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». VettagS z« Nr. LZ1
Hamburger Anzeiger
A»m»erstck>» >. Okttb« ISZ5
Neues aus aller Vell
» An Mfler-eeselfligzeni
DNB. Münch««, Z. Oktober. Wie die Lustsportlandes-
brupp« 14 mitteilt, hat in der vergangenen Woche da» Deutsch«
yorschung»institut für Segelslug unter der Leitung von Pros.
Seorgit und de» Konstrukteur» Jakob» auf dem Chiemsee inter
essante Versuche mit einem Wassersegelslugzeug gemacht. Diese,
eigenartige Flugzeug ist von dem bekannten Ingenieur Jakobs
aebaut, dessen letzt« Konstruktion, der „Rhön-Sperber", er
staunlich« Leistungen während de» Rhön-Wettbewerbe» voll
bracht« und auch den Entfernungsweltrekord ausstellte.
Zunächst wurde da» Segelflugzeug, da» von Hanna Reitsch
geführt wurde von einem Motorboot geschleppt, um dl« Stusen-
elgnung de» Bootskörpers zu erproben. Da» Segelflugzeug, da»
sich auch beim Schleppen durch ein Motorboot mehrmals au»
dem Wasser hob. bietet einen außerordentlich interessanteil An
blick mit seinen geknickten Flügeln, ähnlich einem riesigen Wasser
vogel.
Demnächst sollen die Echleppversuche mit Hilfe eines Wasser
flugzeuge, fortgesetzt werden. Der Zweck dieser Neukonstruktion
ist, die über den Meeren zahlreich vorhandenen Wolkenstraßen
für den Segelslug nutzbar zu machen. Zu diesem Zweck ist ein«
besonder» schwimmsähige Segelmaschine erforderlich.
Mörder
DNB. Insterburg, 2. Oktober. Da» Schwurgericht Inster
burg verurteilte den wegen gemeinschaftlichen Morde» angeklag-
ten Han» Bascher zum Tod« und erkannte ihm die bürger
lichen Ehrenrechte auf Lebenszeit ab. Die Mitangeklagte Elisi-
beth Ierosibkart wurde unter Zubilligung mildernder Umstände
zu fünf Iahren acht Monaten Zuchthaus verurteilt. Di« beiden
Verurteilten hatten ihr Kind Han» Eberhard Ieroschkart mit
Opium vergiftet.
DNB Wien, 2. Oktober. Der Mord an der Frau Farcasanu,
deren Leiche bekanntlich aus der österreichischen Strecke der Linie
Bukarest—Pari» aufgefunden worden war, ist nunmehr ausge
klagt. Al» Mörder wurde «in rumänischer
Staat»ang«hörtg«r nain«n» Traian Teodo-
re»eu kest gestellt, d«r w«g«n Eisenbahndiebstählen schon
wieberholt mit den internationalen Kriminalbehörden in Kon
flikt geraten war. Er hat sein Opfer offenbar ganz plötzlich an
gepackt und mit grober Wucht durch das Zugfenster geschleudert.
Der Tod d«r Frau muß durch den Sturz aus den Bahndamm
eingetreten fein. Dem Mörder gelang e», französischen Boden
»« «n«ich«n.
Hundert Millionen Zumner
Dl« viert« Volkszählung In Japan ist soeben beendet worden.
Vhr Ergebni» wird nicht nur die Japaner selbst überrascht ha-
den, sondern dürfte gleichzeitig die ganze Welt aufhorchen lassen.
Denn e» steht schon jetzt fest bah Japan die Ivo -Millionen
grenze überschritten hat unb sich damit in die Reihe der größten
Nationen der Welt einordnete. Noch besteht zwar zwischen
Japan unb den Vereinigten Staaten »in Unterschied in der Be
völkerungszahl von rund A) Millionen Menschen, aber es wird
wohl nicht mehr lange dauern, bis Japan auch diese Zahl er
reicht hat, wenn das Wachstum seiner Bevölkerung in diesem
Tempo weiter anhält. Noch im Jahre 1930. bei der letzten
Volkszählung, hat Japan mit Einschluß seiner Siedler auf dem
asiatischen Festland und auf den Inseln des Pazifik erst gl Mil
lionen Menschen gezählt: in kaum fünf Iahren ist die japanische
Bevölkerung demnach um fast 10 Millionen gewachsen.
