Blader door transcripties » Staats- en Universiteitsbibliotheek Carl von Ossietzky, Hamburg



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T
'
Nr. 500.
Donnerstag, den 1. Oktober 1908.
Hambnrgifcher Correspondent.
I.
Morgen-AnSgabe.
Letzte Celegramme.
Nachdruck. telearavbNLk öfter tcleobontfdx verdrettuna nicht aevattet«
/^eue I^Zmpfe tm böhmischen l-andtage.
Prag, den 30. September. Anläßlich der heutigen La n d-
tagssitzung wies die Galerie einen starken Besuch auf. Vor
dem Landtagsgebäude hatte sich eine große Menschenmenge angesammelt.
Zu Beginn der Sitzung brachte Dr. Per gelt namens
her Deutschen einen P r o t e st ein. Er bczeichnete die Abcndsitzung
vom ftteitofc für unrechtmäßig und daher als null und nichtig. In
folge dessen sei auch die Ankündigung des Oberstlandmarschalls, die
nächste Sitzung solle heute stattsinden, als ungültig anzuschen. Die
Deutschen konstatierten deshalb, daß sie alles, was in der heutigen
Obstruktion der Deutschen als leichtsinnig und grundlos, denn die
Frage der Anstellung eines deutschen Aktuars sei ganz dem Gesetze
gemäß mit der Zustimmung der deutschen Beisitzer des Landesaus-
schusses gelöst worden. Hierauf folgte die Ber esung des Einlaufes.
Darnach wurde die Erklärung des verfassungstreuen
konservativen Großgrundbesitzes verlesen, in der
u. a. die ,n der letzten Sitzung erfolgte Absingung der „Wacht am
Rhein" bedauert und gemißbilligt wird. Der Oberstlandmar-
s ch a l l-S t e l l v e r t r e t e r verwahrte sich dem Abg. Swehla
gegenüber, betreffs des Vorwurfes der Verletzung der Unparteilichkeit.
Abg. Schreiner besprach in einer längeren Rede, wobei
es wiederholt zu lärmenden Kontroversen zwischen Deutschen und
Tschechen kam, das Vorgehen der Tschechen und betonte, es handle
sich bei den Beschwerden der Deutschen nicht um die Aktuarfrage,
sondern darum, daß diese nur ein Symptom für die Zurücksetzung
der Deutschen auf allen Gebieten sei. Die „Wacht am Rhein" sei
kein hochverräterisches Lied, sondern nur ein Loblied auf das
Deutsche Reich im Kampfe gegen Frankreich, ein symbolischer Kraftgesang
der Deutschen gegen ihren Erbfeind. (Stürmischer Widerspruch
bei den Tschechen, lebhafte Auseinandersetzungen zwischen
Deutschen und Tschechen.) Nach einer Polemik Skardas, der be-
tonte, daß die Tschechen patriotisch wären und ihre Wünsche immer
nur im Nahmen des Staatsgedankcns geltend machten, wurden
abermals Anträge verlesen. Abg. M a l y verlangte zu einem Antrag
namentliche Abstimmung, was der Oberstmarschall als unbe-
r^^ttägt zurückwies. (Nene stürmische Auftritte auf den Bänken
der Deutschen. Es wird gepfiffen, Trompete geblasen, geschrieen,
gezischt.) Abg. Pergelt erhob Einspruch gegen die Nichtzulassung
des Antrages Maly. (Großer Tumult.) Unter allgemeiner Erregung
schloß der Oberstlandmarschall die Sitzung und beraumte die
nächste Sitzung auf Freitag an.
Bulgarien unct clie Orfcef.
Konstant!nopel, den 30. September. Jkdam zufolge beschloß
der Ministerrat, daß den 400 bulgarischen Offizieren
und Notabeln, die Adrianopel besuchen werden, ein herzlicher
Empfang bereitet werde. Dieselbe Zeitung meldet, daß der bulgarische
Agent Geschow demnächst hierher zurückkehren wird.
Zu der Angelegenheit Gei'chow wird noch berichtet, daß der Ober-
zeremonienmeiswst Galib Bey demissionierte, weil in der Note der
Pforte gesagt wurde, er sei schuld, daßGeschow an der letzten Kollektivaudienz
teilnahm.
König peter und der Kontgsmord.
