Nr. »»» Teneral-Nuzeiger fSr vamvux«.Altom» vom TienStag, de» «. Oktober 1S14 HK onvral A nzeiger für Hamburg-Altona. Blatt 3 Dienötag, deuS. Oktober 1914 Sammelmappe für Kriegs - Dokumente Geiicrol-Aiizcistts fiir Dlimburg-IIioN. Mehrfachen Wünschen aus unserem Leserkreise entsprechend, geben wir jetzt auch -Ine Sammelmappe heraus, die zur Aufbewahrung deS General-AnzeigerS dienen soll. Die Mappe ist im Format der Zeitung — 3»XSZ c>„ — in Halbleinen mit Leinenrllcken hergestellt und innen mit gummierten Papiersülzen auf Schirtingrücken versehen, sodaß auch Ausschnitte aus der Zeitung sauber aufbewahrt werden können. Trotz der vornehmen Aufmachung der Mappe geben wir sie unseren Abonnenten zum billigen Preise von VF deis StÄÄ ab, zunächst nur in unserer Geschäftsstelle Eänscmarkt S1/KZ, Durch die Post als Paket zuzüglich KSH sür Porto und Verpackung — 1. Zone 40H — nur gegen Voreinsendung des Betrages. Für unsere illustrierte KriegS-Chronik in Kupfertiefdruck Das Lebe» im Bild eoHfehlen wir eine passende Sammelmappe im Format S4X32'/, vm, dt« wir ebenfalls für daS Stück an unsere Leser abgeben. Gmml-AiiMr fiir Daburg-All«. Lolialtt. Hamberg, 6. Oktober. Das Eiserne Kreuz. ipaniburg und Umgegend haben folgende Krieger das Eiserne Kreuz erhalten: Hauptmann Poel im Sleservc-Feld-Artillerie- Negiment Nr. Z8; Oberleutnant Felix Poel im Feld-Artillerie- Negimenl Nr. Liz Leutnant Gerhard Poel im Dragoner-Rcgi- ment Ar. ü; ArturPoel; Leutnant d. N. ZiegierungSrat Tr. Pocl im Feld-Artillerie-Negiment Nr. bt>; der Schwager dieser vier Brüder, Oberleutnant and Brigade-Adjutant v. Breedcnim Znger-Bataillon Nr. d; iscchs Eiserne jireuze sür die Familie Poel)', Hauptmann d. R. und LatnillonSführer Landrichter Tr. August A liiert 5; Nitt- iiicister MichahclleS, jioniinandcur der L. Jnfanterie-Munitions- iolonne-Abt^ilung im 12. Arnicctoipj; Leutnant Dr. Herbert Winter im Rescrve-Ulmien-Negiment Nr. 5>! Oberarzt Or. rnecl. P 0 ni y im Jnsaiiteric-Üicginielit Nr. !!1; Oberleutnant d. N. Dr. M. Schulz ini Fcld-Artillcric-Ncgiment Nr. 75; Stabs- und VataillonS- arzt Krcwassistenzarzt Dr. Schirow im Reserve-Jufanterie-Negi- meiit Nr. 7»; Leutnant d. R, Negierungsbaumeister Heinrich Wolfs bei der Fernsprechabteilung des II. Armeekorps <Leiter des Rcichsbank-NeubaueL)! Pizefcldwcbcl d, R. Karl Günther im Fuft-Artillerie-Nesiiment Nr. L<>; Wachtmeister Karl Nave im I. Garde-Ulanen-Ncgimenti Wachtmeister Timm im Feld-Artillerie- Negiment Nr. 45; Sergeant Peter Zastrow in der 3. Kavallerie- Division bei der 2. Maschincngewchrabteilung; Unteroffizier d. R. Edwin Wendemuth im Feld-Artillcrie-Regimeiit Nr. 5-1 (leicht verwundet, Sohn de? Bnurats Wendemuth): Motor-Nadfahrcr W. Meyer; Kanonier Ta nicke im Feld-Artillerie-Negiment Nr. 45; Kanonier Barkmann im Feld-Artillerie-Negiment Nr. 35; Reser vist Willy Siebe im Neserve-Jnfanterie-Negiment Nr. 86 (rettete mit 10 Kameraden die deutschen Geschütze aus dem feindlichen Feuer). Vom Felb-Vrtillerie-Regiment Nr. t» habe» folgende Offiziere da» Eiserne Kreuz erhalten: Oberst Det- mering, Hauptmann Schröder, Major Köhler, Hauptmann Wiese (gefallen), Hauptmann Wartze, Hauptmann Engl er, Leutnant Huffmann. Maßregel« gegen die Hnndeplage. Der Senat