Diese» gewaltige und imponierende Wachstum eine» Volke»
ist natürlich auch auf das Wachstum seiner groben Städte nicht
vhn« Folgen geblieben. Die jetzt beendete Volkszählung hat
jedensall» «rgeben, bah die Hauptstadt Tokio die Sechs-Mil
lionengrenze bereit» erreicht hat und damit zur zweitgröbten
Stadt der Welt aufgerückt ist. Tokio wirb heute nur noch von
Neuyork um «in geringes überflügelt. Die japanische Haupt
stadt hat ihre Bevölkerung seit dem Jahre 1920 annähernd
verdoppelt. Der Vormarsch der gelben Rasse sch«int demnach
M der Tat unaufhaltbar zu sein.
Klassenreise
Linie WeslS
Seilkrolt der Forde
Daß die verschiedenen Farben ganz verschieben auf den
menschlichen Organismu» und auch unterschiedlich je nach dem
Seelenzustand des Menschen wirken, ist eine alte Ersahrung, die
ieder Mensch selbst nachprüfen kann. Aber erst die Unter
suchungen, die Professor Maynard seit zehn Iahren angestellt
hat, ermöglichen «in« praktisch« und genaue Auswertung dieser
Erfahrungstatsache. Jetzt ist in Chikago «in neue» Krankenhaus
erbaut worb«n, da» nach Maynard» Grundsätzen eingerichtet ist.
Dl« Abt«Ilung b«r Nervenkranken Ist In erbsengrüner Farbe
deholten, die erwiesenermaben so beruhigend wirkt, dab sogar
?m öeutjHen Sauern grüßen wir unser Volk
Tobende nach längerer Einwirkung dieser Farbe — sie w«rben
auch durch starke» grüne» Licht bestrahlt — zur Ruhe gebracht
werben können. Die blaue Farbe hebt die Lebenskräfte und
wird im Spital In der Rekonvaleszenten-Abteilung benutzt. Sie
wirkt verkürzend auf die Erholungsdauer. Die an Schlaf
losigkeit Leidenden werden der Wirkung der gelben Farbe aus-
oesedt, da diele Farbe den Organismu» stark ermüdet und da»
Schlasd-dürfnis erhöht. In zitronengelben Zimmern werben
Appetitlos» unb durch Operationen Geschwächte untergebracht.
Die neutralste Farbe ist — nach Professor Maynard — die
weiße. Ihre Wirkung Ist die geringste, und sie wirb al» be
herrschende Farbe in den Räumen der zu Operlerenden ver
wendet, bei denen e» darauf ankommt, durch keinerlei Eindrücke
beeinflußt zu werben.
Ein Schüler von Professor Maynard, Charles Woodfvrd,
versucht jetzt die Erfahrungen feine» Lehrer» bei einem Schul
neubau auszuwerten, wo die verschiedenen Farben unb Farben-
kombinationen dazu benutzt werden, die Aufnahmefähigkeit und
Aufmerksamkeit der Schüler zu erhöhen.
Kleiner Zrrtnm
Vorbereitung
An der Wandtafel hängt «in» Spartab«ll«. S«lt einem Jahr
ist si« jeden Morgen für fünf Minuten Gegenstand der oll
gemeinen Aufmerksamkeit, denn langlam, Feld für Feld, klettern
die roten Säulen aus ihr empor, bleiben stehen, überholen ein
ander und überwuchern zuletzt jede» weihe Plätzchen, da» in den
oberen Ecken noch zu lehen war. Ein grobe» Werbeschild hängt
-daneben: Ein« Pappe, über und über mit Inflationsscheinen
beklebt, in der Mitte eme ausgeschnitten« Globuskart« und rund
herum in weißen Lettern der Vers: Hätten wir so viel gute» Geld,
reisten wir um die ganze Welt. Da» Schild wt seine Wirkung,
ein Spartops füllt und leert sich viele Male unb aus der Spar
kasse wächst der Hausen, bis er groß genug ist, um vierzig Kin
dern sür zehn Tage da» Glück einer wirtlichen Reise zuteil
werden zu lassen.