P. München, den 30. September. (Privattelegramm.) Der
serbische Schriftsteller. Iwan. Turtkowitsch veröffentlicht in der
Oesterreichsschen R-Mvschoc'" /nteressante Enthüllungen über
di e-Dh'n a st i e Kara Gebrgewitsch. aus denen die Münchener
Neuesten Nachrichten einen Auszug bringen. Der Verfasser
wiederholt zunächst, daß Belgrad der Mittelpunkt einer Agitation
zur Revolutionierung Bosniens und der Herzegowina sei. Im
Jahre 1903 sei bereitsPlan zur Beseitigung des Fürsten
Ferdinand von Bulgarien sowie des Fürsten Nikolaus von Montenegro
gefaßt worden. König Peter habe von dem Plan der
Ermordung Alexanders und der Königin Draga gewußt. Ter
ich den König Alexander und die Königin Draga ermorden und
Peter Kara Georgewitsch aus den serbischen Thron bringen will."
Der frühere Minister Gentschitsch sei wiederholt zum Prinzen
Peter nach Genf gereist, um ihm das Versprechen abzunehmen, daß
er die Verschwörer nicht zur Verantwortung ziehen werde,
ermelr dieses Versprechen. Da sich die Verschwörer hier
mit nicht begnügt hätten, habe Gentsichtsch abermals noch Genf reisen
und den Prinzen Peter zu folgenden. Schwur veranlassen müssen:
,Jch, Prinz Peter Kara Gcoraewitsch. schwöre bei meiner Ehre.
,aß solange ich und meine Nachkommen auf dem serbischen Thron
ind die Verschwörer und ihre Nachkommen nicht gerichtlich ver-
olgt werden, und daß ich ihnen die höchsten stellen im Lande
ichern will." Dies Schriftstück sei der eklatanteste Beweis für die
Mitschuld des Königs Peter an der Blutnacht des 11. Jun» 1903,
ebenso dafür, daß sich der König vollständig in den Händen der
Verschwörer befinde.
öcbacbwetthampf Laofcer-CarraTcb.
g. München, den 30. Septeinber. (PrivattelearammJ
Die 16. Portie (spanisch) wurde von Dr. L a 8 k c r gewonnen
in 28 Zügen nach vierstündiger Dauer. Der Wettkampf ist beendet,
Dr. Lasker ist Weltmeister ge bl i« be n, nachdem
er acht Partien gewonnen hat. Dr. Tarrasch hat dreimal gesiegt;
5 Partien wurden remis.
Professor Koch Uber die CuberhuloTe.
Washington, den 80. September. Professor Kock, sprach
heute auf dem Internationalen Tuberkulose-
kongreß über di« Bestehungen der menschlicl-en zu der
Ntnder-Tubcrkulose. Er sagte u. a., er betrachte die Methoden
dcS Nerv Korker GesundhcitSrates zur Bekämpfung der
Tuberkulose als mustergültig, und sprach die Hoffnung aus,
daß die New Korker Methoden bald in Deutschland zur Anwendung
gelangen möchten, insbesondere die strengen Bestimmun,
gen bctr. zwangsrvets« Anmeldung und Entfernung tuberkulöser
Patienten. In der Nachmittagssitzung wiederholte Professor
Koch »eine auf dem Londoner Kongreß geäußerte Ansicht,
daß die Rinder-Tuberkulose auf den Menschen übertragbar sei.
Die Untersuchungen hätten bis zur Gegenwart diese Ansicht bekräftigt.
l^uftscbiffadrt.
„. Paris, den 30. September. (Privattclegramm.) Ter
Bau der Wrightschen Flug Maschinen ist in Frankreich
bereits ausgenommen worden, und zwar hat das Weiller-
Syndikat eine Fabrik mit der Herstellung der Flugmaschinen,
und zwar einstweilen 50 Stück beauftragt. Weiller läßt erklären,
daß er seine Interessen den Interessen Frankreichs un-
terordnen werde. Er denke jetzt an die Rolle, die di« Aärv-
plane im Kriege spielen könnten, zu Lande und auch zu Wasser.
Statt eines einzigen Panzerschiffes könnten 50 Aero.
plane gebaut werden, keine Flotte der Erde würde diesen
Sprengstoff-Schleudermaschinen widerstehen können.
Chülons * sur * Marne, den 30. September. Der Luftschisser
Farman mußte bei einem heute nachmittag unternommenen
Fluge wegen eines Defekts an seinem Ae-roplan
landen, nachdem e: 36 Kilometer in 37 Minuten zurttckgelegt
hatte.
8>. Mailand, den 80. September. (Privattclegramm.) Die
erste Probefahrt des gefesselten Militär-Luftschiffes
über den See Bracciano erzielte einen günstigen Erfolg.