hatte bekanntlich bei der Bürgerschaft die Erhöhung der Hundesteuer beantragt, um die Hundeplage einzuschränken. Die Bürgerschaft verwies die Borlage an einen Ausschuß, der in seinem jetzt erstatteten Bericht« zu der Ueberzeugung gelangt, daß eine Steuer-Trhöhung nur die ärmere Bevölkerung treffen, die Absicht der Verminderung der Hundeplage aber nicht erreichen würde. Der Aus schuß schlägt daher andere Matzregeln vor, die ein Erreichen des be absichtigten Zweckes weit eher ermöglichen. Der Ausschuß beantragt: die Bürgerschaft wolle beschließen, den Antrag des Senats Kr. 196 vom LS. Juni ISIS, b«reffend Erhöhung der Hundesteuer, abzulehnen; dagegen den Senat zu ersuchen, I. der Bürgerschaft eine Vorlage zu machen, worin verboten wird, Hunde ohne Aufsicht umherlaufen zu lassen; L. die Polizeibehörde anzuweisen, geeignete Anordnungen zu treffen, um der Beschmutzung der Bürgersteige und öffentlichen Anlagen durch Hunde nach Mög lichkeit vorzubeugen;» S. eine Verordung durch die Polizeibehörde zu erlassen, nach der es verboten wird, daß sich Hunde in Räumen aufhalten, worin Nahrungsmittel feilge halten werden, sowie in geschlossenen Räumen, die dem W i r t sch a f t ö b e t r i e l, dienen; 4. daß im Z 3 Absatz l unter L des Hundesteuergesetzes vom 14. Juli 1905, welcher lautet: „für Hunde, welche ausschließ lich zur Bewachung von Gebäuden, Hofräumen oder anderen Plätzen verwandt werde», sofern sie am Tage im Freien auf ringsum eingefriedigten Grundstücken oder au der Kette und auch zur Nachtzeit nicht in Wohnungen gehalten werden", die Worte ,,am Tage im Freien" zu streichen. * Sammelstellen des Roten Kreuzes in Hamburg. ES wird hierdurch auf Grund der Erfahrungen der letzten Zeit nochmals zur Kenntnis der breiteren Öffentlichkeit gebracht, daß für das Note Kreuz bestimmte Liebesgaden außer in der Zentral-Annahmestelle, Zippelhaus Nr. 18, auch noch in den folgenden Annahmestellen abgeliefert werden können: Irrenanstalt Friedrichslierg, Barmbeck, Friedrichsbergerstraße Nr. öl>; Vereinshofpital, Schlump; Allgemeines Krankenhaus, Eppen dorf; Allgemeines Krankenhaus, St. Georg, Lohmühlenftraße; Allge meines Krankenhaus, Barmbeck, Rübenkamp; Marienkrank«nhaus, Alfredstraße Nr. 25; Diakonissen- und Krankenheilanstalt „Bethesda", Burgstraße 39; Annahmestelle von Hans Framheim, Marien-Terrasse Nr. 9; Irrenanstalt Langenhorn. Es ist Vorsorge getroffen, daß die bei diesen lokalen Annahmestellen eingelieferten Liebesgaben fortlaufend zur Abholung gelangen und der Zentralstelle des Roten Kreuzes zuge führt werden. Alle leicht verderblichen Sachen, wie Ge müse, frisches Ost, Geflügel usw. sind nach wie vor nur nach dein Na tu r h ist 0 r i sche n Museum, Mönckebergsrraße, zu liefern. 8 Fürs Vaterland gefallen. Leutnant Carl Kettler im Neserve-Jnfanterie-Regiment Nr. 76 am 1K. September; Diplom- Ingenieur des Hochbauwesens Georg Nico laus Hertmann; Offiziersstellvertreter Karl Heinrich Bus sing im Infanterie- Regiment Nr. 4ii (Diplom-Gartenmeister bei der Bau-Deputation); Offiziersstellvertreter Postsekretär Paul Erdmann am LS. August; Oberinaschinistenmaat Gustav Werkle von S. M. S. Cöln am L8. August bei dem Seegefecht vor Helgoland; Unteroffizier d. R. Josef Schütz am