Abfahrt
Also kommt der große Augenblick heran, wo diese vlerzlg,
bewassnet mit Körben und Kossern, Brotbeuteln und Ruck
säcken, am Auto stehen, vierzig Mütter die letzten Befehle und
Mahnungen erteilen — und einer mit Sack und Pack wieder
ausreibt, weil „Willi ein immer petten deit, wenn he instieg^n
will". Er wird unterwegs aufgegriffen, und nur unter dem
selten Versprechen, daß er vorne beim Führer sitzen darf, ist er
zu bewegen, an der Reise teilzunehmen.
Der Lehrer muß die Kosser verstauen, Eltern begrüben,
tausend Kinderfragen beantworten, unb zwischendurch alles be
halten, w»s ihm von sorgenden Müttern zuguterletzt noch ge
steckt wird. Also: Willi darf kein Schwarzbrot essen, Hermann
soll am Montag an seine Oma zu Geburtstag schreiben, Emil
dasselbe Mittwoch an seine Tante, vier, fünf dürfen nicht baden,
einer dagegen nur mit den Beinen in» Wasser und Hanne» muß
nachts immer noch mal hochgenommen werbe. Ja, e» soll an
alles gedacht werden. Gottseidank, die Kinder sitzen, keiner kann
herausfallen, e» zieht nicht. Der Motor springt an, der Wagen
läuft und mit „Aus, du junger Wandersinann" verabschieden sie
sich von zu Hause und singen sich aus ihre Fahrt.
Zm Helm
Nach zwei Stunden Reise in die Einsamkeit derLÄneburger Heide
wird Haus und Garten erreicht, wovon in einer Viertelstunde
mit allem Drum und Dran entschlossen Besitz ergriffen wird.
Aber — ber erste grohe Erlab verkündet, dab Apfelbäume un
antastbar sind, dab e» eßbare und gistige Pilze gibt, dab die
Bickbeerenzeit vorbei und die Brombeeren noch nicht reis sind.
Ferner mub gelernt werden, wie man ein Zimmer ohne Mut
ter, Hilfe in Ordnung hält, wie man ein Bett macht, und die
Sachen fo verstaut, dab die Stieselwlchs« nicht aus da» Lese
buch zu liegen kommt.
Die erst« Mahlz«it vereinigt all« im Ebzimmer, unb «s stellt
sich heraus, „bat dat Eten hier sauber i». wat?" Ein Wett
kamps mit klappernden Lössels wirb ausgeiochten, unb wer die
meisten „Teller" hinter sich bringt, bleibt Sieger. Tin Gute»
ist dabei: auch diejenigen kommen zu ihrem Recht, bie im Hauje
dieses Gericht vielleicht nicht angerührt hätten, aber die Macht
der Suggestion regt ihren Appetit gewaltig an und labt sie
ihren — meist eingebildeten — Widerwillen überwinden.
Der Kriegsschauplatz
Hinter dem Hause dehnt sich ein ungeheurer, vielfältiger
Wald, bestehend au» den verschiedensten Baumarlen, die in
ihrer Zusammensetzung und Gruppierung fortwährend adwech-
feln. Er ist stark hügelig und hin und wieder durchzogen von
kleinen Wasserläusen. Dieser Wald ist sür zehn Tage Schau
platz der Spiele von vierzig Jungen. Für sie, die Großstadt-
kinber, ist er ein« Anlage, aber zu Ihrer Freude «ine Anlage,
in b«r fast nicht» verboten ist und wo kein Mensch sich blicken
läht. Da» Ist unfaßbar. Wenn sie sich etwa» gebaut haben, so
sinb sie In gröbter Sorge, e» am nächsten Tag« unversehrt wieber
^vorzufinden, «s könnt« doch zu leicht sein, dab jemand dabei
gewesen wäre. Wer denn? Die Leute. Gibt es hier nicht. Di«
Bauernjungs. Die haben keine Zeit, Im Wald zu spielen. Der
Förster. Der kommt bier gar nicht vorbei. Der Wächter. Wel
cher Wächter? Der Wallschieter! Ach so!! Ja, ba» sinb Grob-
stadllinder.
