohl und
drohend.
° „Für dich geht ba» jebensalls so au», baß du zu Haus» hier,
von Borb kommst" hieb Frauke schars zurück.
Rum», bemerkte der Kiel der „Orion" abschließend unb
fchnurrte über «ine Muschelbant. Gleich darauf saßen sie mit
einem sanften Stoß aus dem Sandgrund fest.
„Weil du nicht aus den Kur» gepaßt hast," zankt« dl« Schlf-
f«r»srau «rbittert.
„Wenn man ber Familie vom Baa» dauernd Au»künst» ged«n
muh," knurrt« Tanopu» zurück.
E» war fchl«cht« Stimmung aus d«r „Orion", w«nn bi« Ebbe
auch schon üb«r halb vorbei war und sie d«i dem stillen Wette?
in aller Ruh« wieder flott werben mußten. Der schweigsame
Schiffer Uko hat!« vl«l aus s«In« breiten Schultern zu nehmen.
Zwei Stunden später, al» unter dieser Milchgla»kupp»l scho»
die Abenddämmerung kam, lag di» „Orion" trocken aus dem g»-
risfelten Sand. An Bord war da» Abendesien vorbel. Tanopii»
hatt» sich mit Itiner Blechkanne vorsichtigenveise In seine Höhl«
unter b»r Back zurückgezogen.
„Ich geh« nach den Pricken suchen," beschloß Frauk« «In un
behagliche» Schweigen.
Vergeben» riet ber funge Fischer bringend davon ab. Wenn
die Flut auch nur ein bißchen Wind mit sich brachte, würbe der
Nebel schon in Bewtgung komm»».
Aber Frauk» hatt» doch auch vorhin di» Prick« sofort ge
funden, und außerdem wollte sie sich nicht außer Rufweite ent
fernen. Daß Nebel auf den Bänken kein Spaß ist, wußte sie
genau so gut, ja wohrschtinlich noch b»ss»r al» bi»s» schw»r-
sällig»» Männtrl llebrlgen» hint»rli»ß si» aus b»m Sand auch
Fußtapstn..
Aus z»hn Schritt» sab si» ba» Schiff noch hint« sich al» «in»
dunki», im N»d»i rl»f»nhaft v«rgröß»rt» Mass», graut» m»rkt«,
daß «» doch «in kl»ln»r Entschluß war, noch w»lt»r w»gzug»h»n,
bi» bi»s»r v»rtraut» Schatt»n ganz unb»utiich wurd». Dann war
»r plötzlich w»g.
Aber ihre Fußtapfen zeichneten sich ganz deutlich in dem
geriffelten Sand ab. Frauke zählte Ihre Schritt« und nahm sich
fest vor, nicht mehr al» hundert wegzugehen. Nachdem si« aber
in bl«ser Zeit über ein paar Muschelbänk« hatte wegslelgen
müssen, blieb sie doch mit etwa» unbehaglichem Gefühl stehen,
baß sie bi« Richtung verloren habe. Irgendwo Im Nebel
brummte es fern und Kumps. Der wunderliche Tanopu» würd»
von den Kühen ber gespenstigen Bauern saseln, dacht» Frauk»
tapfer unb fühlte dennoch, daß In dieser geheimnisvollen Nebel-
welt »twa» von bedrohlicher Uebermächtlgkeit lau»rt».
Al» sie etwas hastig ihr» Fußtapfen aufzusuchen begann,
geriet sie zwischen den Streifen der Muschelbänke bald ganz
durcheinander. Di» V»rnunft sagt» ihr, al» »in»m Kind au» altem
Zischergeschiecht, daß e» richtig sei, jetzt lauthal» zu rufen, be-
onber» da e» ganz plötzlich dunkler zu werben begann. Aber
ie konnte ja gar nicht weit vom „Orion" w»g s»inl Sollten bl»
Männer spöttisch auf sie berunterblicken, w»nn si» womöglich
dicht an Bord um Hilf« scyrie?
Während Frauke immer wieder versuchte, ganz kaltblütig und
sorgfältig aus Ihre Fußtapfen zurückzukommen, die sie zum Ver
zweifeln Immer wieder zwischen Streisen von Muscheldänken
ontras, gelobt« si« sich In ihrem unbezähmbaren Eigensinn, ab
zuwarten, bi» bi« Leute von Borb riefen. Dann würbe si« ganz
^lassen au» bem Nebel auftauchen unb fragen, weshalb si« so
anastlich aewesen seien. Vielleicht war «» ober doch besser, nicht
mehr zu suchen, sondern aus dem gl»ck im N»b»l st«h»nzubl«ib«n,
wo si« g«rab» war, und auf da» Rufen zu warten? E» war aber
jetzt schon so, daß" Frauke sich immer ängstlicher vorbeugt» unb
da» Ohr In drn N»b»l förmlich hin«inst»ckt».
Endlich, «ndlich kam d«r Ruf von Uko» Stimm» ganz hohl
unb fern, unb er kam von einer ganz anb»r»n S»it», als f!»
«iwartit hatt«! Frauke tonnte nicht verhindern, daß si» mit
»in»m h»ll»n Schr»! antworttte, unb bann eilte si« b«m Rus
«ntgea«n. Unb bann packt« si« ein läbmenb«» Entsetz«», al» nicht
ber Schalten be» „Orion" vor Ihr auftaucht«, fonb«rn al» si» plötz
lich vor strömendem, tiefem Wasser stand.