lö. August; Unteroffizier d. R. Max Dietfch im Reserve-Jnfanterie-Regiment Nr. 31; Einjährig-Freiwilliger Unteroffizier John Fischer im Infanterie-Regiment Nr. 31 am 16. September in Frankreich; Otto Bannehr am 27. September in Frankreich; Gefreiter d. R. John Wohle nberg im Jäger- Bataillon Nr. 9; Gefreiter Adolf Wäger im Feld-Artillerie-Negi ment Nr. 7ll am 16. September; Gefreiter d. R. Hans Bernheim (Beamter der Hamburg-Amerika Linie); Artur Sachs; Her mann Böhndel am 13. September; MnSletier Karl Schaller im Infanterie-Regiment Nr. 76 am 5. September; Musketier Emil Tau reck im Infanterie-Regiment Nr. 176 am 20. August aus dem östlichen Kriegsschauplatz; Gypsermeister Hermann Sieck am 26. August; Gustav Drittel im Reserve-Jäger-Bataillon Nr. 9 am 26. August.. " Bedeutende Gaben für die Hamburgische KriegShilfe. Wie in einer Sitzung des gcschästsführendcn Vorstandes mitgeteilt wurde, haben die Hamburger Sparkasse von 1827 und die Neue Sparkasse der Hamburgischen KriegShilfe je 1<X>ocX> Mk. über wiesen. Außerdem hat das Hilfskomitee der sozialdemo kratischen Partei wiederum 14 162.25 Mk. eingezahlt. Diese be deutenden Gaben wurden mit großem Beifall entgegengenommen. » Wollwarenziige deS Berliner KriegSausschnfseS. Der in Berlin tagende Kriegs niSfchuß hat mit der tatkräftigen Unterstützung der Landesvereine vom Roten Kreuz sogenannt« Wollwarenzüge einge richtet, deren erster gestern an die Front nach dem Westen abgegangen ist. Diese Züge nehmen außer einer großen Anzahl von Wagen, die mit von den einzelnen Landesvereinen vom Noten Kreuz gespendetes Wollwaren angefüllt sind, ein« Reihe Automobile mit, ,n die, so-, bald die Züge ihren Endpunkt erreicht haben, die Wollwaren verladen werden. Die Automobile besorgen dann die Weiterbeförderung dieser Liebesgaben an die Front. Das Rote Kreuz in Hamburg hat an diesem «dien und schönen Unternehmen auch beteiligen können, es gestern zwei Auto» nach Hannover gesandt hat. Dies« Auto» werden dort auf zwei Lori verladen und dem Wolwarenzug angehängt. Gestiftet sind die beiden Autos dem Roten Kreuz in Hamburg von Herrn Richard BarSdorf und vom Westfälischen Kvhlenwntor. Die Organisation der ganzen Wollwarenziige ist so getroffen, daß «inq planvolle Verteilung de» wertvoll«» Inhalt» »«t Sicherheit zu «r- vxnten ist. * Landsturm-Aufruf" betitelt sich ein flottes Soldatenlied, dem III. Landsturm-Jnfanterie-Bataillon Hamburg, gewidmet von dem Landsturmmann John Wend», zum AuSmarsch de» Bataillon» nach der Front. Herr Mendt, ein geborener Hamburger Bürger, welcher jetzt beim Bataillon als Schreiber dient, hat die zweckentsprechende prak tische Form des Marschliedes bestens verwendet und sein« Dichtung im Volkston gehalten. DaS Lied ist für 10 Pfg. bei Foh. Wendt, Bleichen brücke 2, zu haben. Der Ertrag wird ohne jeden Abzug der Hambur gischen Kriegshilfe überwiesen. * Die gemeinnützige zentrale Rechtsauskunftsstelle, Sohlhöfen Nr. 21, erteilt unentgeltlich Auskunft: 1. auf sozialem, versicherungs rechtlichem und gewerberechtlichem Gebiete an jedermann; 2. auf allen anderen Rechtsgebieten lediglich an Unbemittelte. Sprechstunden an jedem Werktage von 12—2U Uhr, Montags, Dienstags, Donnerstags, Freitags außerdem von K—8 Uhr abends. * Jubiläum. Herr