Austoben
„Verband, Verband, erlZst", hallt e» nachmittags durch ben
Busch, wo mannshohes Ft ikraut wächst, und Tannen. Birken
und Heidekraut die Verst» !e abgeben. Turnhosen in allen
, Karben sieht man in der schrägen Sonne aufleuchten, braune
Rücken, zu denen man ben Namen nicht weiß unb akräh,
akräh in allen Tonarten. Ist ba» ein Spiel! Drüben bei ber
Tobesbahn gebt es noch toller zu. Sie lausen einen Berg auf
gewundenen Pfad in rasender Geschwindigkeit hinunter und
lassen sich von ihrem Lehrer flu, der Lust wegsanqen. Drei-,
viermal dreht er sich mit ihnen im Kreise und setzt sie wohl
behalten aus ben Boden nieder. Ausschwinqen nennen sie das —
bis der Lebrer erschöpft ins -Heidekraut sinkt. Mit vlenia Hände»
paaren baben sie einen Baumstamm über einen Walbbach ae-
wälzt und nun spielen sie Balanceakt, mit Wlp?»n. Hüpfen. Be
gegnen. Schnelläufen unb Lan,enstechen in der Mitte des Stam-
mcs. Eine Fuchsjagd beschließt den Reinen dieser oiisaesalsenen
Sviele. Der Lehrer zieht durch das Gelände unb lockt mit seiner
Pfeife die Schar hinter sich her. Sie verlieren die Snur und
rufen durch die bohle Hand: .Ton angeben!" Zwei Bauern
kinder werden gefragt: .Hebbt jl nich so 'n lonaen K-rl s->bn. mit
Schlägermütze und Aeppelklauerbüchsen?" Endlich sind sie nahe
heran und liehen vor einem Tannenl^lag. in dem er sitzen
muß..KlauN baust du bor borch? Man los. bu Felqlina!"
Endlich entschließen sie sich, hindurchzustreisen. Der i5»ck»s wirb
ausgestöbert und kriegt eine gehörige Lage auf ben Balg.
Basteln
Walser Ist unb bleibt kür Kinber das beklebtest« Spielzeug. Be
sonders fließendes Masser. wie der Walbbach. ben si« eines
Tages entdecken. Nun gibt es kein Halten mehr. Stromauf,
stromab wirb reguliert, gestaut unb qeschl-ust, als aälte es. »Ine
Sintflut zu verhindern. Der Lehrer sitzt indessen auf der
Waldwiese unb schnitzt Heimlicherwelse eln Mühlrad, das von
mm ab Tag «nb Nacht in Betrieb ist. Ein» Tongrube wirb zum
Uebersluß auch noch ausgemacht, die Folg» ist, daß in zwei
Tage» stromabwärts ba» Modell einer Wasserburg au» de»
Nicht» ersteht, mit Türmen, Wehrgängen, Zugbrücken, Binne»-
hösen und Umslutungsgräben. Ander« baue» inzwischen «in«»
Knüppeldamm, um an einer Furt «inen befahrbar«» Flußüber-
aang zu schallen, für Fußgänger entsteht «ine richtige kleine
Brücke Schließlich erkundet «in« Pfabfinbergrupp« de» Laitf
und di« Herkunst d«s Flusse, »nb bespricht sich über „Sied
lung, Möglichkeiten".
Lade«
Ein größerer Bach schlängelt sich, nicht Welt vom Heim,
in einem lieblichen Tal durch da, Land. An einer Stelle bil
det ein flache» Wehr, durch welche, da, Wasser ungehemmt hin-
durchströmt und über «ine Schwell« in «I» tiesere» Loch strudelt,
eine herrlich« Badegelegenheit. Nun h«ißt «», von dieser Schwelle
einen Kopfsprung in d«n Strub«! zu machen und sich zwei Meter
vom Strom tragen zu lassen, um wieder Grund unter die Fübe
zu bekommen. Für die Könner besteht hier ein» G»l»genheit, zu
glänzen, di» Nichtschwimmer jedoch tostet e» «in« erheblich«
Ueberwindung, sich für ein« Sekunde dem Ungewissen. Gefahr
vollen auszuliefern. Mvich« lernt schwimmen durch diese Not,
ohne dab er e» merkt «nb wagt e, nach dem ersten glücklich
verlaufenen Versuch einmal über ba» ander«: di« ganz Aengst-
lichen und Drückeberger verziehen sich inzwischen hinter die
Weiden, lassen Martenkäser Wettlauf machen an Stöcken, well
die einen Drang nach oben haben, um von der Spitze de»
Stocke» in ihre Freiheit zurückzusurren, oder sie setzen Gra»-
hüpser in Streichholzschachteln au», lassen si« über» Wasser tan
zen unb weiden sich daran, wie di« tapferen Tierchen sich zu
weilen durch einen angstbeflügelten Sprung an» User zu retten
versuchen. Di« harmlosen unter ihnen sitze» in ben Schlehborn-
büschen unb verschaffen sich mit „Multreckern" «in«n zweifelhaf
ten Genub-
Schandtaten
Einer dieser kleine» Wiesenzwerge macht flch durch solche.