Marokko.
Tanger, den 30. September. Zur Wahrnehmung der spanischen
Konsulargeschäfte in Fez veisie ein Berufsbeamter
der hiesigen spanischen Gesandtschaft über Larrasch dorthin
ab.
Paris, den 30. September. Ministerpräsident Clemencearr
wird dem Präsidenten Fälliges morgen ein Dekret zur Unterschrift
vorlegen, durch das d ' A ma de zum Divisionsgeneral und
Admiral Berryer zum Kommandanten der französischen
Seemacht in Marokko ernannt wird.
Cbolera-J^acbricbten.
St. Petersbrrrg, den 30. September. In den letzten 24
Stunden bis heute mittag sind 223 neue Erkrankungen und 93
Todesfälle an der Cholera verzeichnet worden. Die Zahl der
Kranken beträgt 1836.
Sofia, den 30. September. Einer Mättermeldung zufolge
wurden in R u st s ch u k zwei Cholerasälle fcstgestellt, vcn >»enen
einer tödlich verlief. Beide Fälle sollen durch eiu russisches
Dona, schiff eingeschleppt worden sein.
■
sp Gmben. den 30. September. (Privattelegramm.)
Die königliche Meliorationsversuchsanstalt zu Voßbarg übertrug
den Hanseatischen Sienvens-Dchuckert-Werken in Ha.nbuvg die
Alleinkonzefsion zur Ercichtunß und zum Betrieb einer großen
elektrischen Zentrale mit Toriseuerung im Auricher Wiesenmoor
> jt f r i <
zwecks Versorgung aller Städte O
Islands
mit elektrischem Licht »nd elektrischer Kraft
auf 75 .Jahre.
Eydtknhnc«, den 30. September. DaS deutsch-oftafia-
tische Ablösung»-Kommando in Stärke von 7 Offi-
zieren und 5« Mann kam heute nachmittag 8M» Uhr hier an.
Major Thünnnel vom Krtegkmlntsterium empfing das Kommando.
Er hieß die Trnprun in einer Ansprache auf deutschem
Boden willkommen, hob die russische öwstfreundsclnift
hervor und brachte ein dreifaches Hurra auf den Deutschen
Kaiser ans. Die Truppen werden von hier »»ach dem Truppenübungsplatz
AryS befövdert» wo die Entlassung der Mannschaften
erfolgt.
Mainz, der, 30 September. Der Kongreß der Association
literaire et artistique internationale beschloß
in den heute beendeten Verhandlungen, beim ReichS-
jnstizamt zu beantragen, daß die Schutzfrist für Werke der
Literatur und Kunst auf fünfzig Jahre verlängert werde.
München, den 80. September, lieber die feierliche Aufstellung
der BiSmarck-Büste des Bildhauers Professor
Erwin Kurz in ber Walhalla wurde vom Prinzregentcn
Bestimmung getroffen, daß die EnthüllungSfeter am 18. Oktober,
dem Gedenktage der Völkerschlacht bet Leipzig, in einfacher
aber würdiger Weise stattsinden wird, wie dies den Traditionen
bei der Aufstellung von Büsten in der Walhalla entspricht.
Mit der Vertretung deS Prinzregenten bet der Feier
ist der Borfitzende deS Ministerrats, Staatsmtnister Frhr.
v. Podewilö beauftragt, außerdem wirb auch Kultusminister
Dr. v. Mehner zugegen sein. Die Teilnahme des Reichskanzlers
Fürsten Bülow an der Feier steht in Aussicht.
München, den 80. September. Der König von Spanien
kehrte heute nachmittag mit^ Sond^ug von^ Landau hierher zurück
chfet
nach Budapest ab.
und begab sich nach kurzem Aufenthalt nach Tegernsee zur Herzogin-
Witwe von Sachsen-Koburg-Gotha. Abends reiste das Königspaar
ns. Wien, den 30. September. (Privattelegramm.) In
hiesigen bestunterrichteten Kreisen erhält sich andauernd das
Gerücht, di« Annexion Bosniens und der H e r z-eg o w t n a
»verde in allernächster Zeit proklamiert werden, entweder iu
der Thronrede bei der Eröffnung der Delegationen aur 8. Ok-
tober, oder noch früher. Bei den Zusammenkünften der Minister
ln den letzten Monaten sei in dieser Beziehung volle.
Ucbereinstimmung erzielt worden, nur England, verhalte sich
noch abioartcnd.