Wilhelm Muhsfeldt, Monteur bei der Jalousie- und Markisen-Fabrik Heinrich Freese, feierte am 1. Oktober den Tag seiner LSjährigen Tätigkeit bei der Firma. Dem Jubilar wurde das vom Inhaber der Firma gestiftete Fabrikkreuz und ein reiches Geldgeschenk überreicht, außerdem wurde er durch Geschenke und zahlreiche Gratulationen d?r Beamten und Kollegen des hiesigen Ge schäftes, sowie der Geschäfte in Berlin-Niederschönhausen und Breslau erfreut. sHafen.) V Von der Schiffahrt. Der Wasserstand der Gib« erreichte heute inoraen um 6 Uhr bei Hochwasser und frischer Weftbrife (Wind stärke 3—4) eine Höhe von g Fuß 6 Zoll! über Null, — Am Sonntag fuhren 29 Passagierdampfer von der St. Pauli LandungSanlage av, hatte» aber zusammen nur 1215 Personen zu befördern. — Welche störende Folgen der Krieg auch für Rotterdam zur Folge hat, beweist, daß im September d. I. dort nur L39 Schiffe von 224 568 Register- tons eingetroffen sind, gegen 963 Schiffe mit 1176 926 RegistertonS im September 19l3. ^ (Gestrandet. Ter deutsche Fischdampser Lesum au» Nordenha ist auf der Jaderplate gestrandet und dann gekentert. Die aus 12 Per sonen bestehende Besatzung ist gerettet. DaS Wrack liegt in der Position 53 Grad 49 Minuten 53 Sekunden nördlicher Breite und 7 Grad 59 Minuten 27 Sekunden westlicher Länge. tAltona.) -XV- Schluß der Gartenbauausstellung. Di« Altonaer Garten. I hauaussielluiig ist gestern abend um 16 Uhr geschlossen worden. Trotz des wenig einladenden Wetters hatten sich viele Taufende Besucher eingestellt. Festinusik und eine Verlosung von Pflanzen fanden vielen Beifall. Abends fand noch eimnal eine Festbeleuchtung statt, und beim Teich vor dem Donnerfcheu Schloß wurde zwischen S und 16 Uhr von Meister Berckholtz ein prachtvolles Feuerwerk abgebrannt. Als zum Schluß auf der Teichbrücke daS leuchtende Bild deS Kaiser? erschien, umlobt von einem Kampflärm van Hunderten von Granaten und Bomben, stieg die Begeisterung des Publikum» auf da» Höchst«. Heil Dir im Siegerkranz wurde von Tausenden mitgesungen. Als das Feuerwert sein Ende erreichte, verlief sich die Dienschenfch« und die Ausstellung wurde damit geschlossen. Ritteilllnllcn aus den ThtaterbünauS. TariW » Hamburger Stadtthtater. TienStag „Thcotor KSrner". Mittwoch „Siegfried". Donnkrsta« „Tamchäuser". Eonntas nachmittag »Patriotisches Konzert". Alionacr Stadtihrater. Dienstag „Als ich noch im ylitgelileide", vorher Prolog von Kurt ÄiUt'lcr. Mittwoch „Die Quitzows". Donnerstag .Im weiben MSbl" und »AIS ich wiederkam"'. ' " > > Thalia-Theater. Montag und Mittwoch „Datertant". Deutsche» Schauspielhaus. Dienstag und Donnerstag drei KviezSblDer .WdriH", „Vorwärts" Mit „Tie Torganer Heide". Mittwoch „Die Frau von 40 Jahren". llarl. Lchiilne-Theater. Allabendlich „Wie «inst Im Mai". In Vorbereituli» „Imer feste druss", vaterlSndischeS Volksstück don Herman Haller und WM WoM, Musik don Walter Kollo. Verwundete Krieger erhalten wochentags freien Eintritt. Neue? Theater. DaS VollSstlick »ES braust ein Ruf . don Hon» OauS erfreut sich einer stets wachsenden weliebtheit. Lernmndet« Orieger KaSeir Wochentag? lreien Tintritt. Lchiller-Theater. Montag .gewonnene Herzen". Dienitag ,yn Vertretung", vreitah al» Uraussllhrung „Nun oder