Treiben mißliebig und verfällt dem Gericht ber Klass». Er wird
herbeigeschleppt, ausgezogen unb in» Wasser getaucht. Unter
fürchterlichem Gebrüll verkündet er, daß er bestimmt „noh Hu»
lopen deit": und richtig, am nächste» Morge» entdeckt sein
Zimmeraenosse. dab er abgehauen ist. Nun denkt ber, sowas
gibt's hier nicht, immer hübsch aus dem Teppich bleibe», macht
sich auf, läuft hinterher unb findet den Getränkten vor dem
nächsten Dorf auf einem Stein sitzen. Triumphierend bringt er
den Ausreiber wohlbehalten und versöhnt mit sich und der
Welt ins Heim zurück.
Dasür ist er Hauptmacher bei einer anderen Schandtat. Uralte
Febde zwischen Stadt- und Landjungen! Sie können, wie Hund«,
nicht aneinander vorbei, ohn« sich n«ugi«rig zu beschnüffeln, ohne
mißtrauisch zu werden, ohne sich gegenseitig zu beklässen und
ohne «ine Keilerei anzuzetteln. Bauernjung, aus dem Rad
werden von «in«r U«b«rmacht angegriffen unb in «in« verzwel-
felte Lag« gedrängt. Ei« n«hmen lyre Zuflucht zum H«lm. wo
gerade ber Gewaltig» d»» Dorf», sitzt und ben Lehrer zur
Rechenschaft zieht über di« mutwillig« Zerstörung eln«r Schutz-
Hütt«, vi« auf seiner Kuhweid« stand. Di« Uebeltäter hier unb
da werden herausgestellt und entschuldigen sich weinend und
zitternd in der Laube, in der da» schreckliche Gericht tagt.
„Peter hat gesagt, wir dürfen das", unb Peter sagt, „ich dachte,
wir dürften das.!" und hinterher: „Mensche, Peter, de krigt
di vielleicht ne Haube, aber n beeten ganz bannig."
Waldfest
Auf »ln»r großen Streif« «ntb«cken dl» Buschläufer «ln«
Mulde, dl« wie «ln« Fr«ilichtbühn« aussieht unb für «in Wald
fest wi« geschaffen ist. Heimlich bereiten si« klrin« Ueberraschun-
gen vor, und eines Tage» heißt «s d«im Nachmittagskaffee: h«ut«
Schnitzeljagd! Der Lehrer Ist der Fuchs. Er hat sich «tllch«
Päckchen Keks verschalst mnd streut nun mit diesen nahrhasten
Schnitzeln ein« Spur auf d«n Festplatz, wo schon vorher «in«
Kasperbude ausgeschlagen ist. Di« M«ut« d«r kekssuchenden
Jäger stürzt hinterher und findet nach kurzem bi« Mulb«, wo
zu ihr«m Erstaunen und Entzücken jemand seelenruhig Kasper
spielt. Kasper beim Zahnarzt! Darauf wickelt sich an diesem
Ort ein „pausenlose» Programm" ab: Flötenfpiel, Akrobatik,
Lpielgedlchte,, gemeinsame Lieder, die vielgespielt« und immer
wieder verlangte ElownszeNt zweier Artisten au» ber Klass«:
Der Apselschuß (mit geklauten Aepfeln) und zum Schluß wieder
Kafp«r: Schmeling gegen Neufel.
Zu dreien formiert, ziehen sie mit sinkender Sonne Ihrem
Heim zu und schmettern ihr Lieblingslieb in bie Bäume hinau»:
Der Jäger in dem grünen Wald. Eine Stunde später schlafen
sie schon.