London, den 30. September. Die Staatseinnahmen
im letzten Quartal weisen eine Abnahme um 2 081 293 £ gegen
den gleichen Zeitraum oes Vorjahres auf.
m. Rom» den 30. September. (Privattelegramm.) Ter
Messoggero bringt ein auch von anderen Zeitungen gegebene 9dach>
t a r i a t vorbereite. Das heilige Kollegium sei mit der Geschäftsführung
Merry des Vals, der dem heiligeu Stuhl Mißerfolg auf
. c^erfos" bereite, höchst unzufrieden und lege nahe, wiederum
Nampclla mit der Leitung des Staatssekretariats zu betrauen. Von
der Rückkehr Rampollas erhoffe man eine würdige Versöhnung mit
Frankreich, größere Herzlichkeit mit Oesterreich, geringere Härte
gegen den umsichgreisenden Modernismus und endlich eiu energisches
Auftreten gegenüber Italien. Die Nachricht ist natürlich mit
groß-r Vorsicht auszunehmen.
Floreuz. den 30. September. Der Kongreß des Instituts
für internationales Recht nahm eine Resolution
an betr. di« internationale Lage von Zivil- oder Militärpersonen,
die zur Dienstleistung bei einer von zwei kriegführenden
Nationen verpflichtet sind, ohne ihrer Nationalität nach
einer von beiden anzugehören. Di« Resolution besagt, daß auf
solche Personen dasselbe Kriegsrecht Anwendung finden soll»
wie auf die Angehörigen des Staates, tu dessen Diensten sie
stehen.
cd. St. Petersburg, den 30. September. (Privattelegramm.)
Der Zustand >der Kaiserin von Rußland erregt in
Hofkreisen große Besorgnis. Die Aerzl« dringen auf einen
Aufenthalt in Süditalien. Die Kaiserin will die Reise ohne
Begleitung des Zaren und der Familie nicht antrcten. Jedenfalls
werden die kaiserlichen Jachten bereit gehalten.
m. Konstantiuopel, den 30. September. (Privattelegramm.)
Ter frühere Generaldirektor der ägyptischen Posten» Saba
Pascha, hat einen Ruf zur Reorganisation der türki-
s ch e n Posten erhalten. (Frankfurter Zeitung.)
vkl. Konstautinopel. den 30. September. (Privattelegramm.)
1500 Griechen kamen gestern abend auf dre» Spezialdampfern
ia d:n Dardanellen an, wo sie feierlich empfangen wurden. Heute
findet ein großer Umzuy über die Brücke nach Stambul, ein
Empfang beim Großwesir und dann beim griechischen Gesandten
statt. Das Wetter ist leider schlecht. Es herrscht Sturm und Regelt.
— Nach Meldungen aus Van und Diarbekir ist die dortige Lage
äußerst bedrohlich. Man erwartet große Massakres zwischen Ar-
Kleines Feuilleton.
Zus der Kindbeit einer königlichen Libllothek.
Mau schre'-t uns aus Berlin:
ck. In wenigen Wochen wird die Königliche Bibliochck sich an-
schicken, ihre schon langst zu eng gewordenen Räume zu verlassen,
und ein den Bedürfnissen der Gegenwart und einer hofsentl'ch nicht
zu knapp bemessenen Zukunft entsprechendes Gebäude beziehen. Zwei
und ein halbes Jahrhundert ist es jetzt gerade her, daß für den
ersten Bibliothekar der neu zu begründenden Bibliothek, Johann
Raue, die Bestallungsurkunde uusgesertigt wurde. Im nächsten
Jahre, am 20. April 1659, sandte der Große Kurfürst aus seinem
Hauptquartier zu Wiborg auf Jütland an die Geheimen Räte in
Berlin de» Befehl, Raue in Eid und Pflicht zu nehmen, ihm die
vorhandene Bibliothek Band für Band nach dem Inventar zu übergeben
und ihm dann die Schlüssel der Bibliothek aushändigen zu
lassen. „Die Gründungsurkunde unserer Anstalt" nennt der
Bibliothekar an der Könialichen Bibliothek Prof. Dr. Adalberr
Hortzschansky diesen Befehl in seinem soeben bei Behrend &
Eo. in Berlin erschienenen Büchlein „Die Königliche Bibliothek
in Berlin, ihre Geschichte und ihre Organisation. Diese neue
Bibliothek zu Cölln an ber Spree, im Obergeschoß des Apothcken-
flügels des Schlosses, eröffnete dann Raue im Jahre 1661, und zwar
als einziger Beamter. 1662 wurde Johann Vorstius, der Rektor
des Joachimsthalschen Gymnasiums, zum 2., 1663 Christian v. Heim-
bach zum 3. Bibllvthekor ernannt. Dagegen mangelte es bis z^r
Zeit Friedrichs des Großen vollkommen an Unterpersonal. Ueber
den Bestand der Bibliothek sind wir ziemlich ungenügend unterrichtet.