Und gerade in diesem Augenblick, al» bi« Gespenstigkeit d«r
N«d«lw»lt si» überwältigen wollte, sah Frauke zehn Schritt» s»it-
wärt» von sich bi» düster» Schatt»ng«stalt d»» Nedelvbgt» stehen
mit der Sens» üb»r ber Schulter, so wl» ihn Tanopu« be
schrieben hatte. Zum Glück für Frauke» Würd» brummt» ab»r
dl» Stimm» d»» alten Säufer» von ber unheimlichen Erschei
nung h»r: „DI» Prick« steht dort nach link» am Pri«l «ntlang/
E» läßt sich nicht leugnen, daß Frauk» aus d»n alt»» Kerl zu
ging wie «In Klnd aus den Weihnachtsbaum.
Al» Tanopu» sie aber an» Schilf gebracht hatt«, ba» tatsäch
lich dicht danedenlag, empfing ber schweigsame Uko seine Frau
mit «inem derartigen Donnerwetter, wie sie es sich ni« hätte
träum«n lassen, dag er «s s«rtigbrächt«, und noch w«nlg«r, baß
si« «» hinnehmen würde. Frauke verschwand ganz zahm und
klein in ber Kajüt«, während der Schisser am Ruder blleb.
Da er nun einmal in Fahrt gekommen war, schnauzte er an
dauernd weiter vor sich hin. Tanopu» verzog sich auf die Back
unb grinste teuflisch in feinen weißen Kranzbart hinein. Er war
unbeschreiblich glücklich.
Mit der Flut kam in der hereinbrechenden Nacht tatsächlich
etwa» Wind auf. Al» sie gegen zehn Uhr flott waren, wurde
der nordwestliche Horizont plötzlich frei, nachdem vorder nbr di«
Sterne oben sichtbar geworden waren. Unb da sahen sie bi«
Licht«r d«r Insel. El« waren gar nicht weit aus dem Kur» ge
kommen. Tanopu» klapperte den Anker herauf, während der
Schiffer den Motor anwä'rmte, unb bald darauf zog bk „Orion"
friedlich über das dunkle Wasser ihrem Ankerplatz zp/
„Nun können wlr ja doch morgen löschen," sagte Frauke, die
an Deck gekommen war, und legt« d«n Arm von rückwärts üb«r
Uko» breiten Rücken.
— Acht Dichter waren 1SZ4 im Deutsch-Nordischen Schrift
stellerhau» in Travemünde zu Gast. Die Skandinavier Erik
Bertelsen (Dänemark), Johanne» Edselt und Tito Tol -
liander (Schweden), Asmund Sveen (Norwegen), Lauri
Viijanen (Finnland), und die Deutschen Friedrich Ludwig
Barthel, Wolsram Brockmeier, Herybert MenzeU
Di« meisten von ihnen waren voll Zweisel, ob sie wohl zu einem
L«b«n mit „Koii«S5n" taug«n «ochlen. Anfang» glaubte jeder,
sein Land r«präsenNeren zu müssen und ba ging» wohl
ein bißch«n steif zu. Doch nicht lange, ba sahen sie sich all«
lachend an und «in« fröhlich« Gemeinschaft junger, zum gleichen
Ziele strebender Menschen entstand. Wle fruchtbar sich der
gemeinsame Sommer erwle», läßt da» erste Jahrbuch de»
Schriststellerhaus«» erkennen, ba» Fred I. Dome» im Neuen
Sieben-Stäb »-Verlag, Hamburg herausgab. Bunt wie
«in Stück Strand, d»sät mit St»ln»n, Muscheln unb selteneren
Funden, mut»t bi» kl»ln» Gab» an. Bttrachtungen von Tol-
liander und Brockmeler, Gedichte, «in» «ig«nartig» Kurz»rzählung
von B«rt»ls»n, und »ln Gespräch ber acht Dichter sind locker an-
»inanb»rg»r»iht. Doch so los» auch dl« Zusamm«nstellung ist, so
harmonisch wirkt si« in Färb«, Dust unb Geist. Besonder» bi«
«insühlsam«» Ueb«rtragungen der skandinavischen Bei
träg» durch di» D»utsch»n z»ug»n für bi» Ergiebigkeit der deutsch-
nordischen Begegnung. Zeichnungen von Alsred Mahlau er-
böhen den Relz der Gabe, die man sich nur «in wenig sorg
fältiger gebruckt unb g«bunb«n wünscht«. Hvss«ntlich stellt da» z»
«rwartend« zw«lt« Jahrbuch (1S3S) ln buchtechnischer Hinsicht
«in«a Fortschritt bar. 8.
— Paul M»»borf t«ilt »n» mit: „Auf zahlreich« Anfragen
mkcht» Ich b«n Fr»unb»n unsere» Hause» mitteilen, daß mein
Freund unb Mitdirektor Ernst Leude»borsf neben feiner
bir»itorlal»n Tätigk»it l»lbsw»rstSndIich such w»lt»rhln an »rster
Sttll» lchauspliltrisch tätig sein wirb. Ich bin ber Ansicht, bah
w«b«r da» Hamdura«r Publikum noch da» Thalia-Th«at«r auj
b«n Darftell««r Ernst L«ud«sdorfs v«rzicht«n möchte."

Bronvermelding

Staats- en Universiteitsbibliotheek Carl von Ossietzky, Hamburg, Hamburger Anzeiger (PPN hamburger-anzeiger), donderdag 3 oktober 1935, pagina 2




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