wollen wir st« dreschen!" «hesredoktolr! «»r« Vl«»««. >«r»»t»«nll<h» Redattoir«: ftir den lokalen »eil: z»«»»«; M »«» übrig«» redaktionelle« Teil! Sur» Piite»; i» H-Xburi, >«<»t»»rtlich für di» gnserat» mid Inserat-Beilage»! Carl « al«»« i> Ha»b«rg. »nd Verla«: »trardet » «». b, H«i»»«r» veutsclie Vorträge vamburgkclm ?roket;oren. Den dritten Vortrag hielt Professor Dr. Dibeliu » über Deutschland und England. WaS viel« in diesem Kriege nicht verstehen können, führte er aus. ist die Haltung Englands. Keiner anderen Nation stehen wir mit so ehrlichem Zorne gegenüber. ES ist die Macht gewesen, di« diesen Krieg seit Jahren systematisch geschürt hat. Ueberall haben die Engländer die Angst vor dem militaristischen Kolosse Deutschland genährt und eine Niederwerfung »IS die Vorbedingung einer neuen Kulturepoche bezeichnet. Der Krieg begann, als durch die englische Einkreisungspolitik daS Wild umstellt war. Für unS handelte es sich um alles. Vom Kaiser bis zum letzten Tagelöhner ist jeder bereit, die Folgen de» Krieges auf sich zu nehmen: Im Felde steht die konzentrierte Kraft eines Volke» von KS Millionen. Was tut England ? L00000 Söldner hat eS nach Fraiikreich geschickt, überall in der Welt blitzen nicht die englischen Schiffskanonen, sondern di« Fu»kenstationen, und den Seist der Lüge spritzt «S in di» Presse de» Auslandes. Nach unsern Begriffen ist da» kein Krieg mit ehrlichen Waffen. Wie kommt e», daß Deutschland und England trotz aller ehrlichen versuche nicht aneinander kommen können s Welche« sind dt« inneren Gründe? Wer hat den Krieg gewollt? Zunächst die englischen Imperialisten, die in Deutschland» Eeegeltung eine Gefährdung der englischen Weltmachtstellung sehen. England duldet keine anderen Götter neben sich. Unsere Kulturmission besteht nicht darin, ander« Kölker zu bekämpfen und zu bedrucken. Mit un» im Bunde steht di« Veographie und Geologie unsere» Lande«, di« man un» nicht nehmen kann. Gegen dies« imperialistischen Bestrebungen richtet» fich di« der Friedensfreunde. Die schon Ivll dt» beschämend« Marokko- Politik England» und die Verletzung de» Prinzip» der offenen Tür hierbei getadelt hatten. Aber ihnen fehlte di« Fühlung mit der aus wärtigen Politik. England hatte zu wählen zwischen Deutschland und Nußland und wählte sich dieses zum Freunde. Eine kleine Schar von Imperialisten und Kapitalisten har auch die ursprünglich friedlich gesinnten Arbeiter und die Fabrikanten von Manchester usw. aufgehetzt. In dem angeblich autolratisch regierten Deutschland wäre ein solcher Krieg unmöglich gewesen. In Deutschland hat gleich nach dem Beginn deS Krieges eine großartige Hilfsorganisation aller Kreise eingesetzt! in England nichts dergleichen. Hier bedeutet der Krieg nichts als eine schwere wirtschaftliche KrisiS, wie sie zu andern Zeiten auch vorkommt. ^ D>e FriedenSlieftrcbungcn in England hatten noch eine andere Schwäche. Den Engländern fehlt die richtige Orientierung über Deutsch- land. Oft find geistige Anregungen von Deutschland nach England Mubirgekommen. DaS Ergebnis war stet» etwa» spezifisch Angel- mchstscheS. Die Reformation kam von Deutschland nach England. ^"^.Arche ist drüben an die politische Macht gebunden. Alle großen kirchlichen Streitigkeiten haben