Finale
Einer ist dabei, der mehr zu sagen hat, al» all» vierzig zu
sammen und doch ßegen so viel ungebrochen« Lebensfreude und
kindlich« Einfalt nichts in bi« Waagschale zu wers«n hat al»
sein« Autorität, ba» ist ber Herr Lebrer. Er kann nicht» weiter
tun, al» jeder guten Neigung ihr Recht zu verschaffen, jedem
Einfall eine fruchtbare Form zu geben und jedem Unfug ein
gütige», aber bestimmte» Nein entgegenzusetzen. Da» erfordert
«inen Tag wie den anderen ein gerüttelt Mah an Aufmerksam
keit unb Bereitschaft. Erst wenn ber letzte Flüsterton Im Bett
verstummt ist, wenn mit einem Schlaflieb aus der Flöte der
Tag lein Ende gesunden bat, wenn die sternenfunkelnd« Nacht
über dem «Infamen Hügel herauszieht, hat der Herr Lehrer fem«
Ruh.
Nach «ln«m letzten Rundgang sitzt «r In f«ln«m Strohhäus-
chen bei Petroleumlicht, um über den vergangenen Tag noch
einig« schriftliche Notizen zu machen. Danach atmet «r er
l«icht«rt auf und ist Im B«grisf, zu B«tt zu gehen unb sich
einem traumlosen Schlaf zu überlassen. Aber — e» fehlt da»
Schlubgebet. Er muß noch einmal hinau». Mit spitzen Fingern
saßt er da» zweifelhafte Kleidungsstück eine» feiner kleinen
Sünder und schleicht über ben Hof. Die letzte Viertelstunde diese»
Tage, steht er im Mondschein an ber Pump» unb wäscht etwa.
Hartgetrocknetes au» ein»r Hos» au,. Echulm«istersr«ud»n..
Joachim Stave.
Schnee im Allgäu
»W«r ba» «» bloß wieder I», — ble Glimme kommt mich
boch so bekaant vorl .
DNB. K«mpte». 3. Oktober. Während e» im Tal bei starkem
Temperaturrückgang 84 Stunden lang regnete, flel In ben Ber»
gen In der Nacht Schnee. Der Schnee reicht bi, über die Wald
grenze herab. Alle Berggipfel glänzen im Winterschnee.
Pr?f. Dr. Wilhelm Michaels«», früherer Hauptkuslo» am
Zoologischen Museum und Etaatsinstilut in Hamburg, begeht am
S. Oktober ben 75. Geburtstag. Gebürtiger Hamburger, Sohn
«ine» Handwerker», machte er zuerst bi« L«hrzeit im Maschinen
bau durch unb «rst nach b«m Besuch ber Gewerbeschul« könnt«
«r mit 21 Iahren am Harburger Realgymnasium di» Reise-
prüsung bestehen. Er studierte dann in Leipzig und Kiel Natur-
wilsenschasten unb trat 1887 in den Dienst de» damaligen
„Naturhistorischen Museums« in Hamburg. Drei Forschung,-
reisen verschafften ihm seine Weltgeltung al» Tiergeograph und
systematischer Zoolog. 1892/93 bereiste er Sübpatagvnien und
Feuerland, I90S Südwest-Australien und 1S11 Deutsch-Süb-
westasrika, Rhodesia unb Natal. In vier großen Sammelwerke»
hat er die Ergebnisse dieser Reisen niedergeltgt und dadurch die
Kenntnl» der Land- unb Wassertiere ber südlichsten Bezirke
Amerika» Australiens und Asrika» erschlossen. Anerkannt erst»
Größ» ist Michaelsen aus ben Evnbersorschungsgebleten der
höheren Würmer und ber Manteltiere. Durch sein« Feststellungen
über die geographisch« Verbreitung ber zahlreich«» v«rschi«d»nen
Arten der Borstenwürmer (Chätopoben), d«ren bekanntester Ver
treter der auf ber ganzen Erde vorkommende Regenwurm ist, hat
er bie Wegenersche Lehrmeinung von der Kontinentalverschiebung
wesentlich gestützt. 1928 ernannt« ihn dl« Westaustralisch« Ge
sellschaft (Royal Society of Western Auftralia) zum Ehren
mitglied.