Natürlich enthielt sie den ganzen Besitz des Kurfürstlichen
Hauses und den unter Friedrich Wilhelm erworbenen Zuwachs. Die
Hilfsmittel zur Feststellung sind die Kataloge Raues und seines
Nachfolger». Christoph Hendreich, und die Bilder, Wappen oder In-
" der gepreßten Etnbä'lde. '
I:
chrssten
Darnach sind auS dem Urbe-
stände der Bi^othek u. a. ju nennen: die 16Ö6 von Luther« Enkeln
an Markgraf Joachim Fr.edrich von Brandenburg, den Adm-ni-
stratvr von Magdeburg, für 1200 Taler verkauften Bibeln und
eigenhändigen Handschriften LutherS, auch ein Exemplar der 1494
zu Brescia gedruckten hebräischen Bibel, die Handschriften des
Trojanischen Krieges und von Flos und Blancflos, zwei unserer
besten deutschen Handschriften, da» prachtvolle Peraamentexemplar
der 43ze>l,gen Gvtenbergbibel. Den al'en kleine Bestand hatte der
Große Kurfürst gleich anfangs auS märkischen und westfälischen
Klvsterdibliotheken vermehrt. Beständig war er auf di«
Vermehrung der Bücherei bedacht. Er hat im Ganzen etwa 2000
Bande, die in seinen Privatbesitz gekommen waren, geschenkt, auch
die Bibliothek der verstorbenen Kur^ürstin Luise Henriette. Bei
Friedrich Wilhelms Tode hatte die Bibliothek 20 000 Bände Druckschriften
und über 1600 Handschriften. Der Bibliothekar Hendreich
hatte sir in die sechs Fächer Theologie, Jurisprudenz, Medizin,
Philosophie, Geschichte und Mathematik eingeteilt, bei ber Auf-
st'llung vier Formate unterschieden, und wieder innerhalb der Jor-
mate
g
ist ..
den Friedrich Wilhelm im letzten Jahre seines Lebens für die
Bibliothek begann, war für 40 000 Bände ^berechnet, die Neuaus-
u. Erinnerungen an Verdi. Ein Mitarbeiter des Avanti besuchte
im Franziskanerkloster der Frati Minori zu Cingoli den Kom-
liovanni Tebaldini, der auf dem Gebiet der geistlichen
Tebaldini erzählte dem
stellung ollte nach einer n ehr gegliederten Systematik erfolgen, die
ganze B.bl'cthek einheitlich in rotes Leder gebunden werden. Für
Bücherkcuf und Bindekosten überwies der Kurfürst der Bibliothek
die Gebühren für Dispensat'vn vom mehrfachen Hochzei:saufgebot
und für die Erlaubnis zur Eheschließung bei naher Blutsfreund-
tchaft, die in Pommern bestehenden Gebühren für Ueberschreitung
der vorgeschriebenen Patenzahl, und die nicht über hundert Taler
betragenden Lehnsstrafen. Von 1664—1692 brachten diese Gefälle
jährlich etwa 1000 A ein. Und diese Summe reichte nicht nur aus;
es konnten auch noch Ueberschüsse gchainmelt und gelegentlich für
größere Erwerbungen verwendet werden. 1827 war dieser Etat auf
24 000 A gestiegen, 1906 betrug er 186 400 A und „entspricht trotz
seiner Höhe dem Bedarfe nocl- keineswegs durchaus".
Poliklinik für Rervenmossage. Durch Verfügung des Minister»
der tzleistltcheir. Unterrichts- u»»d Medizin »lang et egen-
lieiten ist in Berlin in dem zur Cliarit^ gehörigen
Luise»,straße 11 pt. eine Poliklinik für Nerve um assage eröffnet
»norden, deren Leitung den» SpezUrlarzt für Vierventtmssage.