sich nur um die Frage der Organisation, «« oe» Dogma» gedreht. Di« Dissenter» gehören nur dem Mittel stande an. Der Engländer will schnell reich werden. Aengstlich ver meidet er das tiefere Eindringen in die Probleme deS Lebens. Wenn eS ernst wird, schiebt man die Interessen anderer beiseite. Er unterliegt leicht der Massensuggestion. — Diese Einheitlichkeit des BolkScharakterS ist etwa» Großes, bildet aber auch eine Gefahr sür die Kultur. Aller Fortschrit geht durch die Differenzierung. Diese ist uns aufgezwungen durch unsere Geschichte. Sie hat unS zur Reformationszeit in zwei Lager gespalten, aber das Ergebnis nach Jahrhunderte langer Ohnmacht ist doch, daß der Geist sich den Körper geschaffen hat. Unsere Industrie wird England nicht auS dem Sattel heben. Nicht di« Masse, sondern die Differenzierung schafft di« Kultur. Unser Organismus, die Organisation de» Ganzen, die sedeS einzelne bedenkt, wie e» sich jetzt auf den Schlachtfeldern bewahrt, dies macht un» die englische Kultur nicht nach. Ein Zug im englischen BolkScharakter tritt allerdings dem Massen- instikt entgegen: DaS FreiheitSbedürfniS, und im Bunde mit großen Ideen hat eS Gewaltiges geleistet. Aber sich selbst überlassen ist «S unfruchtbar, wirkungslos. Wenn der Engländer sagt: „Mein HauS ist meine Burg", so heißt da» in S0 von IVO Fällen, er will «in» Einzel zelle sein. Sr sträubt sich gegen Einordnung tn ein Ganze». Dieser englisch« negativ« Freiheitsdrang ist verantwortlich dafür, daß dt« Macht d«» KönIgStum» fast au«g«löscht ist zugunsten «wer Oligarchi«, daß di» Kulturentwicklung bort zur Aufhebung aller Differenzierung drängt. Langsam wird auch die Oberschicht durchtränkt von dem WohlstandSideal d«r mittler«!» Massen. E» vertrocknen all« Quellen de» Idealismus. Der PuritaniSmu» verharrt tn unverändert«! Starrheit. Er ist da» Zentrum der Unwissenheit über da» Ausland. ES gibt «inen Grad dieser Unwissenheit, wo er anfängt, ein Verbrechen zu werden, und di«fer Grad ist in vielem Krieg« «rr«icht worden. S» gibt aber auch Ding«, di» zur v«rständigung dräng«». Auch drüben fehlt «S nicht an Innerlichkeit. Denken wir an dt« Schotten, an Tarlhle, Shakespeare. Die englisch« Literatur zeigt oft da» Streben, den germanisch-sittlichen Kern des Volkstums zu Pflegen und die Klammern deS Materialismus zu sprengen. Am Abend der Schlacht von Königgrätz schwebte Bismarck das Bünd nis mit dem Gegner vor. Hoffen wir ähnliches von England. Aber die Vorbedingung bleibt «in Königgrätz. England muß unsere Macht zu spüren bekommen. ES muß verzichten auf den Traum einer absoluten Herrschaft zur See. Dies« Idee, die «S seit der napoleonischen Zeit hegt, war nicht mehr zu verwirklichen, als auch andere Nationen begannen, Kolonien zu gründen und Bußenhandel zu treiben. Jetzt bedeutet dieser Anspruch eine Vergewaltigung Europas. Wir kämpfen für die offene Tiir auf dem Meere und sichren so dt« Sache Europas. Bei Licht« besehen» hat England schon lang« nicht mehr diese Vorherrschaft. Die Flotten Deutschlands und der Vereinigten Staaten zusammen übertreffen die englische. Eine Herrscherrolle fleht nach unsern Begriffen auch anders aus, al» das bisherige Verhalten der englischen Flotte in diesem Kriege. , Noch einen zweiten