Der.moralische" Sanner
Ein alter Sünder war ba» achtzehnte Mal in da» Pariser
Sante-Gesängnl» eingeliefert worden. Der Fall erregte ziem
liche» Aufsehen, und ber Verteidiger, ber dem Mann gestellt
Verben sollte, wurde mit Umsicht ausgesucht. Der Rechts
anwalt kam In die Zell» seine» Mandanten, um sich über seine
jüngste Verfehlung zu unterrichten, aber ber Häftling wehrt«
ab: „Dank«. m«In H«rr, Ich brauch« Li« nicht. Ich bin fest
«ntschloss«», bi«»mal bi« Wahrheit zu sag«»."
Di«s«r Tag« traf «I» seltsamer Deltrelsenber k» Wie» ei».
?» ist dir, der am«rikanisch« Cowboy GuiUaum« Stork, d«r «it
«i»«« Fahrrad «in« R«if« durch di« W«lt a»»
g«tr«t«o hat. Schon f«it 1934 ist «r unterweg» und hat
ver«it» Holland, Belgien, Frankreich. Spanien und Itali««
durchfahren. Dann fetzt« «r fein« Reise durch Deutschland fort,
um in d«r nächst«» Ziet »ach Ungar» und Rumänien z» fahren.
Ueberall, wo d«r radfahr«nd« Cowboy hintan», wurd« er von de?
Menge bewundert und über feine weiteren Pläne ausaesragt.
Hauptfächlich di« Kinder konnten au» dem Staunen nicht heraus-
kmmen. So «In«» «cht«», imv«rsälscht«» Towboo hatte» sie
noch nicht gefrh«». Di« schön«» lang«» Lederhvje» mit de»
Franfen, und das bunte Hemd mit dem rote» Halstuch — genau
wie sie e» in den Bücher» gelesen hatten. Ja, selbst die Yv!,«H
Ledermanschetten und der große Hut fehlte» nicht.
Wie englische» Blättern au» Mo»kau berichtet wirb, soll vor
wenigen Tagen in den verstaubtea Archiven de, Museum» ber
Stadt Kargopol die ziemlich nah« d«r finnisch«» Gr«nze liegt,
da» Tag «buch d«» Christoph Columbu», d«, Ent
decker» Amerika», gefunden worden fein. E» soll sich um die
eigenhändigen Aufzeichnungen de» groben genuesische» See
fahrer» handeln, die er aus seiner kühnen Fahrt über da» große
Meer, immer nach Weste», gemacht hat. Auch eine Widmung
soll sich unter den aufgefundenen Dokumenten befinden, au» der
hervorgeht, daß er diese, Tagebuch seinem Sohne Diego ver
macht hat. Das Tagebuch trägt ba» Datum vom 3. August de»
Jahres 1492.
E, ist nicht festzustellen, wie weit e» sich bei dieser Meldung
au, Rußland um eine Mystifikation handelt. Jedenfalls ist «»
nicht ohne weitere» ersichtlich, aus welchem Weg ba» Tagebuch
de» Entbecker, Amerika» ausgerechnet in di« Archiv« «ine,
kleinen russisch«» Museums gelangt sein soll.
»
Durch ba« vorbildliche unb geistesgegenwärtige Verkält«»
de, Fahrdienstleiter, wurde auf dem Bahnhof Berlin-Schmar
gendorf noch im letzten Augenblick ein schwere» Unglück
vereitelt. Wenige Sekunden bevor «in Stabtbahnzug m
den Bahnhof «infuhr, «rlitt plötzlich «in bl>jähria«r Mann, b«r
aus b«m Bahnsteig wartet«, H«rzkrämpf« und stürzt« kopfüber
auf bi« Gl«if« hinunt«r. D«r Bedauernswert« wär« zweifellos
von dem herannahenden Zuge überfahren worden, wenn nicht
in diesem Augenblick ber Fahrdienstleiter, ber den Vorfall be
obachtet hatte, geistesgegenwärtig bazwischengesprungen wäre.
Al» der einfahrende Zug nur noch wenige Meter entfernt war,
riß er ben Mann unter eigener Lebensgefahr auf ben Bahn
steig zurück. Der Bewußtlose wurde in den Dienstraum ge
bracht, wo er sich nach einiger Zeit wieder etwa« erholte. Em
inzwischen herbeigeholter Pollzeibeamter sorgt« bann für stine
U«b«rführung in das nahegelegen« Gertrauden-Krankenhaus.