Oberstabsarzt Dr. Cornelius von der Kaiser Wilhelms-
Akademie, übertragen worden ist. Zweck dieser Etnrichtllng ist:
Die Behandlnng periphernervöser Leiden (Neuralgien aller
Art, znrnal Ischias, Kopfschmerzen, nervöser Magen - Da cm-
beschtverden, nervöser Herzbeschiperden. nervöser Frauenleiden,
von Unsallsneurosen und deren Beurteilung) mittels Nerven-
orassa-e. Dt« Aiifnahmestnnden sind täglich, außer Svnntzrg
und Dvir-r«rStag, ztpischen IS und 2 Uhr. Die Behandlung erfolgt
für Unbemittelte kostenlos, für Kassenkranke usw zu Mt-
nirnalsätzen. DaS Institut dient gleichzeitig als Lehrinstitut
'ür Aerzte tn der Cvrneliusschen Nerven»,assage. deren Be-
dentung für die «ielxrndlung dieser Nervenleiden mehr und
mehr anerkannt wird.
inngst
pon»sten
Musik Hervorragendes geschaffen hat.
Journallsten. wie er, der Sohn eines armen Arbeiters aus Brescia,
als Mailänder Konservatoriumsschüler sich kümmerlich seinen
Lebensunterhalt verdienen mußte Jeden Sonntag wandert« er,
mochte es regnen stürmen oder schneien, vor Tagesanbruch zu Fuß
nach einem 18 Kilometer entfernten Dörfchen, um dort beim Gottes-
dienst die Orgel zu spielen. Von Mailand ging er spä
Nürnberg, obtvohl er nicht ein Wort Deutsch verstand. In
pater nach
I entsch-
land erst lernte er die geistliche Musik und seinen großen Lands-
»nann Palestrina schätzen. Ein einziges Mal nur führte ihn das
Theater in Versuchung Jllica schrieb ein Libretto mit dem Titel
„Fantasia araba , u»ü> Tebaldini ging mit Eifer an die Komposition:
zum Amchluß ist diele Oper aber nie gelangt. Als der Meister das
Liceo Mnsicale in Parma leitete, unterhielt er herzliche Beziehungen
zu Verdi, der ihn oft nach Busseto einlud. „Verdi." so erzählt
Tebaldini, „war durchaus nicht so zugeknöpft unb grob, wie er allgemein
aeschlldert wurde- Eines Tages führte ich ihm. ohne ihn vorher
zu benachrichtigen, alle Schüler de» Konservatoriums z». AIS
wir nur noch wenige Schritte von seinem Hause entfernt waren,
schickte ich ihm eine Visitenkarte mit wenigen „erklärenden" Worten
hinauf. Er war sofort bereit, die ganze Schar zu empfangen, und
freute sich herzlich über diele Huldigung der Jugend. Einmal fand
ich den Meister mit der „Norma".Partitur und mit einem Packen
frisch beschriebenen Notenvapiers am Klavier. „Was machen Sie
da, Maestro?" fragte ich ihn. „Sehen Sie, sehen Sie," erwiderte er
levhastz „so hätte ich den ersten Akt instrumentiert. Bellini hätte
dann sicher weit größere Wirkungen erzielt." Bon lebenden Komponisten
sprach er fast nie; manchmal jedoch gelang es. ihm eine Anspielung
oder ein Wort zu entreißen, das einen flüchtigen Blick in
seine Gedankenwerkstatt tun ließ. Im Februar 1899 besuchte ich ihn
in Genua. Ich traf ihn im Palazzo Doria. Nachdem wir über die»
und jenes gesprochen hatten, kam die Rede auf Operntexte und auf
Komponisten. Ich machte irgend eine Bemerkung auf Giordano»
.^Fedora". Da versetzte »nir Verdi mit der Haird einen leichten
Schlag auf die Schulter und sagte: „Das hätte ich selbst gemacht
haben wollen!" Als dann Franmetti ertvähnt wurde, sagte er nur
das eine Wort: (Ha, der!). Die Hairdbewegung und der
leuchtende Blick ließen deutlich erkennen, wie doch er den Komponisten
des .^Kolumbus" und der „Germania" schätzte."
Ein Jndianermäöchen als Opernprimadonna. Frau
Ernestine L ch u m a n n - H« t n k, die ln diesen Tagen von
Vlmerifrt Abschied nimmt, um in ihrer alten Heimat eine längere
lüastspteltvuriiee zu absolviere»», »vlrd. »vie aus New Dort geschrieben
wird, diesmal ein« tstzr inicrcffaiUc Begleiterin mit
\
r
/

Bronvermelding

Staats- en Universiteitsbibliotheek Carl von Ossietzky, Hamburg, Börsen-Halle (PPN borsen-halle), donderdag 1 oktober 1908, pagina 5




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