Anspruch Englands müssen wir bekämpfen: daß ^ sein« Kultur di» einzia» und allein maßgebend« sei. Wir haben uns zu der Erkenntnis durchgerungen, daß e» verschiedene berechtigte Kultur systeme gibt. Wir sehen in dem Wohlleben und der Sportleidenschast einer kleinen Minderheit kein Zeichen einer höheren Kultur, auch darin nicht, daß daS Portemonnaie höher bewertet wird als der Degen, und daß man fremde Völker in den Krieg schickt statt de» eigenen Einsatzes und daß man diesen Krieg al» ein Handelsunternehmen ansteht, au» dem man möglichst hohe Spesen herausschlagen will. Wir kämpfen nicht gegen das große England, da» wir hoch und wert hielten, sondern das kleine England puritanischen Hochmuts, der Heuchelei und Ueberhebung. Darum wird eS unS gelingen — und wenn dt» Welt voll Teufel wär'I rbtiitel un» Mull». Patriotischer Abend. Im Tondentgarten versammelte fich am Sonnabend «i« zahlreiches Auditorium, um den Vorträgen hiesiger Künstler z« lauschen» die ihr« schöne Kunst in den Dienst de» Roten Kreuze» gestillt hatten. ES galt ein außerordentlich lange« Programm zu absolvieren, da» erst kurz vor Mitternacht sein End» fand» trotzdem noch «inige Orchesterstück» gestrichm warm. Nach «in«» Anleitenden Marsch, den gleich w«it«r«n Stück«n di, Kapell, dir Altona« Beamtenschaft spielt«, begrüßt, Dr. Tarl Albrecht dt» L»w«s«ndm «tt trefflichen Worten unter Hinweis auf di. Weltlag» und den Zweck des Abends. Dann erschienen Kriegsfreiwillig« der 1. Tr'atz-Maschinrn- g«wehr-KoinPagni» d«s S. Armeekorps, um unter herzlich«« Beifall «inig» Volkslieder vorzutragen. Ihnen folgt« dir KriegSfrtiwillig» H«rr PelS mit dem Bortrag, eine» Gedichte» „Der Sturm", oa» dt« Zeit d«r Mobilmachung illustriert. Herr Jmr« Aldari-P«rl erfreut« endlich durch den wirksamen Gesang «iniger Lüwe-Ballad«n. Im zw«it«n Teil hitlt, iing«litt«t durch da» Siied«rländtsch» Dankgibit, Herr Hauptpastor 0. Hunzinger die F-streb«. Sr legt« ihr Wort» d« beiden größten deutschen Dichter und der Bibel zu Grund«. Schill«» sägt: „Der Starke ist am mächtigsten allein", Goethe: „O weh der Lüg« t und di« Bibel: Gott mit unS l In zündender, oft von Beifall unterbrochener Rede wußte er die Herzen zu packen und zu herrlicher Begeiferung zu entflammen. ' Nachdem dann Herr Carl Günther vom Stadttheater durch einig« Liedergaben erfreut hatte, schloß der gemeinsame Gesang von LutherS Trutzlied „Ein fest« Burg" diese Abteilung. Den Schlußteil begann Herr Dr. Nordegg von der Volksoper mit der GralSerzählung und Walter» PreiSlied, Fräulein Francillo-Kaufsmann erfreute durch da» Gebet au» „ToSka" und da» bekannte Taubertlicd „Der Vogel im Walde", das sie zweimal Friller» durste. Die Kriegsfreiwilligen gaben noch einige Volkslieder zum b.ften und vereinigten sich endlich zu, einer bunten Beiwacht-Szene, auS der heraus Herrn Lohfing» markig« Ras; patriotiiche nieder von Kunze und göllner erschallen ließ. Zum Schluß brauste die Äacht am Rhein durch den Saal al» würdig« Abschluß einer erhebenden, stimmnilgSreichen Veranstaltung, di» de» Roten Kreuz ohne Zweifel «inen erhebliche» Zuschuß gebrecht hat. ».4 ->
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Kunstmatige intelligentie
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