Der Inhab«r de» N«ba-W«rke» kn München, Eduard
Palm, leiert heute in voller geistiger und körperlicher Frifche
seinen 70. Geburtstag und kann gleichzeitig aus «in« SSjähng«
erfolgreiche Tätigkeit in der pharmazeutische» Branche Mück-
blicke».
DNB. Wie«, S. Oktober. Bei einer Klettertour am Etabl-
wanb-Grat im Schneeberger Gebiet stürzte «in Bergsteiger
3<i Meter ties ab. Er wurd» von seinem Gesährten am Seil ge
halten. Einer Rettungsexpedition gelang es nach 24 Stun-
d»nschw»r»r Bergarbeit, zu den beiden vorzudringen.
Während dieser ganzen Zeit sichert« der unverletzt gebliebene
Bergsteiger seinen bewußtlosen Gesährten.
DNB Frlebrlchshasea. S. Oktober. „Graf Zeppelln" ist
Mittwoch um 21 Uhr von seiner 13. diesjährigen Südamerika-
sahrt nach Friedrichshofen zurückgekehrt. Die Führung des
Schiffes hatte Kapitän von Schiller. Um 21 Uhr LS Min. landet«
es glatt. Am 7. Oktober wird da» Luftschiss seine nächst« Fahrt
nach Pernambuco antreten. ^
DNB. Gwinemiiade. S. Oktober. Zu einer schwere«
Schiss»tvllifion kam es im Stettiner Haff zwischen dem
Hamburger Dampfer „Derindje" von der Orient-Linie und dem
Kehlendampfer „Iakobus" Fritze" aus Emden. Während der
MF
s
-S?.
Hamburger Dampfer aus ber Ausreise begriffen war, befand
sich der Emdener Dampfer auf der Fahrt nach Stettin. Der Zu-
lammenstob war derart heftig, dab beide Schiffe erhebliche Be
schädigungen am Bug davontrugen. Beide mubte« mit schwerer
Havarie den Stettiner Hafen aufsuchen. Menschen sind nicht zu
schaden gekommen. Die Ursache der Kollision ist »och nicht
geklärt.
Mache Lösung
Der Bagabunden-Dlchter Peter Hille erhielt einmal sür
ein Schiller-Festspiel 200 Mark. Kurzentschlossen setzte er sich
auf die Bahn und besuchte feine Freunde Liliencron, Dehme!
und Falke in Hamburg. Diese» Ereigni, wurde durch den Be
such verschiedener Lokale geseiert, bi» sie endlich lp einer kleine»
Kneip» landeten, wo si« ungezählt« Kümmel tranken. Peter
Hille, durch unregelmäßig« Nahrungsausnahme geschwächt, siel
bald der Läng« nach auf «in« Bank unb war «b«n im Brgriff«
«inzunick«n. Ab«r auch di« and«r«n dr«i Freund« standen nicht
mehr ganz sicher aus ben Beinen. Liliencron, al» der Trink
festeste übernahm es, di» Rechnung zu begleichen.
,F7 Kümmel zu S Psennig," rechnete ber Wirt, „macht
4L6 Mark."
„4F6 Mari? Dasilr hätten wir ja brei Flasche» trinke»
können!" entsetzt» sich Liliencron.
^Selbstverständlich wären Sie dabei besser weggekommen."
Diese Auseinandersetzung drang noch in» Bewußtsein Hille»;
Kleber wat streitet ihr euch denn? Det können wir ja noch."
IvngZsom-(A-l.omp«n kviksn ii« ncick nsvvn voppslspisols. clis iknon bi» ru
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knii»! «U» V.?7 iI» >>? UM

Bronvermelding

Staats- en Universiteitsbibliotheek Carl von Ossietzky, Hamburg, Hamburger Anzeiger (PPN hamburger-anzeiger), donderdag 3 oktober 1935, pagina 11




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De transcriptie van het historische document is gemaakt met behulp van geautomatiseerde handschriftherkenning. Er kan hier ook geautomatiseerd een samenvatting van worden gemaakt in hedendaags Nederlands.

Met Plus leest u oude teksten in hedendaags Nederlands. Deze functie hoort bij Open Archieven Plus. Plus kost € 22 per jaar.

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